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Vergabepraxis
Interessentin kritisiert Tierheim Wesendahl

Warum Tierheim-Hunde nicht vermittelt werden dürfen, dafür kann es je nach Einzelfall viele Gründe geben.
Warum Tierheim-Hunde nicht vermittelt werden dürfen, dafür kann es je nach Einzelfall viele Gründe geben. © Foto: Gerd Markert
Martin Stralau / 17.08.2018, 06:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Das auch für Strausberg zuständige Tierheim Wesendahl steht in der Kritik, weil Tiere nicht vermittelt werden, obwohl das Profil der Interessenten passt. Die Leiterin streitet das ab. Wenn Tiere nicht herausgegeben werden, habe das gute Gründe.

Als Stefanie Schneider vor Kurzem einen MOZ-Beitrag zum Tierheim Wesendahl las, erinnerte sich die Strausbergerin daran, dass sie im vergangenen Jahr einen Hund aus dem Tierheim holen wollte. Ein gescheitertes Unterfangen. Denn die Einrichtung, die für viele Kommunen in der Umgebung – darunter auch Strausberg – Partner beim Bergen und Aufnehmen von Fundtieren ist und regelmäßig Tiere vermittelt, lehnte ihren Wunsch ab.

„Es scheiterte daran, dass die Mitarbeiter des Tierheims mir keinen Hund überlassen wollten, obwohl ich beste Voraussetzungen – Haus mit Garten, jahrelange Hundeerfahrung – mitbringe. Zu jedem einzelnen Hund wurde mir erklärt, warum ausgerechnet dieser nicht vermittelt werden kann“, sagt die Tierfreundin.

Sie habe das Gefühl gehabt, dass die Hunde gar nicht vermittelt werden sollten, „denn ich bekundete wirklich Interesse an allen sichtbaren Tieren, da ich nicht festgelegt war“. Zu Hause habe sie dann auf die Website des Tierheims geschaut und überraschenderweise Hunde zur Vermittlung angezeigt bekommen, die vor Ort nicht vermittelbar waren. „Da ich unbedingt einem Tierheimhund die Chance auf ein schönes Zuhause geben wollte, schickte ich nun eine Freundin mit ihrem Ehemann für mich ins Tierheim. Aber auch die beiden hatten kein Glück“, berichtet Stefanie Schneider.

In den letzten Monaten habe sie sich daraufhin bei vielen Hundebesitzern umgehört und sei erstaunt gewesen, „wie viele von ihnen ähnliche Erfahrungen mit dem Tierheim Wesendahl gemacht haben oder zumindest Menschen kannten, denen es ebenso erging“. Stefanie Schneider fragt sich nun, warum es offenbar so viele Fälle gebe. Und ob das vielleicht damit zusammenhänge, dass das Tierheim eine bestimmte Anzahl an Hunden vorhalten müsse, um seinen Personalschlüssel an geförderten ABM-Kräften zu halten.

Tierheim-Leiterin Karin Szech verneint das rigoros. „Das Tierheim hat keine ABM-Kräfte, wir bezahlen unsere Mitarbeiter komplett selbst“, sagt sie. Zum vorliegenden Fall erklärt sie, sie kenne ihn nicht. „Ich lege aber meine Hände für meine Mitarbeiter ins Feuer, dass es Gründe gab, warum die Vermittlung nicht geklappt hat. Sie arbeiten gewissenhaft und ordentlich.“ Das Tierheim sei an sich über jedes Tier froh, was vermittelbar ist, betont Karin Szech – aber eben nur unter bestimmten Umständen. „Wir dürfen zum Beispiel keine Kampfhunde vermitteln und keine Tiere, die nachweislich aufgefallen sind.“ Es gebe zum Beispiel Hunde, die Frauen nicht leiden könnten, weil sie in der Vergangenheit von einer gequält wurden. „Unsere Mitarbeiter sind so geschult, dass sie das sehen.“ Würde man solche Tiere nun an eine Frau abgeben, sei programmiert, dass es schief gehe. „In solch einem Fall wären wir als Tierheim zurecht angreifbar.“

Die Vermittlungsgespräche seien daher standardisiert, sagt Karin Szech. „Es gibt sehr wenige Fälle, wo eine Vermittlung nicht klappt.“ Manchmal scheiterten sie auch, weil Interessenten Hunde haben wollen, die sie im Internet gesehen haben, die aber bereits unter der Rubrik vermittelt stehen. Andere wollen Tiere haben, die vom Amtstierarzt noch nicht freigegeben seien. „Denn jedem Besitzer, dem das Tier vom Amtsarzt eingezogen wurde, wird die Möglichkeit eingeräumt, sein Tier unter bestimmten Voraussetzungen zurückzubekommen.“

Manchmal würden sich Interessenten auf Tiere versteifen, die generell nicht oder zu diesem Zeitpunkt nicht vermittelbar sind. „Wir verbinden das aber immer mit der Einladung, dass die Leute wiederkommen können, wenn es jetzt nicht mit einem Tier für sie klappt“, so Karin Szech.

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Ursula Münch 17.08.2018 - 15:26:41

Interessentin kritisiert Tierheim Wesendahl

Im Gegensatz zu Frau Schneider habe ich über Jahrzehnte nur gute Erfahrungen mit dem Tierheim Wesendahl und seiner Vergabepraxis. Das betrifft vorallem den "Hundespezialisten" Herrn Schöning, der einen ganz erstaunlichen Blick dafür hat, welcher Hund zu wem passt, und wann eine Vergabe nicht zweckmäßig erscheint, weil die Chemie zwischen den Partnern nicht stimmt. Ich betreue inzwischen bereits den dritten Hund aus Wesendahl, und wie seine beiden Vorgänger ist dieser Dackelmix-Rüde mir so zu sagen auf den Leib geschneidert. Bei der Vergabe (2014) führte Herr Schöninger zunächst eine brave kleine Hündin herein, die sich allerdings kurzerhand von mir abwandte und ihrem netten Betreuer hinterherlief. Ich hätte sie trotzdem gern genommen. Aber: "Nein, das wird nichts!" sagte Herrn Schöninger und brachte mir danach den weniger braven Oskar, der sich sofort für meine Tochter und mich interessierte. Mit anderen Worten: Ich vertraue und danke den Mitarbeitern des Tierheims Wesendahl! Mein Dank gilt nicht zuletzt auch ihrer mehrfach bewiesenen raschen, unermüdlichen und mitunter sogar risikoreichen Hilfsbereitschaft bei der Rettung von Strausseeschwänen, die infolge leichtfertigen Umgangs von Hobbyanglern mit ihren Gerätschaften leider bereits wiederholt Schnüre mit oder ohne Haken verschluckten und damit ohne menschliche Hilfe zu einem qualvollen Tod verurteilt gewesen wären. Auch im vergangenen Jahr bemerkten der Fährmann und ich frühmorgens die aus dem Schnabel eines Jungschwans heraus hängenden Schnüre und alarmierten die Wesendahler Retter per Telefon. Sie waren in kürzester Zeit zur Stelle, derJungschwan ließ sich zu seinem eigenen Glück leicht fangen - und wurde nach Entfernung der gefährlichen Strippen bereits am nächsten Morgen vor unseren Augen wieder in die Freiheit entlassen.

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