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Wehrbericht 2018
„Jeder von uns muss das ernst nehmen“

Austausch: Der Strausberger Standortälteste, Brigadegeneral Uwe Nerger, im Gespräch mit Teilnehmern der zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung in der Barnim-Kaserne. Auch hier wird der Bericht aufmerksam gelesen.
Austausch: Der Strausberger Standortälteste, Brigadegeneral Uwe Nerger, im Gespräch mit Teilnehmern der zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung in der Barnim-Kaserne. Auch hier wird der Bericht aufmerksam gelesen. © Foto: Gerd Markert
Martin Stralau / 08.02.2019, 18:59 Uhr
Strausberg (MOZ) Zu viel Bürokratie, schlechte Materialausstattung, mehr Rechtsextremismus-Fälle. Der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht des Wehrbeauftragten für 2018 zeigt einige Mängel der Bundeswehr auf. Am Standort Strausberg wird er ernst genommen, größere Probleme sieht der Standortälteste hier aber nicht.

Eines stellt Brigadegeneral Uwe Nerger im Gespräch mit der MOZ gleich vorneweg klar. Von den im Bericht skizzierten Problemen sei der Bundeswehrstandort Strausberg nur in geringem Umfang betroffen. Das Papier beziehe sich eher auf die mangelnde Materialausstattung in einigen Kasernen der Truppe, also bei den Bataillonen und Kompanien der Bundeswehr im gesamten Bundesgebiet. „Wir haben auch Strausberger Soldaten im Einsatz, aber das sind Einzelfälle.“ Zurzeit seien es drei. „Sie verstärken im Einsatz – gern und freiwillig. Damit leistet auch das Kommando Heer einen Beitrag. Es ist eines der obersten Kommandos unterhalb des Verteidigungsministeriums.“

Uwe Nerger ist in Strausberg als Standortältester für drei Kasernen mit 26 Dienststellen zuständig. „Mit Lehrgangsteilnehmern kommen wir auf 2100 Angehörige der Bundeswehr“, sagt er. Hauptnutzer ist das Heer mit 800 Soldaten. Kritikwürdig in puncto Ausstattung sieht er im Bereich der technischen Infrastruktur, dass es keine komplette Abdeckung mit WLAN gibt. Das sei vor allem in den Unterkünften der Barnim-Kaserne der Fall, wo viele Leute untergebracht sind, die hier eine zivilberufliche Aus- und Weiterbildung machen. „Das ist nicht das, was ich von einer modernen Armee erwarte“, sagt Nerger. Die Breitband-Ausstattung der von-Hardenberg-Kaserne gehe schneller voran. Aber deren Zukunft sei im Vergleich zur Barnim-Kaserne auch langfristig gesichert. Letztere befinde sich noch auf der Liste der abzugebenden Standorte, sei bis 2024 befristet. „Ich arbeite daran, sie länger zu halten, denn es ist nicht nur von der Anbindung her eine perfekte Anlage“, sagt Uwe Nerger.

Zu extremistischen Strömungen innerhalb der Bundeswehr sagt er, dass es 2018 in Strausberg einen Fall gab. „Der ist aufgearbeitet, lag nicht in unserem Verantwortungsbereich. Aber ärgerlich ist das trotzdem“, sagt Nerger. Es gebe „zwei Dinge“, die für ihn nicht tolerabel seien. Neben Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung auch solche, die sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richteten. „Also wenn jemand verbal oder schriftlich unsere Werte in den Schmutz zieht, die wir als Parlamentsarmee auch verteidigen.“

Auch wenn der Bericht die Wehr in Strausberg nur marginal betreffe, erachtet ihn der Standortälteste als sehr wichtig. „Der Wehrbeauftragte berichtet dem Parlament darin über die innere Lage der Bundeswehr und legt Rechenschaft ab. Und wir sind nun mal eine Parlamentsarmee“, sagt Nerger. Das, was in dem Bericht stehe, betreffe jeden Angehörigen der Bundeswehr. „Jeder von uns muss das ernst nehmen und sich selbstkritisch hinterfragen, wo er besser werden kann. Jeder bekommt den Spiegel vorgehalten, damit das, was an Kritik im Bericht steht, besser wird oder im nächsten Jahr nicht mehr drin steht. Für mich ist der Bericht ein Anstoß“, sagt Nerger.

Er freut sich, dass im aktuellen Papier auch Positives deutlich gesagt wird. Zum Beispiel, dass das in Strausberg beheimatete Heer mit der Durchführung von Orientierungstagen für am Beruf des Soldaten Interessierte vor einer Verpflichtung dafür gesorgt habe, dass die Abbrecherquote deutlich geringer geworden sei. „Das Heer verliert im Vergleich mit anderen Teilstreitkräften die wenigsten Soldaten auf dem Weg zwischen Grundausbildung und Eintritt in die Stammeinheit.“ Die hohe Quote war in der Vergangenheit im Bericht kritisiert worden. „Das war ein Reiz, es besser zu machen“, sagt Nerger, „es ist uns gelungen.“

Damit der Standort Strausberg weiter optimiert werden könne, sitze er alle drei Monate mit den Chefs der 26 Dienststellen zusammen, um Probleme aufzugreifen und anzugehen. „Die Themen reichen von zu wenigen Stellflächen, über defekte Beleuchtung bis hin zu den Öffnungszeiten der Schwimmhalle.“ Verbesserungspotenzial sieht Uwe Nerger noch in puncto Einbindung der Bundeswehr in die Region. „Mit der Stadt läuft die Zusammenarbeit schon sehr gut. Aber wir könnten noch mehr mit den Menschen und Unternehmen aus der Region ins Gespräch kommen, um klar zu machen, was die Bundeswehr ist und wie wir gegenseitig voneinander profitieren können“, betont er.

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