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Geschichte
Bergkapelle mit Radiopräsenz

Mit Anschauungsstück: Jürgen Kreowsky am Mende 238 W von 1938
Mit Anschauungsstück: Jürgen Kreowsky am Mende 238 W von 1938 © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 15.05.2019, 07:00 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Ein Bild hatte Jürgen Kreowsky mit dazu veranlasst, die Historie des Rundfunks in Deutschland näher zu beleuchten, dessen Wiege keine 50 Kilometer von Rüdersdorf entfernt auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen gestanden hatte. Im Dezember 1920 allerdings war Radio in Deutschland noch verboten, eine der Folgen des ersten Weltkriegs.

Besagtes Bild zeigt ein junges Mädchen mit Kopfhörern an einem damaligen Radiogerät mit einer Zeitschrift in der Hand. Es ist aus dem Besitz der Familie Erhardt, die in Rüdersdorf ein Fotogeschäft hatte. Hella Erhardt hatte den Heimatfreunden eine Reihe alter Fotos angeboten. Das Mädchen am Radio war nicht dabei, fiel aber Kreowsky in der Wohnung auf, als der Verein die offerierten Zeitzeugnisse abholen wollte. Und er konnte verabreden, dass sein Verein das Foto nutzen darf, von dem er umgehend eine Kopie gemacht hatte.

Zu sehen ist die damals knapp vierjährige Sofie Erhardt im Jahr 1926 an einem Amato-Europa Zwei-Röhren-Empfänger, hat Kreowsky recherchiert. Ein Dokument aus der Anfangszeit des Rundfunks, denn erst 1923 war die Unterhaltung über den Äther in Berlin gestartet, berichtete er. Ein Jahr später folgte Hamburg, brachte es zunächst auf knapp 900 zahlende Hörer. Den rund 25 Interessierten im kleinen Saal des Kulturhauses präsentierte der Referent kurze Mitschnitte aus den Anfangsjahren. Da ließ sich beispielsweise Verwaltungsratschef Hans Bredow über die Bedeutung des Rundfunks aus und Albert Einstein über die vielen an der Erfindung Beteiligten. Auch damals gab es übrigens bereits Werbung – unter anderem für Wäsche, Kleider, Staubsauger und Briketts. Standesgemäß ausgegeben wurden die Tondokumente über einen alten Empfänger Mende 238 W Baujahr 1938, den der Bastler Kreowsky bei Ebay ersteigert und wieder betriebsfähig gemacht hatte. Der 65-Jährige hat eine ganze Reihe von älteren Radiogeräten. "Was ich früher hatte oder haben wollte und mir nicht leisten konnte", verriet er. Per Adapter ließen sich die historischen Stücke auch noch mit heutiger Technik koppeln und weiter nutzen, wandte er sich zugleich gegen verbreitete Wegwerf-Trends.

Im Verlauf des fast zweistündigen Vortrags hatte er noch weitere Tonzeugnisse aus verschiedenen Epochen bis 1990 parat – von Olympia 1936 über Hitlers Erklärung zum Kriegsbeginn, Radio Moskau zum Überfall auf die Sowjetunion, Frontberichte und die Nachricht über die Landung der Alliierten in der Normandie bis hin zu Goebbelsschen Durchhalteparolen noch im März 1945. Später dann Suchdienstmeldungen,  geheimnisvolle Durchsagen und Zahlenkolonnen aus dem kalten Krieg im Äther, Ulbrichts legendäres "niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten …", die Friedensfahrt-Fanfare. Und Erkennungsmelodien einiger Sendungen, von Schlagerrevue bis Kinderradio Knirpsenstadt im DDR-Rundfunk oder Schlager der Woche und Onkel Tobias vom Rias auf der anderen Seite. Zum Schluss der "Abgesang" von Radion Berlin International am 2. Oktober 1990.

Auch Verbindungen von Rundfunk und Rüdersdorf kamen zur Sprache. So hatte man die Niederbarnimer Nachrichten 1925 bis 43 durchforstet, zum Beispiel Anzeigen von Radio-Räthel gefunden, der damals in der Luisenstraße (heute Breitscheid-) Geräte angeboten hatte. Zum Beispiel den "Volksempfänger", den der Referent wie andere Apparate im Bild vorstellte. Zudem habe sich aus Meldungen ableiten lassen, dass die Rüdersdorfer Bergkapelle früher oft im Rundfunk aufgetreten sei. Ein Konzert sei per Kurzwelle gar bis Amerika übertragen worden, berichtete Kreowsky. Recherchiert wurde ferner, dass ein örtlicher Theaterverein 1928 das Stück "Der Radiofimmel" im Lokal "Zum Bergwerk" aufgeführt und dass es Reportagen aus Rüdersdorfer Betrieben gegeben hatte, zum Beispiel aus dem Kalkwerk. Und in den 1960er-Jahren sang der Kinderchor des Berliner Rundfunks "In Rüdersdorf wird Kalk gebrannt ..."

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