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Kirchenkonzerte
Premiere für eine neue Tradition

Martin Stralau / 24.12.2018, 07:00 Uhr
Müncheberg (MOZ) Fünf Laienchöre, ein Profiorchester und eine Orgel: mehr als 100 Mitwirkende brachten am Sonnabend und Sonntag das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns und das Gloria RV 589 von Antonio Vivaldi in der Stadtpfarrkirche Müncheberg und St. Marien in Strausberg zu Gehör.

„Vielen Dank. Nun gehen Sie mal nach Hause, es ist doch bald Weihnachten.“ Mit diesen Worten und einem zufriedenen Lächeln verabschiedete Lothar Kirchbaum am Sonnabendnachmittag die mehr als 200 Besucher in der Müncheberger Stadtpfarrkirche. Hätte er es nicht getan, wer weiß, wie lange das Publikum noch auf den Bänken sitzen geblieben wäre und ihm als Konzertleiter und den anderen Pro-tagonisten applaudiert hätte. Am Ende, als Zugabe, hatte es dann doch noch ein bisschen Bach zu hören bekommen, als der Choral „Ich steh an Deiner Krippen hier“ aus dessen Weihnachtsor-atorium gesungen wurde.

Jahrelang wurde immer kurz vor Weihnachten das Bach’sche Oratorium in der St.-Marien-Kirche in Strausberg aufgeführt. In diesem Jahr sollte ein neuer Akzent gesetzt werden – und neben den Straus- auch die Müncheberger in den Genuss eines großen Weihnachtskonzertes kommen. Über Monate hinweg studierten die Chöre Musica Vocale Altlandsberg, der Hugo-Distler-Chor Eggersdorf sowie der A-cappella-Chor, der Kirchenchor und der Gemischte Chor aus Strausberg unter Leitung der Kirchenmusiker Christoph Bornheimer und Lothar Kirchbaum das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns und Antonio Vivaldis Gloria RV 589 ein. Das Ergebnis in Müncheberg konnte sich sehen lassen. Etwas mehr als eine Stunde verzauberten die Chöre, unterstützt von einem 30-köpfigen Profiorchester mit Harfe und Orgel, Gastsängern und Gesangssolisten das Publikum.

Dabei lief gar nicht alles so, wie geplant. Erst mussten vor dem Konzert zwei Solisten ersetzt werden, die kurzfristig ausgefallen waren. Dann musste ein weiterer Solist zu einem Auftritt nach Potsdam, weshalb die Reihenfolge der Werke getauscht wurde. „Eigentlich war geplant, dass das besinnlichere Stück von Saint-Saëns am Ende gespielt wird – und Vivaldi davor“, sagte Christoph Bornheimer. „Aber so war es auch ganz schön.“ Bis 1 Uhr nachts war er mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen und nun zufrieden, dass mehr als 200 Besucher in die Stadtpfarrkirche gekommen waren. „Im Vorverkauf hatten wir nur knapp mehr als 100 Karten abgesetzt, für das Strausberger Konzert waren es schon 350.“

Die, die gekommen waren, konnten sehr zufrieden sein. Ob bei der Darbietung des erst in den 1920er-Jahren entdeckten Gloria, dessen Notentext bis 1941 nicht frei zugänglich war, oder des 1858 entstandenen Weihnachtsoratoriums des damals erst 23-jährigen Camille Saint-Saëns’: das Zusammenspiel aus Profimusikern und regionalen Laienchören war ein Genuss für die Ohren. „Ich hatte ein gutes Gefühl beim Singen“, erzählte Dirk Jager vom Gemischten Chor Strausberg. „Auch wenn mal ein schiefer Ton dabei war, wichtig war, dass wir immer weitergemacht haben. Eine tolle Erfahrung für uns alle war, dass wir mit den Solisten singen durften“, sagte Jager.

Pfarrerin Karin Bertheau wünschte sich, dass Weihnachtskonzerte in dieser Dimension nach der Premiere in diesem Jahr nun öfter in Müncheberg stattfinden. Eva Darge vom Förderverein der Kirche sprach von einem „schönen Erlebnis“. Ihr hatte es insbesondere Vivaldi angetan.

Auch Irmtraud und Reiner Zaspel gingen beseelt nach Hause. „Wir haben zwar 15 bis 20 Konzerte pro Jahr in dieser Kirche, aber das hier hebt sich dann doch noch einmal etwas ab“, sagte er. „Das Zusammenspiel von so vielen Chören war bemerkenswert“, sagte sie. Beiden gefiel das Stück von Saint-Saëns etwas besser. „Ich mag den Franzosen, er ist so vielfältig“, sagte Reiner Zaspel. „Das ist ein Stück, was man in der Weihnachtszeit nicht so oft zu hören bekommt“, ergänzte Irmtraud Zaspel. „Wir würden uns freuen, wenn es in den nächsten Jahren hier wiederholt wird.“

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