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Handelscentrum.
Nach dem Brand geht’s weiter

Zieht neben der ehemaligen Schlemmerkiste ein: André Diehm, der bisher seinen Schuhreparatur- und Schlüsseldienst im jetzt unzugänglichen Teil der Shoppingmall des Handelscentrums Strausberg betrieb.
Zieht neben der ehemaligen Schlemmerkiste ein: André Diehm, der bisher seinen Schuhreparatur- und Schlüsseldienst im jetzt unzugänglichen Teil der Shoppingmall des Handelscentrums Strausberg betrieb. © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 11.07.2019, 07:00 Uhr
Strausberg (MOZ) André Diehm möchte seine Kunden beruhigen: "Alle rund 200 Paar Schuhe sind noch heile und liegen bereit. Sie riechen auch nicht nach Rauch und haben sich nicht verfärbt. Sobald ich ein neues Ladenlokal habe, können Sie sie sich abholen", sagt der Inhaber des Schuhreparatur- und Schlüsseldienstes, der bis zum Brand vom 22. Juni in der Mall des Handelscentrums sein Geschäft betrieb. Noch ist ihm der Zugang verwehrt, die Statik sei noch nicht gegeben, dass er seine Sachen aus dem unbeschädigten Teil der Mall herausholen könnte.

Temporäre Lösungen gefragt

Außerdem musste er zunächst die Entscheidungen des Centermanagements abwarten, ob und wo man ihm eine alternative Laden- und Werkstattfläche anbietet. "Es geht ja zunächst um eine Übergangslösung, bis man den vorderen Teil neu gebaut hat und ich eventuell dort wieder einziehen kann", sagt Diehm. Natürlich versuche er unbedingt, am Markt zu bleiben und sein Geschäft fortzuführen. Schließlich hat er auch einen Mitarbeiter, den er nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen möchte. Er hofft, dass ihm die Agentur für Arbeit zur Überbrückung Kurzarbeit finanziert. Auch das Dutzend Kunden, das Scheren zum Schleifen ab- und Schilder zum Gravieren in Auftrag gegeben hat, muss nicht auf seine Dienstleistung verzichten und etwa die Scheren abschreiben: "Nichts ist kaputt, es ist alles ganz geblieben." Wenn die Mall neu und schöner als je zuvor wieder aufgebaut wird, hofft André Diehm wieder auf ein Geschäft an der viel frequentierten Strecke: "Die Laufkundschaft macht doch einen erheblichen Teil des Umsatzes aus, aber dankbar bin ich auch den treuen Stammkunden."

In dieser Woche hat das Centermanagement für André Diehm die Weichen gestellt. "Wir haben ihm im Außenbereich eine Ausweichfläche in einem Pavillon neben der früheren Schlemmerkiste angeboten", informierte am Mittwoch Center-Sprecher Maurice Lindemann. André Diehm ist dieser Tage bereits mit einem Ladenbauer am Ausmessen. Maurice Lindemann räumt ein, dass er und das Centermanagement sich eine schnellere Inbetriebnahme der immer noch gesperrten Geschäfte Märkisch-Edel, Jeans-Point, Telekom, O2 und C & A gewünscht und vorgestellt hätten: "Auch wenn alle beteiligten Partner mit Hochdruck an der Lösung der Probleme arbeiten, brauchen Freigaben durch Prüfstatiker und  Behörden ihre Zeit." Es erfordere doch einen höheren Planungsaufwand als gedacht, das Centerdach von der Brandstelle zu beräumen. "Das Außengebäude ist sicher, es braucht aber die Freigaben." Die Centerleitung will ganz klar das Signal aussenden, dass sie möglichst alle Firmen wieder an den Start bringen will. Da gehe es auch um Medimax: "Wir hoffen, dass die Strausberger ihre Weihnachtsgeschenke wieder bei Medimax kaufen können." Auch den Drogeriemarkt Rossmann wolle man nicht verlieren, die Kette selbst habe ebenfalls ihr Interesse an dem Standort mitgeteilt.

Couponhefte verteilt

Einige Übergangslösungen sind aber in Arbeit und teilweise realisiert. So hat das Reisezentrum Hartung einen Stand im Palmengarten auf dem Platz der Eventbühne aufgebaut. Es bedient dort nicht nur Laufkundschaft, sondern gibt auch an Vertragskunden Reiseunterlagen aus. Für die Theaterkasse hat das Management eine Teilfläche beim Immobilienservice, der seinen Platz neben dem ehemaligen Naturkaufhaus hat, gefunden. Auch sie ist umgehend wieder für ihre Kunden da.

Maurice Lindemann verweist auf das dieser Tage verteilte Couponheft: "Sehen Sie das bitte als Zeichen der Entschlossenheit des Eigentümers an alle Kunden, dass das Handelscentrum weiter für sie da ist. Alle Aktionen bleiben, von den unumgänglichen Einschränkungen abgesehen." Gemeinsam mit der Stadt bereite das Centermanagement für den 6. Oktober den Tag der Vereine vor, betonte Maurice Lindemann.

Der Brand des Handelscentrums

Großes Aufsehen hat der Brand am nordwestlichen Teil des Strausberger Handelscent­rums am 22. Juni erregt. Wie die Kriminalpolizei am 28. Juni bereits mitteilte, hatten ein zwölf- und ein 13-jähriger Junge an jenem Sonnabendabend mittels einer Deoflasche und Zündmitteln ein Auto an einer Kfz-Werkstatt nahe dem Haupteingang der Shoppingmall in Brand gesetzt. Die Flammen ergriffen einen Reifenstapel neben dem Auto, wodurch so große Hitze entstand, dass die Decken- und Dachfläche des unweit stehenden Medimax-Elektronikmarktes zu glimmen begann. Die darauf folgende Durchzündung bewirkte eine fast explosionsartige Ausbreitung des Brandes auf den Medimax- und kurz darauf auf den Rossmann-Markt. Freiwillige Feuerwehren aus Straus­berg, Petershagen-Eggersdorf und Rehfelde verhinderten mit gezieltem Einsatz von Wasserriegeln ein Ausbreiten der Flammen auf andere Teile des Gebäudekomplexes. Weitere Einsatzkräfte wie aus Fredersdorf-Vogelsdorf standen bereit. Der Brand hat rund zehn Prozent der Verkaufsflächen des Handelscent­rums zerstört. Betroffen sind auch die gegenüberliegenden Geschäfte und kleine Händler, die ihren Platz in der Mall hatten. ⇥js

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