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Bildung
Beschluss zur Schule ist vertagt

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Symbolbild © Foto: Patrick Pleul
Thomas Berger / 09.12.2018, 08:30 Uhr
Müncheberg Zwei grundlegende Varianten zur Zukunft der Schulstandorte liegen nun auf dem Tisch. Ihre Vorstellung in der Stadtverordnetenver­samm­lung am Donnerstagabend war von lautstarken Debatten zum Grundschulerhalt im Stadtzentrum begleitet.

Die anstehende Entscheidung wurde am Ende auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben. Eine Mehrheit sprach sich für diesen Antrag von Bürgermeisterin Uta Barkusky (Linke) aus, die sich nun mit einem Planungsbüro zur Untersetzung der Kostenschätzung für beiden Optionen in Verbindung setzen will. Auch alle jetzigen Kritiker könnten noch Aspekte einbringen, die aus ihrer Sicht bislang nicht eingepreist seien. Auf Basis genauerer Zahlen, was entweder die Sanierung und langfristige Ertüchtigung des Standortes Innenstadt betrifft oder aber den kompletten Umzug von Grundschule und Hort in die Bergmannstraße, sei eine Entscheidung leichter zu treffen, hieß es.

Vorangegangen war diesem Schlussstrich unter dem Tagesordnungspunkt für den Moment eine beinahe zweistündige Debatte, die schon in der Bürgerfragestunde ihren Anfang nahm. Dort meldete sich Grundschullehrerin Anne Marschel aufgebracht zu Wort. Es sei „Verleumdung und Diffamierung“, wenn CDU-Fraktionschef Norbert Buchholz unterstelle, die Lehrer würden die Kinder bei den Protesten zum Erhalt des Grundschulstandortes für ihre Zwecke instrumentalisieren, nahm sie auf einen früheren MOZ-Beitrag Bezug.

„Uns in der Debatte zurückhalten, wie Sie uns das nahe legen – das werden wir nicht. Lehrer wird nicht mit Doppel-E geschrieben, wir sind keine abnickenden Körperhülsen. Wie soll Demokratie lernen mit einem mundtoten Vorbild zusammengehen?“, hielt sie Buchholz entgegen, der aber auf seiner Einschätzung beharrte. Die Protestaktion kürzlich, stellte Grundschul-Elternsprecherin Katharina Hildmann klar, sei von den Eltern organisiert worden, nicht von den Lehrern. Gleichwohl treffen sich beide Gruppen in ihrem Ziel, betonte auch Lehrerin Heike Marschel. Für den Erhalt des Standortes Innenstadt zu kämpfen, sei nicht die Befindlichkeit einiger, sondern Konsens im Kollegium.

Roland Schröder, der als unabhängiger Moderator die Arbeitsgruppe geleitet hatte, stellte das Ergebnis aus sechs Beratungsrunden vor. Er habe nicht das Gefühl gehabt, dass eine Seite die andere über den Tisch gezogen hätte. Dass die Vorlage im Konsens entstanden sei, stellten aber die Elternvertreter in Frage. So verwies Anne Reckling auf ungeklärte Fragen zur verkehrstechnischen Absicherung bis 2020, der praktischen Trennung von Kindern und Jugendlichen bei der Variante Schulcampus oder auch dem Problem der außerschulischen Lernorte, die von der Bergmannstraße aus schlechter zu erreichen seien. Auf das „Elterntaxi“ lasse sich dort weitaus schwerer verzichten als bei den kurzen Wegen im Zentrum.

Ein Neubau für den Hort mit 250 Plätzen sei an beiden Standorten notwendig, führte Schröder aus. Bei Variante I (Ernst-Thälmann-Straße) müsste der Altbau bei laufendem Betrieb saniert werden. Für den H-Bau müssten Container aufgestellt werden, um während der Bauzeit Platz für Viert- bis Sechstklässler und die Hortkinder zu haben. Bei Variante II (Schulcampus in der Bergmannstraße) gebe es ausreichend Kapazitäten auch für Zwischennutzungen. Allerdings müssten zwei getrennte Schulhöfe und Eingangsbereiche geschaffen werden. Hinzu kämen notwendige Verkehrssicherungsmaßnahmen. All das summiere sich auf mindestens 7,15 Millionen Euro, bei Variante I stehen 7,95 Millionen zu Buche.

Strittig ist insgesamt, wie weit die gegenwärtigen Räumlichkeiten in der Bergmannstraße ohne den zwar möglichen, bisher aber finanziell gar nicht untersetzten Ausbau der vierten Etage langfristig für eine komplette Dreizügigkeit von Klassenstufe 1 bis 10 reichen. „Was soll im Falle eines Umzugs eigentlich aus der jetzigen Grundschule werden?“, warf zudem Sebastian Alscher (Wählergruppe Obersdorf) ein. Die Bürgermeisterin nannte den Einzug von Heimatgeschichtsverein, Musikschule, Volkshochschule und einer Begegnungsstätte als erste Ideen. Klar sei, dass für eine solche Nutzung all die baulichen Auflagen, die derzeit für die Kinder erhoben werden – verstärkter Lärmschutz, Anpassung der Treppengeländer auf 1,10 Meter und der Türen auf 1,25 Meter –, entfallen würden.

Marga van Tankeren, Vorsitzende der Fraktion WG Aktion Zukunft, wies darauf hin, dass der Ortsbeirat Müncheberg in der Ausarbeitung der beiden Varianten nicht angemessen beteiligt worden sei. Zudem sei es ein Versäumnis, dass die Schüler nicht wirklich angehört wurden – unabhängig davon, was der neue Paragraf 18a zur Kinder- und Jugendbeteiligung abseits der Vorgaben im Schulgesetz an Möglichkeiten eröffne.

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