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Orientierung
Suche nach geeigneten Berufen für Förderschüler

Anschaulich: Kathrin Knospe (l.), Leiterin der Schule „Clara Zetkin“, und die Koordinatorin für die Berufsvorbereitung, Heike Kostka, zeigen einen Berufswahlpass-Ordner.
Anschaulich: Kathrin Knospe (l.), Leiterin der Schule „Clara Zetkin“, und die Koordinatorin für die Berufsvorbereitung, Heike Kostka, zeigen einen Berufswahlpass-Ordner. © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 23.01.2019, 07:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Berufsorientierung und -vorbereitung sind in allen weiterführenden Schulen ein zentrales Anliegen. Besonders wichtig und ernst genommen werden sie aber in der Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen „Clara Zetkin“ in Strausberg.

In Hennickendorf macht sich Familie Behrens Sorgen. Ihre Tochter verlässt demnächst die Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen „Clara Zetkin“ in Strausberg. „Das Problem: Es gibt nicht genug Firmen, in denen sie ihr Praktikum und später ihre Lehre machen können.“ Der Familie seien gerade sechs Fachpraktika angeboten worden, vor allem Metallbau, Holzverarbeitung, Küche und Gastgewerbe: „Die Kinder haben es aber auch verdient, ihren Traumjob zu erlernen“, sagt Jeanette Behrens.

Lehrstellen oder auch nur Praktikumsplätze für die Traumjobs ihrer Schüler zu finden, ist für Schulleiterin Kathrin Knospe nicht ganz so einfach. Schließlich erreichen nur fünf Prozent ihrer Absolventen einen der Berufsbildungsreife gleichen Abschluss. Doch für die Berufsorientierung gibt es an der Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen „Clara Zetkin“ ein System. „Schon während der Schulzeit werden die Schüler durch die Rehaberatung der Agentur für Arbeit betreut“, sagt Kathrin Knospe. Sie erhalten einen Ordner „Berufswahlpass“ mit Fragebögen, Infoblättern zu Berufsfeldern, Stärken- und Schwächen-Analyse. „In der 7. Klasse absolvieren die Kinder eine freiwillige Potenzialanalyse, die durch den spezialisierten Verein SBH Nord im Stic Strausberg durchgeführt wird.“

Lehrerin Heike Kostka ist die Koordinatorin für Berufsvorbereitung und Schülerpraktika an der Förderschule. „Wir fangen früh mit dem praktischen Ausprobieren von Berufsfeldern an“, berichtet sie, „so gehen unsere Achtklässler für eine Woche zu Werkstatttagen in die Ausbildungsstätten des Internationalen Bundes in Neuenhagen, wo erfahrene Ausbilder ihr Talent für bestimmte Gewerke erkennen und einschätzen.“ Mit Schülerbetriebspraktika beginnen die Schüler ihre 9. Klasse. Zunächst geht es für eine Woche zum Hineinschnuppern in eine Firma. Im Frühjahr gehen sie für zwei Wochen in Firmen. In der 10. Klasse schließlich wird die Berufsorientierung noch mal intensiviert: Firmenbesuche im Rahmen des WAT-Unterrichts und ein dreiwöchiges Betriebspraktikum stehen dort an. „Wir haben eine Vielzahl von Praktikumsbetrieben, die uns seit Jahren unterstützen“, sagt Heike Kostka. Als Ersten nennt sie die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau, wo die jungen Leuten unter Anleitung probeweise malern, fliesen, stemmen, tapezieren und auch den Materialeinsatz kalkulieren. Zur Orientierung dient aber auch eine Jobbörse, bei der sich inte-ressierte Firmen den Förderschülern im Haus vorstellen.

Die Schule zeigt sich auch flexibel: „Wenn ein Schüler im vorherigen Praktikum einen Betrieb kennengelernt hat und beiderseits Interesse besteht, kann er auch seine Praxistage dort verbringen“, sagt Schulleiterin Kathrin Knospe. „Den Firmen muss klar sein, dass unsere Schüler eine aufwendigere Begleitung brauchen“, sagt Heike Kostka. Die Suche eines Praktikumsplatzes liege zwar in der Verantwortung der Eltern, doch wenn diese nicht weiterkommen, könnten sie sich immer an die Schule wenden. „Wir empfehlen dann Firmen, die eine berufliche Perspektive bieten“, sagt Kathrin Knospe. Und Heike Kostka zählt eine kleine Auswahl auf: „HKL Baugeräteservice Tasdorf, Repo-Markt, Norma, Reno-Schuhmarkt, Medimax, Drogeriemarkt dm, Autohaus Siegfried Erkner, Netto schwarz, Kaufland, Strausberger Kitas und Restaurants, um nur einige zu nennen.“ Auch die Altenpflege rücke ins Interesse der Schüler. Praktika absolvierten sie in der Seniorenresidenz Neuenhagen, in den Strausberger Seniorenzentren Dietrich Bonhoeffer der Stephanus-Stiftung und Am Mühlenberg der Arbeiterwohlfahrt. Mitfinanziert bekommt die Clara-Zetkin-Schule ihre Berufsorientierung über das Förderprogramm Initiative Sekundarstufe I (Inisek), das sich aus dem Europäischen Sozialfonds speist, und dem Zebra-Plus-Projekt, mit dem die Berufswahlkompetenz entwickelt werden soll.

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