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Ausbildung
Heute Helden, morgen Engel

Übung ist alles: Moritz, Constantin, Aaron, Finja und Tjare (v. r.), bei der Reanimation an Rettungspuppen. Philipp Humbsch (l.), Vereinsvorsitzender von Pépinière, hält auf einem Bewertungsbogen fest, wie die Drittklässler die Situation meistern.
Übung ist alles: Moritz, Constantin, Aaron, Finja und Tjare (v. r.), bei der Reanimation an Rettungspuppen. Philipp Humbsch (l.), Vereinsvorsitzender von Pépinière, hält auf einem Bewertungsbogen fest, wie die Drittklässler die Situation meistern. © Foto: Martin Stralau
Martin Stralau / 01.12.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 03.12.2018, 07:29
Petershagen (MOZ) Das Wichtigste zum Thema Erste Hilfe lernten 164 Schülerinnen und Schüler der Katholischen Schule St. Hedwig von Mittwoch bis Freitag. Im Rahmen der Aktion „Jeder kann ein Held sein“ des Vereins Pépinière zeigten ihnen Medizinstudenten der Charité, was im Notfall zu tun ist.

Mit beiden Händen 30-mal kräftig auf die Mitte der Brust drücken, dann zweimal Mund-zu-Mund-Beatmung. Die Drittklässler Moritz und Constantin haben jeweils eine Rettungspuppe vor sich liegen, an der sie diese Aktionen mehrmals wiederholen. Würde es sich um echte Menschen handeln, hätten sie bereits den Notruf 112 gewählt und würden die Reanimation so lange fortführen, bis der Patient atmet oder die Rettungskräfte eintreffen. Bei der Übung in der Turnhalle der Katholischen Schule St. Hedwig kniet Philipp Humbsch vor ihnen und notiert sich genau, wie sie die einzelnen Schritte der Reanimation gemeistert haben. Vorher hat der Medizinstudent der Charité mit ihnen und weiteren Mitschülern ein kleines Aufwärmprogramm absolviert und erklärt, worauf es vor der Reanimation ankommt. „Wichtig ist der Selbstschutz. Erst links und rechts schauen, ob ihr sicher seid, dann die Person, die Hilfe braucht, ansehen, ansprechen und ihre Atmung untersuchen“, sagt er. „Und den Notruf wählen“, ergänzen die Schüler.

Moritz und Constantin sind stolz. „Es war cool, an der Puppe zu üben“, erzählt Moritz. „Ich habe das vorher noch nie gemacht.“ Ein paar Stunden später halten beide ein Helden-Diplom in den Händen. Das Ergebnis von drei intensiven und aufregenden Tagen. Seit Mittwoch haben die beiden zusammen mit 162 weiteren Kindern der Petershagener Schule in Theorie und Praxis gelernt, wie die stabile Seitenlage funktioniert, wie sie Verbände anlegen und einen echten Rettungswagen kennengelernt. Ermöglicht hat es ihnen der 2016 gegründete Verein Pépinière aus Frankfurt (Oder), dessen Vorsitzender Philipp Humbsch ist. Mit weiteren Berliner Medizinstudenten fährt er seit Jahren gruppenweise an Schulen, um dort zu veranschaulichen, wie Erste Hilfe funktioniert. Alle arbeiten ehrenamtlich. Bereits 4400 Grundschüler wurden seit Organisationsstart geschult – finanziert von der Brandenburgischen BKK und weiteren Sponsoren wie der Unfallkasse Brandenburg und Privatleuten.

Das Projekt, mit dem sie unterwegs sind, trägt den Namen „Jeder kann ein Held sein“. „Unser Ansatz ist, dass es nicht viel braucht, um jemandem das Leben zu retten. Denn was bringen uns all die teuren Geräte in Krankenhäusern, wenn keiner die Rettungskette mit der Ersten Hilfe in Gang setzt?“, fragt Humbsch. „Das Allerwichtigste ist uns, dass die Kinder wissen, wie sie sich in solchen Notfällen verhalten müssen, dass sie sich nicht selbst in Gefahr bringen, den Notruf wählen und Erwachsene zur Hilfe holen“, sagt Medizinstudentin und Pépinère-Mitglied Alina Schultze-Berndt. „Wenn wir das vermitteln können, ist schon viel geholfen.“

Schulleiterin Anja Wuttke-Neumann wurde über einen Artikel in der MOZ-Kinderzeitung Kruschel auf den Verein aufmerksam. „Die haben wir abonniert, weil immer weniger Eltern zu Hause eine Zeitung haben. Die Kinder wollen aber eine“, erzählt sie. Die Kontaktaufnahme zu dem Verein sei sehr unkompliziert gewesen, sagt die Schulleiterin. Und seine Arbeit sehr wichtig. Viele der heutigen Schüler wüssten zum Beispiel nicht, welche Adresse sie im Notfall angeben sollten. „Ich habe ihnen erklärt, dass nur Petershagen nicht reicht. Petershagen gibt es mehrfach in Deutschland.“

Anja Wuttke-Neumann bedankt sich bei der katholischen Kirchengemeinde St. Hubertus, in deren Gemeindehaus in der Nachbarschaft die Medizinstudenten kostenlos übernachten konnten. Die Verpflegung haben die Krümelköche aus Fredersdorf gesponsert. „Und viele Eltern haben alte Verbandskästen aussortiert und vorbeigebracht. Die kann der Verein auch für weitere Aktionen nutzen“, sagt die Lehrerin. Das Motto „Jeder kann ein Held sein“ passe im Übrigen gut zum aktuellen Schuljahres­thema Engel. „Denn wenn Kinder hier zu Helden in der Ersten Hilfe ausgebildet werden, können sie vielleicht irgendwann für jemanden zum Engel werden.“

Infos  über Pépinière im Internet auf heldenmacher.org; Spendenkonto: Pépinière e.V.; IBAN: DE87300606010103871430; Deutsche Apotheker- und Ärztebank

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