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Kommunales
Debatte um gelbe Schleifen

Wird im Vorbeifahren kaum wahrgenommen: Gelbe Schleifen sind an den seitlichen Böschungen am Kreisverkehr zwischen der von-Hardenberg-Kaserne und dem Campus Bundeswehr Strausberg in der Prötzeler Chaussee angebracht. Wer die Straße in Nord-Süd-Richtung und umgekehrt befährt, bemerkt sie kaum.
Wird im Vorbeifahren kaum wahrgenommen: Gelbe Schleifen sind an den seitlichen Böschungen am Kreisverkehr zwischen der von-Hardenberg-Kaserne und dem Campus Bundeswehr Strausberg in der Prötzeler Chaussee angebracht. Wer die Straße in Nord-Süd-Richtung und umgekehrt befährt, bemerkt sie kaum. © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 03.09.2018, 19:22 Uhr
Strausberg (MOZ) Um den Vorschlag, in der Stadt mit symbolischen Gelben Schleifen die moralische Unterstützung für die Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz zu demonstrieren, ist im Hauptausschuss und in den sozialen Medien ein heftiger Streit entbrannt.

Die Beschlussvorlage trägt drei Unterschriften: Sonja Zeymer für die Fraktion der UfW Pro Strausberg, Manfred Leitner für die CDU-Fraktion und Sibylle Bock für die SPD schlagen vor, dass am Tag der Einheit, dem 3. Oktober, an markanten Punkten der Stadt feierlich Gelbe Schleifen enthüllt werden. „Als Zeichen der Verbundenheit der Stadt Strausberg mit den im Einsatz befindlichen Soldatinnen und Soldaten“ seien sie gedacht, und die Stadtverwaltung wird beauftragt, die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. In der Begründung werden auch die markanten Punkte näher ausgeführt: die Ortseingänge, das Rathaus, das Standesamt (sicher ist das alte Stadthaus gemeint) oder die Große Straße. Offenkundig um ideologische Vorbehalte und politische Debatten um Auslandseinsätze zu vermeiden, stellen die Einreicher der Beschlussvorlage klar: „Die Gelbe Schleife ist ein wertfreier Ausdruck für die Verbundenheit mit den Menschen in der Fremde – kein Symbol für oder gegen den Einsatz als solchen.“ Lediglich den „Wunsch nach baldiger, gesunder Rückkehr unserer Angehörigen, Freunde, Nachbarn und Bekannten“ drücke sie aus.

Strausberg als Garnisonstadt mit 300-jähriger Tradition hat zwei Gelbe Schleifen in seinem öffentlichen Raum. Sie schmücken als Reliefdarstellungen die seitlichen Böschungen des Kreisels zwischen von-Hardenberg-Kaserne und dem Campus Bundeswehr Strausberg in der Prötzeler Chaussee. Da die meisten Verkehrsteilnehmer die Straße in der Nord-Süd-Richtung und umgekehrt befahren, nehmen sie die vorbeihuschenden Symbole meist gar nicht wahr. Die Bundeswehrangehörigen, die beim Verlassen ihrer Dienststellen frontal darauf zufahren, freilich schon.

In der jüngsten Hauptausschusssitzung sagte Bürgermeisterin Elke Stadeler, dass der Deutsche Bundeswehrverband die Finanzierung der Gelben Schleifen übernehme. Dessen Kameradschaft Ehemalige Strausberg wusste davon nichts. Vorsitzender Horst Matschey schrieb auf Nachfrage: „Die derzeitige Federführung zur Initiative Gelbe Schleife liegt in der Zuständigkeit des Vorsitzenden der Standortkameradschaft, Hauptmann Christian Weber.“ Der war für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen. Elke Stadeler erinnerte auch daran, dass die Stadt seit 20 Jahren eine Partnerschaft mit der Bundeswehr habe und die Städtepartnerschaften auch an den Ortseingängen dargestellt würden.  Sibylle Bock (SPD) sagte: „Ich bin immer mehr für Taten als für Symbole. Aber in diesem Fall haben wir wenige andere Möglichkeiten, unsere Verbundenheit zu zeigen.“

Heftiger Gegenwind blies den Einreichern aus der Linken-Fraktion entgegen. Bernd Sachse, Ronny Kühn und Gregor Weiß hinterfragten Motive. Warum Soldaten so herausgehoben würden, man könne auch anderen Berufsgruppen eine gesunde Rückkehr wünschen, war einer dieser Einwände. Die Bedeutung der Gelben Schleife sei im Internet unterschiedlich beschrieben. Bernd Sachse brachte schließlich einen Änderungsantrag ein. Er wollte dann an den Ortseingängen ein Zusatzschild, das Strausberg als „Stadt des Friedens“ benenne.

Namens der Einreicher betonte Steffen Schuster (UfW/Pro Strausberg), die Gelbe Schleife habe eine gewisse Symbolik, die für sich allein stehe und keine zusätzlich angepappten Schilder mit Friedenstauben brauche. Es gehe nicht darum, die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu bewerten.

Elke Stadeler ließ den Änderungsantrag abstimmen. Nur die vier Stadtverordneten der Linken stimmten für ihn. Entsprechend passierte die Vorlage mit sechs zu vier Stimmen den Hauptausschuss und wird am 13. September in der Stadtverordnetenversammlung abgestimmt. Dass das Ergebnis dort schon feststehen könnte, regte den einzigen anwesenden Bürger, Carsten Wenzel, auf. „Es geht doch damit schon wieder los, dass die Politiker über die politische Meinung der ganzen Stadt bestimmen wollen“, sagte er nach der Sitzung. Er sei strikt gegen die Bundeswehr-Kampfeinsätze und verwahre sich dagegen, mit den Gelben Schleifen am Ortseingangsschild und etwa noch in der Großen Straße als ihr Unterstützer vereinnahmt zu werden.

MOZ-Leser, die das Thema mit diskutieren wollen, schreiben an die Lokalredaktion in der Großen Straße 63, 15344 Strausberg, oder per E-Mail an strausberg-red@moz.de.

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