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Konzert
Engelsstimme ist wieder zu hören

Pures Vergnügen, sie zu spielen: Martin Schubert ließ die original restaurierte Orgel in der Dahlwitzer Kirche ertönen.
Pures Vergnügen, sie zu spielen: Martin Schubert ließ die original restaurierte Orgel in der Dahlwitzer Kirche ertönen. © Foto: Dirk Schaal
Dirk Schaal / 17.12.2018, 21:00 Uhr
Hoppegarten bei Berlin (MOZ) Lange Tradition ist das Konzert des gemischten Chores Hoppegarten am Vorabend des dritten Advents in der Dahlwitzer Kirche. Dieses Mal durften die rund 100 Zuschauer einer besonderen Premiere beiwohnen. Selbst Pfarrer Matthias Scheufele war nach dem ersten Konzert der von Grund auf überholten Orgel ziemlich beeindruckt: „Ich hatte richtig Gänsehaut beim Zuhören.“

Den Beginn des Konzerts machte der Chor unter Leitung von Benjamin Pontius in der stimmungsvollen Atmosphäre der Kirche mit kirchlichen Werken u. a. von Georg Friedrich Händel und typischen Weihnachtsliedern. Mittendrin sang die Neuenhagenerin Tanja Lorenz, die gerade eine Ausbildung zur Chorleiterin macht. „Eigentlich habe ich mal Geige gespielt, doch der Rücken spielte irgendwann nicht mehr mit. Da habe ich mit dem Singen angefangen“, verriet die 40-Jährige. Bereits jetzt leitet sie vertretungsweise den Chor und im April wird sie die Ausbildung beenden. „Mal schauen, wie es dann weitergeht. Nebenberuflich möchte ich einen Chor leiten.“

Nach etwa der Konzerthalbzeit stellte sich Martin Schubert dem Publikum. Der gelernte Orgelbauer, studierte Kirchenmusiker und regional tätige Orgelsachverständige betreute und überwachte die „Überarbeitung“ der 1907 von der Firma Gebrüder Dinse erbauten Orgel. 447 Pfeifen gemischt aus Stahl und Holz in zehn Registern umfasst das überholte Musikinstrument jetzt. „Während des ersten Weltkrieges mussten Metallpfeifen abgegeben werden, nach dem zweiten kam Orgelspielen völlig außer Mode, so dass Stück für Stück der Orgel verschwand. Unser Anspruch war es, dass wir die Orgel wieder originalgetreu restaurieren wollten“, verriet Schubert, der auch als Kantor in Hönow tätig ist.

Im August ging es los, da räumten Mitglieder der Kirchengemeinde die Pfeifen nach draußen, Metallpfeifen wurden ausgewaschen, die hölzernen durchgepustet, bevor sie zur Überholung in die Bad Liebenwerderaner Werkstatt Voigt kamen. Wollte man dieses Musikinstrument neu bauen, kämen sicher 200 000 Euro zusammen, spekulierte der Orgelsachverständige auf Nachfrage. Für die Überholung reichten vergleichsweise bescheidene 30 000 Euro. „Gut angelegtes Geld für diese einmalige Orgel, die es so in der Region kaum mehr gibt“, stellte Martin Schubert fest.

Im Oktober wurde alles wieder zusammen gepuzzelt, Blasebalg und Elektromotor instandgesetzt und der Orgel ihre besondere Stimme wiedergegeben. „Es ist eine ganz zarte Streicherstimme, eine echte Engelsstimme“, verriet Martin Schubert, der anhand zweier unterschiedlicher Werke die stimmliche Vielfalt der Orgel demonstrierte. Das Konzertfinale teilten sich Chor und Orgel mit der „Stillen Nacht“. Ein vielfach belachter Einzelruf während des ausgiebigen Beifalls nach Zugabe blieb jedoch unerfüllt.

Heiligabend zum Krippenspiel um 14.30 Uhr oder bei der Christvesper, 16 Uhr, wird der besondere Klang der Orgel erneut zu hören sein.

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