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Ruderclub
Hilferuf nach Baufirmen

Der einzige Ort, der nach Baustelle aussieht: Rudervereinsvorsitzender Heinz Bischoff, Architekt Wolfgang Baier und Vize-Vorsitzender Jürgen Eisner (v. l.) stehen am Vereinshaus an der Stelle, wo Bodenproben genommen wurden.
Der einzige Ort, der nach Baustelle aussieht: Rudervereinsvorsitzender Heinz Bischoff, Architekt Wolfgang Baier und Vize-Vorsitzender Jürgen Eisner (v. l.) stehen am Vereinshaus an der Stelle, wo Bodenproben genommen wurden. © Foto: Margrit Meier
Margrit Meier / 12.09.2018, 07:15 Uhr
Rüdersdorf bei Berlin (MOZ) Eigentlich sollten am Ruderclub in Rüdersdorf die Handwerker wirbeln. Doch still ruht der Kalksee, laufen dem Verein die Kosten aus dem Ruder und die Zeit davon. Was ist dort los?

Bei einem Besuch im März im Rudervereins-Hauptgebäude am Kalksee strahlten Vorsitzender Heinz Bischoff, Vize Jürgen Eisner und Architekt Wolfgang Baier um die Wette. Denn dem Verein war es gelungen, 250 000 Euro Fördermittel bewilligt zu bekommen. Der Verein selbst steuert 85 000 Euro Eigenmittel und Eigenleistungen hinzu.

Das Strahlen ist aus den Gesichtern der drei Herren sechs Monate später verschwunden. Es ist auch auffällig still im verwinkelten Gebäude aus dem Jahr 1927. Bauarbeiter, die den behindertengerechten Anbau errichten und das Dach u. a. für die Para-Sportler des Vereins ausbauen, sucht man vergebens. „Wir bekommen einfach keine Baufirmen“, bringt es Heinz Bischoff auf den Punkt. Wie es bei Fördermitteln, also öffentlichen Geldern, üblich ist, müssen Bauleistungen je vier Wochen öffentlich ausgeschrieben werden. Dafür gibt es den Brandenburger Vergabemarktplatz.

Ausgeschrieben wurden vom Ruderverein u. a. Abriss, Maurer- und Betonarbeiten sowie der Verbau. Ein Gewerk greift ins Nächste. Erst, wenn der Verbau fertig ist, können die Maurer- und Betonarbeiten so richtig losgehen. Mit Verbau ist gemeint, dass dort, wo im neuen Anbau ein behindertengerechter Aufzug eingebaut werden soll, der Hang bis zu fünf Meter zur Straße abgestützt und abgefangen werden muss, so dass das Ganze Stabilität hat. Für alle drei Gewerke hat sich, berichtet der Hennickendorfer Architekt Wolfgang Baier, je eine Firma gemeldet. „Wir haben, das ist üblich, die Firmen überprüft. Das Unternehmen, das den Verbau ausführen wollte, hatte, sagen wir mal freundlich, juristische Probleme. Auf die Vergabe haben wir lieber verzichtet.“

Nach der öffentlichen Ausschreibung ist eine beschränkte Vergabe möglich. „Dank Marina Paczynski aus der Gemeindeverwaltung konnten neun Firmen angeschrieben werden. Doch nicht eine hat reagiert“, bedauert Jürgen Eisner. Wenn auch eine beschränkte Vergabe nicht funktioniert, kann sich der Auftraggeber eine Firma suchen und den Auftrag freihändig vergeben. Theoretisch ja, praktisch derzeit aber unmöglich. Jetzt noch Handwerksfirmen zu bekommen, ist utopisch, haben die Herren feststellen müssen. „Das hätte uns schon im Februar auffallen müssen, als uns der Landessportbund die 250 000 Euro übergeben hat. Da waren bei den Firmen die Auftragsbücher schon voll. Besser wäre gewesen, wir hätten dieses Jahr den Bau in Ruhe vorbereiten, ausschreiben und nächstes Jahr durchziehen können“, sagt Heinz Bischoff.

Wie schwierig der Markt zurzeit ist, zeigt sich auch beim Aufzugsbauer. 14 Firmen wurden angeschrieben, eine hat sich gemeldet und den Zuschlag bekommen. Beim Dachausbau gab es zwei Angebote. „Eines war vom Preis realistisch, das andere dreifach so teuer“, schüttelt Wolfgang Baier nur noch mit dem Kopf. Auch bei der Vergabe von neuen Fenstern war keine Firma bereit, den Auftrag anzunehmen.

Nun hatten sich die drei gedacht, dass sie umplanen und nun doch erst mit dem Dachausbau anfangen. Doch dies scheint an der fehlenden Gerüstbaufirma zu scheitern. Heute soll Submission für diese Ausschreibung sein. Der Posteingang ist mau. „Ursache für das Ganze ist die gute Konjunktur. Firmen können sich aussuchen, wo sie sich bewerben, und nehmen logisch lieber Aufträge an, die mit wenig bürokratischem Aufwand zu erledigen sind. Wenn öffentliche Gelder im Spiel sind, dann ist da immer unheimlich viel Papier auszufüllen“, sagt Architekt Baier.

Am 31. Dezember 2018 ein nutzungsfähiges Gebäude vorzuweisen, ist unrealistisch. Was bedeutet, dass der LSB die Fördermittel zurückverlangen kann. Ein Desaster. Erschwerend kommt hinzu, dass Bischoff jetzt schon weiß, dass das Geld sowieso nicht reicht. „Als wir vor drei Jahren mit den Planungen begonnen haben, war das alles in Ordnung. Aber es ist alles teurer geworden. Es werden um die 80 000 Euro für Maler, Fenster, Trockenbau, Heizung, Sanitär und Elektro fehlen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Wenn er einen Wunsch frei hätte, was wäre das? „Das wären zwei: Mehr Geld und endlich Baufirmen.“

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