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Sigmund Jähn
Im Orbit viel Schweiß vergossen

Jens Sell / 06.09.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 06.09.2018, 10:08
Strausberg (MOZ) 40 Jahre nach dem Weltraumflug von Sigmund Jähn hat die Stadt Strausberg ihren Ehrenbürger und seine Großtat mit einer Veranstaltung im Flugplatzhangar gewürdigt.

Vieles war anstrengend für Sigmund Jähn an jenem legendären Weltraumflug vor 40 Jahren. Auch dass er und sein Kommandant Waleri Bykowski zum Beispiel ihre anatomisch angepassten Sessel aus dem Raumschiff Sojus 31, mit dem sie zur Raumstation Saljut-6 geflogen waren, in die Sojus 29 ummontieren mussten, hat sie einige Tropfen Schweiß gekostet. „Wobei Sessel jetzt vielleicht nicht das ganz zutreffende Wort ist“, fügt er mit einem schelmischen Lächeln hinzu.

Es mögen rund 100 Leute sein, die in den Reihen im alten Hangar des Strausberger Flugplatzes an den Lippen des einstigen Helden der DDR hängen. Tatsächlich wurde ihm dieser Titel nach dem Weltraumflug verliehen, und wenn ihn einer verdient hatte, dann der erste Deutsche im All, dem jeglicher Personenkult und Heldenverehrung völlig fremd sind. Darin sind sich auch die Besucher der Jubiläumsveranstaltung zweifellos einig, die den Ehrenbürger und seine Tat würdigen soll, wie Bürgermeisterin Elke Stadeler eingangs sagt.

Museums- und Bibliotheksleiterin Christa Wunderlich hat den Nachmittag vor der Kulisse der abgestellten Flugzeuge organisiert. Und die Ausführungen von Sigmund Jähn sind das Spannendste, eben weil er kein Vortragskünstler ist. Weil er schlicht erzählt, wie er damals ins Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung befohlen wurde, wo Dutzende Jagdflieger im Vorzimmer warteten und zu Einzelgesprächen hereingerufen wurden, ohne zu ahnen, worum es ging.

Und wie er die vielen Eignungstests auf dem Drehstuhl und in der Zentrifuge überstand und beinahe an einem Riechtest des HNO-Arztes gescheitert wäre.  „Ich kann nicht anders, ich krieg immer wieder Gänsehaut, wenn er so erzählt“, sagt der Strausberger Pedro Seidel anschließend in der Pause. In dieser muss Sigmund Jähn das machen, was er seit September 1978 wohl millionenfach getan hat: Autogramme und Widmungen schreiben.

Seinerzeit im Orbit hatte er auch die Multispektralkamera MKF-6 aus dem Kombinat Carl Zeiss Jena zu bedienen.  Die leeren Filmkassetten gegen die vollen auszutauschen, sei in der Schwerelosigkeit gar nicht so einfach gewesen. Daran knüpft nach der Pause der Wissenschaftler Anko Börner vom Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut für optische Senorsysteme an. Er stellt die Entwicklung von der MKF-6 zur modernen Desis-Kamera dar, die gerade am 30. August auf einer Außenplattform der internationalen Raumstation ISS montiert wurde und dieser Tage die ersten Daten zur Erde sandte. „Sie sind die Ersten außerhalb unseres Instituts, die diese allerersten Bilder sehen“, sagt er den Besuchern. Wieder Gänsehaut.

Nach einer weiteren Pause referiert Ulrich Köhler vom Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut für Planetenforschung über die Erforschung des Mars. Ihn umkreist schon seit Jahren ebenfalls eine Kamera aus Berlin-Adlershof, die HRSC-Kamera. Köhler hat ein Modell dieses digitalen Hightech-Messgerätes zur Aufzeichnung von Spektren mitgebracht.

Die Strausberger klatschen lange Beifall für diese Veranstaltung. Dass Christa Wunderlich ihnen diese Stunden mit ihrem sympathischen Ehrenbürger organisiert hat, danken sie ihr sehr. Sie ihrerseits dankt ihren Mitarbeiterinnen und den vielen Helfern und Unterstützern bis hin zu den Stadtwerken, die den Nachmittag erst ermöglichten. Für sie alle signiert Sigmund Jähn Karten.

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