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Festival
Zum „Duell“ per dickem Filzstift

Gabriele Rataj / 19.11.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 20.11.2018, 15:05
Müncheberg/Buckow (MOZ) Knorrige urige Baumriesen tapsen ins Bild. Kinder können die Geburt einer Bienenkönigin erleben. Kitagruppen hinterlassen auf einem Riesenpapier einen buntbeklecksten Mischwald. Ein fröhliches Mal-Duell junger Künstler, Musik und mehr – so ist das Bilderbuchfestival.

Piotr Socha hat auf dem blauen Sofa Platz genommen. Er lässt sich von Natalie Wasserman, die auch fließend polnisch spricht, ein Loch in den Bauch fragen. Den namhaften Illustrator aus dem polnischen Nachbarland hat das Org-Team des Bilderbuchfestivals diesmal als Special Guest (speziellen Gast) eingeladen – so wie die Berliner Zeichnerin und Diplom-Designerin Marie Geissler jenseits der Oder in Gorzow eine Werkstatt übernommen hat.

Längst hat sich das kleine Festival dank großer Leidenschaft seiner Akteure um die Initiatoren Sarah Wildeisen und Oliver Spatz in die Breite gestreckt. Es hat in den inzwischen sechs Jahren Buckow einbezogen und macht in Frankfurt Station, ist über die Grenze gewandert und liiert mit Pro­tagonisten in Tbilissi, Moskau, Lemberg, Minsk ...

Und so sitzen denn in der Stadtpfarrkirche Müncheberg  Tetiana und Ernest aus der Ukraine, ganz zwanglos neben Daria aus Russland oder Safiya aus Weißrussland, das erstmals bei diesem Festival vertreten ist, und erfahren mehr über Piotr Socha. So beispielsweise, was ihn nach seinem Jugendliteraturpreis-aus­ge­zeich­ne­ten Sachbuch „Bienen“ dazu getrieben hat, „Bäume“ anzugehen. 

Video

Illustrations-Slam zum Bilderbuchfestival

Videothek öffnen

Ansichten beider großformatigen Bücher sind an den Wänden von St. Marien ausgerollt, können als Buch auf Notenständern durchgeblättert werden. Und wie den Müncheberger Helmut Balla – Volkshochschulkursleiter Malen und im Kunstverein Spotkanie–Begegnung – verleiten die detailreichen Zeichnungen, die umfassenden Informationen darin zum Nicht-mehr-aus-der-Hand-legen.

Beim Illustrations-Slam sind die jungen Zeichner gefragt. Es gilt, paarweise eine Aufgabe in wenigen Minuten, unter dem scharfen Auge der Videokamera auf Papier und mittels Projektor auf die große Leinwand und damit ins Blickfeld des ganzen Publikums zu bringen. Zum Duell per Filzstift fordert Barbara Bernsmeier auf. Und während Ernest und Anna oder Vlada und Sasha in freundschaftlichen Wettstreit treten, begleiten Masha aus der Ukraine auf der indischen Shrutibox und Lena aus Polen am Vibraphon den „Kampf“ musikalisch. Am Ende ist die Jury ist gefordert, lachende, akzeptierende oder missbilligende Emojis zu verteilen.

Neben solchem Spaß, neben Neugier, Gesprächen, Austausch, Anregung geht es im Waldsieversdorfer CVJM-Quartier ganz ernsthaft zur Sache. „Mein kulturelles Erbe –  düster und heiter“ gibt die Werkstatt „Residenz Comic Kontinent“ als künstlerische Aufgabe für jeden der elf Teilnehmer aus den fünf Ländern vor. Mit Piotr Socha an der Seite und Anton als Kurator entstehen Ausstellungsbeiträge, deren Vielfalt am Sonnabend im Begegnungsbus OTTO des Jugendfördervereins Chance staunen lässt. Die mobile Präsentation, die später auch in Tbilissi, Lemberg und Moskau gezeigt wird, ist zugleich der abschließende Höhepunkt des diesjährigen Festivals am Buckower Markt.

Es ist spannend zu sehen, wie links und rechts des schmalen Gangs im Bus die Arbeiten arrangiert sind und wie groß die Spannbreite der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Hier winzige Miniaturen unter Glas, da eher Knallig-Popartiges und dort ein Projektor, der Bilder auf ein Stück Leinwand wirft.

Scherenschnittartig auf der Bus-Scheibe schweben angedeutete Hinterglas-Malereien. Gegenüber zwischen Rücklehne und Sitzbank eine Kuschelecke mit Kissen, Teddy, Taschenlampe, Buch, zeltartig überdacht von einem Laken. Flucht- und Rückzugsort – Metapher für Angst, traumatische Erlebnisse, erklärt Kurator Anton. Über alte Fotos aus dem Album nähert sich hingegen Sonia aus Georgien ihrer Familiengeschichte – Teile ihrer Verwandten gehörten zu Verfolgten in der Stalin-Ära. Sie alle nehmen viel mit aus dieser Woche.

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