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Bildung
Baustart für Schülerhaus

Erste Handgriffe: Mats Körber, Christian Grune, Frank Wildenhayn, Lina Hielscher, Dorit Müller und Kiara Reindl (v. l.) packen auf dem Baugrundstück mit an.
Erste Handgriffe: Mats Körber, Christian Grune, Frank Wildenhayn, Lina Hielscher, Dorit Müller und Kiara Reindl (v. l.) packen auf dem Baugrundstück mit an. © Foto: Martin Stralau
Martin Stralau / 10.04.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 10.04.2019, 09:20
Strausberg (MOZ) Schon wenige Stunden nach dem Baustart türmten sich am Dienstag große Erdberge auf dem früheren Kirchengelände an der Hennickendorfer Chaussee in Vorstadt. Mit Hilfe eines Baggers wurde die Fläche ausgehoben, auf der die Montessori Schule Köpenick eine Unterkunft für ihre Schüler errichtet. "Die Baugenehmigung hat länger auf sich warten lassen, eigentlich wollten wir vor einem halben Jahr starten", sagte Christian Grune, Vorstand der Montessori-Stiftung Berlin. Als Träger der Jugendschule finanziert sie das 170 000-Euro-Projekt.

2015 übernahm die Stiftung das 2,7 Hektar große Areal, das einst als das schönste Gartengrundstück Strausbergs galt. Im Rahmen der Jugendschule sind seither regelmäßig Montessori-Schüler zu Gast, um hier kleine Projekte umzusetzen, zu arbeiten und zu lernen. Schrittweise gestalten sie das verwilderte Areal mit drei massiven, maroden und denkmalgeschützten Gebäuden und zahlreichen Nebengelassen zu einem großen Gemüse- und Obstgarten um mit Kleintierhaltung, Hofladen und Herberge. Das Holzhaus, das zehn bis zwölf von ihnen als dauerhafte Unterkunft dienen soll, wird im oberen Teil Schlafmöglichkeiten bieten und im Unteren einen Aufenthaltsbereich mit Gemeinschaftsküche und kleinen Lernorten. "Ein bisschen wie eine Jugendherberge", erzählt Christian Grune. Am 16. Mai soll Richtfest gefeiert, bis Ende des Jahres das Haus bezugsfertig gebaut sein.

Einzug im nächsten Jahr

Angelehnt an den Erdkinderplan von Maria Montessori werden in dem Gebäude Kinder im Alter von zwölf bis 15 Jahre wohnen, die auf dem Gelände fernab von ihren Familien arbeiten und wirtschaften können, sagt Christian Grune. Ziel sei es, aus ihnen selbstständige und unabhängige Menschen zu machen. "Ihre Projekte ergeben sich aus der Entwicklung des Geländes", erklärt er. Begleitet werden die Schüler von Pädagogen und Experten, die ihnen beim Umsetzen ihrer Aufgaben helfen. Nebenbei könnten so auch die Inhalte des Lehrplans abgearbeitet werden. "Wenn sich die Schüler mit dem Aufbau eines Bewässerungssystems im Garten beschäftigen, komme ich schnell zum Thema Wasserkreislauf, zu Biologie und Mathematik", erklärt Grune. Eine andere Gruppe werde sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Jugendschule kümmern. Das könne dann Inhalt des Deutschunterrichts sein.

Einziehen sollen die ersten Schülergruppen im nächsten Jahr, zunächst probeweise für jeweils einen Monat. So könnten sie entscheiden, ob das etwas für sie ist, sagt Grune. In das Projekt Holzhaus wurden sie von Anfang an mit einbezogen, waren mit Architektin Anna Ohlrogge an der Entwurfsplanung beteiligt und helfen jetzt beim Bau unter Federführung von Architekt Frank Wildenhayn mit.

"Entscheidend ist, dass Erwachsene die Arbeiten vormachen und die Jugendlichen sie nachmachen und sich so Schritt für Schritt eingliedern", erklärt Pädagoge Jörg Kretschmann. Daraus entstehe zunächst Freiwilligkeit und dann Eigenständigkeit. Schüler Mats Körber (13) hat zum Beispiel am Montag gelernt, wie man mit einem Rüttler umgeht, beim Planieren der Baustraße geholfen und sein Wissen gleich an andere Schüler weitergegeben. "Die Arbeit macht Spaß", sagte er.

Gast in Strausberg: Montessori Schule Berlin

Die Freie Montessori Schule Berlin ist eine staatlich anerkannte Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche im Alter von anderthalb bis 16 Jahren, die nach den Grundsätzen der Montessori-Pädagogik arbeitet. Sie folgt dem Leitsatz "Hilf mir, es selbst zu tun". Eines ihrer Projekte ist die Jugendschule in Strausberg mit einem außerschulischen Lernort für Schüler der Klassen 7 bis 9. ⇥mst

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