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Jeremy Schulz vom SC Diana Hoppegarten gilt als ganz großes Talent im Wurfscheibenschießen

Schießsport
In Paris soll es Edelmetall geben

Volle Konzentration: Jeremy Schulz auf dem Schießplatz in Waldesruh
Volle Konzentration: Jeremy Schulz auf dem Schießplatz in Waldesruh © Foto: Edgar Nemschok
Edgar Nemschok / 09.02.2019, 05:15 Uhr - Aktualisiert 09.02.2019, 12:51
Waldesruh (MOZ) Jeremy Schulz gehört mit seinen 20 Jahren zu den ganz großen Talenten im deutschen Schießsport. Er hat sich auf das Trapschießen spezialisiert und als großes Ziel eine olympische Medaille fest im Blick.

„Wie ich zum Schießen kam, ist sicherlich ungewöhnlich. Ich saß vor dem Fernsehgerät und hatte die Olympischen Spiele in London verfolgt. Es ging um Schießen und das hatte mich sofort fasziniert. Viele nennen so etwas Liebe auf den ersten Blick und das würde ich auch so bestätigen“, erzählt Jeremy Schulz während einer Trainingspause auf dem Schießplatz in Waldesruh. Ihn hatte in London Christine Brinker, die auch schon des Öfteren in Waldesruh geschossen hat, sehr beeindruckt Sie gewann damals Bronze.

Seine Spezialdisziplin ist das Schießen im Trap. Eine alte olympische Disziplin, denn seit 1900 steht dieses Wurfscheibenschießen im olympischen Programm. Bei Olympischen Spielen werden die Wurfscheiben-Disziplinen Trap und Skeet ausgetragen, wobei sich die beiden Disziplinen vor allem durch die Schießanlage unterscheiden. Beim Trap wird die Wurfscheibe von einem Punkt in variierende Richtungen abgeworfen, beim Skeet von zwei verschiedenen Punkten in fest vorgegebene Richtungen.

Es ist kalt, leicht windig und nieselt ein wenig. „Das stört mich nicht. Vielleicht war das auch ein Gedanke, als ich mich für diesen Sport entschieden hatte. Draußen in der Natur zu sein.“ Fast täglich ist er auf dem Schießplatz in Waldesruh und trainiert mit großer Ruhe für sein großes Ziel. „Ich möchte unbedingt eine olympische Medaille gewinnen.“ Das Fernziel ist das Jahr 2024, wenn die Spiele in Paris stattfinden.

Er ist Mitglied beim SC Diana und schätzt die guten Bedingungen auf der Schießanlage am Rande von Berlin sehr. „Das Schießen ist ein Präzisionssport und da müssen auch die Bedingungen gut sein“, sagt er.

Jeremy Schulz ist derzeit Schüler an der renommierten Flatow-Oberschule Berlin-Köpenick, die den Namen Eliteschule des Sports trägt. Er will sein Abitur hier ablegen. Und seine Lieblingsfächer sind Englisch und Musik. „Musik – ich habe da keinen besonderen Geschmack. Ich liebe jegliche Musik. Das kann mal Hip-Hop oder manchmal einfach nur Popmusik sein“, sagt er.

Aber warum gerade Schießen und nicht Fußball, Handball oder ein Sport, bei dem man wesentlich mehr im Rampenlicht stehen kann? „Ja, sicher, in den zahlreichen Trainingsstunden kann es schon sehr einsam sein. Aber wie gesagt, an dem Sport faszinieren mich die Präzision und das Schnelle. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden muss ich mich entscheiden, richtig reagieren, um dann möglichst erfolgreich zu sein. Es ist alles sehr direkt, denn Erfolg und Misserfolg liegen ganz dicht beieinander. Ich habe im Endeffekt weniger als eine halbe Sekunde Zeit, um das Ziel zu erkennen und es zu treffen. Dann kommt noch dazu, es gibt nur den Treffer oder die Niete. In kurzen Momenten muss ich analysieren, woran es gelegen haben kann, und mich sofort umentscheiden. Eine echte Herausforderung, die einen Wettkampf entscheiden kann.“ Er überlässt nichts dem Zufall, denn neben dem Training auf dem Schießplatz verbringt er zahlreiche Stunden im Kraftraum und kümmert sich ausgiebig um seine Fitness.

Und dann zeigt Jeremy Schulz, was er meint. Auf seinen Befehl hin wird die Scheibe von einer Maschine aus in die Luft katapultiert. Die Reaktionszeit ist beeindruckend und Schulz trifft die Scheibe sicher. „Es war nicht ganz leicht, der Wind hat die Flugbahn doch ganz schön beeinflusst“, sagt er zufrieden.

Seit einigen Jahren ist er nun dabei und gilt als ein großes Talent. In den Jahren 2016 und 2017 wurde der Friedrichshainer in seiner Altersklasse deutscher Vizemeister. Bei der Junioren-EM in Baku (Aserbaidschan) belegte er Platz zwölf, bei den Weltmeisterschaften in Moskau war er 36. Er war mit dieser Statistik jeweils bester Deutscher.

Jeremy Schulz weiß, bei wem er sich für seine bisher so gute Entwicklung bedanken will. „Mein Trainer ist Hans-Joachim Krüger. Bei ihm habe ich so viel gelernt. Es ist ein echter Freund. Genau die Punkte, wie das schnelle Analysieren zum Beispiel, habe ich bei ihm gelernt.“ Jeremy Schulz erklärt, dass sein Trainer ihm auch mental viel vermitteln kann: „Ein Fehler, ist ein Fehler. Bei unserem Sport bleibt keine Zeit, lange über das Geschehene nachzudenken.“

Der Trainingstag in Waldsruh geht langsam zu Ende und behutsam packt der 20-Jährige dann sein Sportgerät ein. „Behutsam ist das richtige Wort“, sagt er. „Eine solches Gewehr kostet an die 10 000 Euro. Und auch die 24-Gramm-Schrotpatronen haben ihren Preis. Schießen ist auch ein teurer Sport.“

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