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Rüdersdorfer wappnen sich gegen Firmenpläne für neue Bauschutt-Deponie zwischen Hennickendorf und Herzfelde

Entsorgung
„Wir haben genug Dreckschleudern“

Bisher noch Senke: Geht es nach den Vorstellungen der Firma HKV, werden die alten Tonlöcher zwischen Herzfelde und Hennickendorf an der neuen B 1 nicht nur auf Straßenniveau aufgefüllt, sondern es entsteht dort ein 40 Meter hoher Berg.
Bisher noch Senke: Geht es nach den Vorstellungen der Firma HKV, werden die alten Tonlöcher zwischen Herzfelde und Hennickendorf an der neuen B 1 nicht nur auf Straßenniveau aufgefüllt, sondern es entsteht dort ein 40 Meter hoher Berg. © Foto: Gerd Markert
Uwe Spranger / 22.11.2018, 07:15 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Der Antrag einer Firma auf eine Bauschutt-Deponie zwischen Hennickendorf und Herzfelde hat Bürger aufgeschreckt. Im  Ortsentwicklungsausschuss wurde das Thema am Dienstag kurz angerissen. Am 6. Dezember wird im Gesundheitsausschuss auch inhaltlich tiefer diskutiert.

Einige Gäste bei der Ausschusssitzung scheinen Kommunalpolitikern und Verwaltung offenbar wenig Vertrauen zu schenken. Und bekamen noch Wasser auf die Mühlen, weil der besagte Antrag der Firma nicht in den veröffentlichten Unterlagen für die Sitzung war. Der Hinweis von Baufachbereichsleiter Robert Knobloch, es handele sich an der Stelle nur um eine Vorab-Information und man werde das Thema noch vertiefen, half da wenig.

Zumindest umriss er die Dimensionen des Vorhabens der Herzfelder Kreislaufwirtschaft und Verwertung GmbH (HKV). Die will auf dem rund 40 Hektar großen Gelände der ehemaligen Tongruben nördlich der neuenB 1 eine Deponie für sogenannte Inertstoffe anlegen, anorganisches Material, vor allem Abfälle aus Bau und Abbruch sowie Bodenaushub, die laut Klassifizierung nicht gefährlich sein sollen. Der „Berg“ würde in der Nord-Süd-Ausdehnung 400 Meter umfassen, bis zu 40 Meter hoch sein und fünf Millionen Kubikmeter fassen. Er solle in drei Phasen entstehen, insgesamt über etwa 20 Jahre. Anlieferungen wären nach den Vorstellungen der HKV montags bis freitags von 6 bis 22 Uhr möglich und sonnabends von 7 bis 14 Uhr. Pro Tag werde mit rund 80 Lkw-Ladungen gerechnet sowie weiteren 20 vom Recyclingstandort. Hinzu kommen noch einmal so viele Leerfahrten, machten Gäste deutlich.

Knobloch machte deutlich, dass das Vorhaben bei der Gemeinde auf Ablehnung stößt. Er verwies auf den Flächennutzungsplan von 2010, aus dem kürzlich ein Bebauungsplanverfahren abgeleitet worden war, um die Ziele – eine Gliederung zwischen den Ortsteilen und Begleitung der Straße durch einen Grünzug – zu sichern. Dazu sei auch eine Veränderungssperre erlassen, die nach Veröffentlichung in Kraft tritt.

Die Gemeinde habe bis zum 11. Dezember Zeit, eine Stellungnahme an das Landesumweltamt abzugeben. Diese werde am 6. Dezember im Umwelt- und Gesundheitsausschuss detailliert besprochen. Laut Rüdersdorfs Bürgermeister André Schaller wird sich der Sachverständige der Gemeinde inhaltlich zu dem Antrag äußern, zudem sei eine Rechtsanwältin mit einer Prüfung beauftragt. Dabei handele es sich um die Juristin, die lange Zeit die Bürgerinitiative Gesund leben am Stienitzsee vertreten habe. Insofern sollten deren Vertreter, die bereits mobil machen, Vertrauen haben, appellierte er. In den Unterlagen für die genannte Sitzung werde auch der Antrag der HKV sein, kündigte er an.

Schaller machte darauf aufmerksam, dass es sich momentan nur um eine Anhörung handele, in der der spätere Verfahrensumfang ausgelotet werde. Die Gemeinde sei von dem Antrag der Firma überrascht worden, sagte er. Am 30. Oktober habe es noch ein Gespräch mit der HKV gegeben, bei dem davon nicht die Rede war. Tags da-rauf sei das Schreiben in der Post gewesen. Die Firma sei über die klaren Aussagen im Flächennutzungsplan im Bilde und wisse auch seit 2015, als ihre Ideen erstmals geäußert wurden, dass die Kommune diese ablehne, so Schaller. „Die Gemeindevertretung war sich selten so einig wie bei diesem Thema“, sagte er. Schließlich handele es sich um Abfall, würde mit dem Berg eine Landmarke entstehen und über einen langen Zeitraum mehr Lkw-Verkehr, Lärm und auch permanent Staub geben, ist er sich bewusst. „Wir haben hier schon genug Dreckschleudern“, befand ein Ausschussmitglied. Jürgen Rudorf von der Bürgerinitiative: Wenn Gemeindevertreter eine Deponie keine 200 Meter von ersten Wohnbauten zuließen, wäre das eine „Schande“. Er hält es sogar für möglich, dass der Antrag trotz Widerstandes der Gemeinde durchkommt. Schließlich suche das Land Deponien für derartige Stoffe.

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