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Männer der Feuerwehr hielten über Nacht die Ölsperre in Gang

Gekentertes Boot
Bergungsversuch nach Stunden fehlgeschlagen

Am Dienstag wurde versucht, dass in der Nacht zum Montag im Hafen von Kienitz gekenterte Motor-Schlepper-Boot zu bergen.
Am Dienstag wurde versucht, dass in der Nacht zum Montag im Hafen von Kienitz gekenterte Motor-Schlepper-Boot zu bergen. © Foto: MOZ/Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 12.02.2019, 16:26 Uhr - Aktualisiert 12.02.2019, 20:05
Kienitz (MOZ) Am Dienstag haben Taucher versucht, das im Hafen von Kienitz gekenterte Boot zu bergen. Unterstützung leisteten Feuerwehrleute, die seit Montag mit vor Ort sind.Alle Bemühungen zeigten jedoch am Ende vorerst keinen Erfolg.

Die Sonne strahlt zwar übers Land. Doch es ist alles andere als frühlingshaft. Der Wind fegt eisig übers Wasser. Auf der Deichkrone harren dick eingemummelt etliche Schaulustige aus. Allein beim Zuschauen überkommt jedoch allen noch ein zusätzlicher Schauer. Dennis Knospe und Martin Steckmann machen sich zum zweiten Tauchgang fertig. „Ist schon ganz schon grenzwertig“, bekennt Dennis Knospe. Der Seelower unterhält am Frankfurter Helenesee eine Tauchschule. Kalte Fluten sind an sich kein Thema für ihn und seinen Tauch-Partner. „Aber bei zwei Grad Wassertemperatur hilft der Neoprenanzug nur kurz.“ Nach 20 bis 30 Minuten müsse man wieder raus aus dem eisigen Wasser. Zudem seien da noch die Hände. Die Männer haben zwar Stoffhandschuhe unter denen aus Gummi. Doch es zwiebelt nach einigen Minuten im Wasser. „Das sind richtige Schmerzen“, weiß ein Helfer, der selbst schon Tauchgänge absolviert hat.

Am Montag war zunächst davon ausgegangen worden, dass die Bergung des in der Nacht zuvor versunkenen vier Tonnen schweren Motoboot-Schleppers durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde erfolgt. „Aber das Boot ist zu schwer. Dafür haben wir nicht die notwendige Technik“, hatte Behördenleiter Friedrich Peter Münch am Dienstagmorgen auf MOZ-Nachfrage erklärt. Man habe dem Bootseigentümer empfohlen, sich an die Spezialfirma Ingenieur- und Wasserbau Frankfurt zu wenden. „Wir hätten die notwendige Spezialtechnik“, erklärt am Dienstagvormittag Geschäftsführer Kai Herrmann. Das Unternehmen hätte dafür ein Bauteam samt Technik vom Buhnenbau in Reitwein abziehen müssen. „Das geschieht natürlich nicht zum Nulltarif.“

Am Dienstag wurde versucht, dass in der Nacht zum Montag im Hafen von Kienitz gekenterte Motor-Schlepper-Boot zu bergen. Zahlreiche Feuerwehrleute hatten über Nacht eine Ölsperre aufrecht erhalten.
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Motor-Schlepper in Kienitz wird aus der Oder geborgen

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Der Bootsbesitzer nahm erst einmal Abstand vom Auftrag und setzte auf die Taucher. Für ihn ist das Unglück eine Katastrophe, denn er ist nicht versichert. Er weiß, dass ihn bereits erhebliche Kosten durch den Einsatz von Feuerwehr und THW erwarten. Er wolle jetzt einfach nur, dass das Boot geborgen wird, dann werde er weiter sehen, sagt der junge Letschiner. Er versucht zu helfen, wo er kann. Die Männer im Neoprenanzug drapieren im zweiten Tauchgang Stricke um den Bootskörper. Daran werden später sogenannte Bigbags befestigt, in die vom Steg aus Luft gepresst wird. Die Bags fungieren als Luftkissen, sollen das Boot zentimeterweise nach oben heben. „Die Sicht im Wasser ist schlecht“, berichtet Dennis Knospe. Das Boot liege auf Grund in einer gut einen Meter dicken Schlammschicht. Darüber kämen dann zwei Meter Wasserstand. Der Hafen befindet sich in einem Nebenarm der Oder. Die Verhältnisse auf dem Grund seien ganz andere als die in der Stromoder mit ihrem Sandboden.

Mit dabei sind Feuerwehrleute. Einsatzleiter Guido Krienitz aus Ortwig sowie Mario Bork, Enrico Weisster und Andreas Jacksch aus Kienitz halten die Stellung.  Sie gehen nicht nur den Tauchern zur Hand, sondern sorgen dafür, dass die Ölsperre hält. „Alle zwei bis drei Stunden müssen wir Luft in die Schläuche pressen“, erklärt Krienitz.

Am späten Nachmittag brechen Taucher und Feuerwehrleute die Bergung erfolglos ab. Die Bigbags konnten zwar angebracht werden, fungierten aber nicht so wie erwartet. Alles Frieren und Mühen war vergeblich. Aufgeben wollen die Taucher aber noch nicht. Am Donnerstag startet der nächste Versuch. Ein großes Dankeschön geben alle an das Team von Sirko Rochlitz im Gasthaus „Zum Hafen“ für die Versorgung mit auf den Weg.

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