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Freiwillige
Geänderte Zukunftspläne dank FSJ

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch: IB-Freiwilligendienstkoordinatorin Astrid Ahner (hintere Reihe 2. v. r.) mit einigen ihrer scheidenden FSJler.
Regelmäßiger Erfahrungsaustausch: IB-Freiwilligendienstkoordinatorin Astrid Ahner (hintere Reihe 2. v. r.) mit einigen ihrer scheidenden FSJler. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 20.08.2018, 06:15 Uhr - Aktualisiert 21.08.2018, 11:17
Neuenhagen Ein Freiwilligenjahr ist mehr als eine Überbrückung oder Notlösung, es kann mit beruflichen Vorentscheidungen weichenstellend für ein ganzes Leben werden. Das zeigen auch die Erfahrungswerte junger Leute, die – koordiniert vom Internationalen Bund (IB) – an verschiedenen Einsatzstellen in Kürze ihr FSJ beenden.

Noch einmal sind sie im Neuenhagener Büro von Astrid Ahner zusammengekommen. Paula Theresa Diestler, Louis Krummheuer, Antonia Hoffmann, Elise Kämpf. Lea Gärtner und Patricia Strache haben schon am Tisch Platz genommen, auf dem unter anderem Weintrauben und Salzstangen stehen. Und die Gastgeberin, die für den IB im Bereich Märkisch-Oderland/Barnim/Berlin die Freiwilligendienste koordiniert, bringt gerade noch den frisch gebrühten Kaffee. Oft haben sie so oder ähnlich an dieser Stelle gesessen, um sich auszutauschen, positive Erfahrungen zu teilen, aber auch offen etwa aufgetretene Probleme anzusprechen. Bei anderen FSJ-Anbietern finden die insgesamt 25 Seminartage des Jahres in zwei oder drei Blocks statt. Zwar haben auch die IB-Freiwilligen solche längeren Treffen und eine Seminarfahrt. Aber gerade diese Runden alle zwei oder drei Wochen finde sie schön, sagt Lea unter dem Nicken der anderen: „Der Austausch hier war immer großartig, ich habe viel dazugelernt, zumal ja die Einsatzstellen alle ziemlich verschieden sind.“

Im Fall der 19-jährigen Berlinerin war dies eine Kindereinrichtung in Lichterfelde. Dort habe sie sich schnell gut aufgenommen gefühlt ins Team, habe eine gute Beziehung zu den Kollegen. Das bestätigt auch die andere Berlinerin. Antonia, ebenfalls 19, war bei den „Fröbelspatzen“ in Friedrichshain eingesetzt. „Die Kolleginnen, mit denen ich inzwischen richtig befreundet bin, waren immer bemüht, mich nicht irgendwie als Praktikantin zu behandeln“, unterstreicht in ähnlicher Weise die 18-jährige Hönowerin Elise, die ihr FSJ in der örtlichen Kita „Rappelkiste“ verbringt. Und die Vogelsdorferin Patricia (19) fühlte sich an der Bürgelschule Schöneiche sehr wohl: „Schon am Anfang wurde mir gesagt von den Kollegen, wie schön sie es finden, dass ich ihnen unter die Arme greife. Ich war ja die erste FSJ-lerin dort, habe viel Lob bekommen, aber auch hilfreiche Kritik. Eine Lehrerin meinte sogar, sie würde mich als Referendarin nehmen“, erzählt sie begeistert.

Obgleich nicht jeder Tag eitel Sonnenschein war – wirklich schlechte Erfahrungen hat aus dieser Runde, nur ein Teil von den pro Jahr durchschnittlich 35 von Astrid Ahner betreuten Freiwilligen, niemand gemacht. „Ich fand es wichtig, das mal auf diese Weise zu proben, bevor man in einen sozialen Beruf geht“, sagt der 20-jährige Strausberger Louis, der im Neuenhagener IB-Jugendhaus Blaupause tätig ist. Jugendliche gibt es dort derzeit weniger, ein Generationswechsel läuft, Kinder müssen erst wieder neu an den Klub und seine Angebote herangeführt werden, wobei er tüchtig gefragt war. „Ich bin offener geworden im Umgang mit den Kindern und Eltern“, betont er. Und auch bei den anderen scheidenden FSJlern des Jahrgangs 2017/18 spielt in einem dieser letzten Gespräche in der Gruppe diese Bilanz für die persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle. „Stressresistenter“ sei sie geworden, wirft Lea da ein, und Elise ist wichtig, zu erwähnen, dass sie durch die Arbeit wie auch die Seminar-Runden viel an Selbstvertrauen gewonnen habe. Zudem zeigt sich an ihrem Beispiel – manchmal kann am Ende des Jahres auch die Erkenntnis stehen, „dass dieser Beruf doch nichts für mich ist“. Aber eben darauf kommt es an: Erfahrungen sammeln, eigene Grenzen austesten, vielleicht auch bisher verborgene Talente und Interessen ausloten.

Paula, 19 und in Bernau zu Hause, hat im Ortsteil Birkholz ihre Einsatzstelle in der Kindertagesstätte „Frizzi-Jette-Haus“. Stark gefordert sei sie dort öfter gewesen, nicht nur durch die häufigen Wechsel zwischen Krippe, Kindergarten und Vorschule. Aber gerade das gute Miteinander im Team habe ihr viel geholfen, ist sie den Kollegen dankbar.

Die Einsatzstelle von Patricia gehört zu den inzwischen 30 im Rahmen des Landes-Sonderprogramms FSJ-Schule. Und die junge Vogelsdorferin betont, dass sie während der vergangenen Monate nicht nur spürbar selbstbewusster und offener geworden sei, sondern tatsächlich diesen Berufsweg einschlagen möchte: „Das ist genau meins, weil ich da richtig drin aufgehe!“ Solche Begeisterung erhofft sich Astrid Ahner auch vom nächsten FSJ-Durchgang. Etliche Plätze, Beginn in der Regel ab September, sind noch frei (siehe Kasten).

Einsatzstellen im Verbund des IB 2018/19

■ Kitas: Fredersdorf-Vogelsdorf, Hoppegarten, Bernau, Letschin, Wandlitz (Schönerlinde, Stolzenhagen, Lanke, Klosterfelde), Letschin, Biesenthal, Berlin (Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Treptow-Köpenick, Mitte, Adlershof, Lichterfelde, Spandau, Neukölln)

■ Menschen mit Behinderung: Werkstätten in Strausberg, Müncheberg, Rüdersdorf sowie Wohnstätten in Petershagen-Eggersdorf, Rüdersdorf, Biesenthal

■ Arbeit mit Senioren/Altenpflege: Heime in Strausberg, Neuenhagen, Panketal sowie Häusliche Kranken- und Seniorenpflegedienste in Fredersdorf-Vogelsdorf

■ Schulen: Grundschulen in Schöneiche, Joachimsthal; Oberschule und Berufsschule Neuenhagen; Hort in Fredersdorf, Wandlitz

■ Flüchtlingsarbeit: Einrichtungen/Projekte in Neuhardenberg, Gusow-Platkow, Strausberg, Hoppegarten, Müncheberg, Neuenhagen

■ Sonstiges: Krankenhaus in Grünheide; Reiterhof Hop­pe­garten, Jugendhaus Neuenhagen, Fußballclub Neuenhagen

Weitere Infos/Bewerbung: Tel. 03342 2137674, Freiwilligendienste-neuenhagen@ib.de sowie online www.ib-freiwilligendienste.de undwww.internationaler-bund.de/FWD-BBNO

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