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Bürgermeisterin zieht Vorlage nach Widersprüchen in Ausschussrunde zurück. Neue Tiefststände am Pegel.

Straussee
Fehlstart für Freibadumbau

Vom Schwimmmeister zum Gärtner: Jörg Krüger steht im ausgetrockneten Teil des Freibades am Straussee in Strausberg. Dort hackt er nun aufkeimendes Grün weg.
Vom Schwimmmeister zum Gärtner: Jörg Krüger steht im ausgetrockneten Teil des Freibades am Straussee in Strausberg. Dort hackt er nun aufkeimendes Grün weg. © Foto: Gerd Markert
Martin Stralau / 13.08.2019, 07:30 Uhr
Strausberg (MOZ) Damit das in diesem Jahr geschlossene Freibad zumindest in der nächsten Saison trotz niedrigen Wasserstandes geöffnet werden kann, muss es für die neuen Bedingungen ertüchtigt werden. Vorschläge dafür hat der Geschäftsführer der Strausberger Bäder GmbH, Fred Thaleiser, schon 2017 schriftlich im Rathaus eingereicht. Nun sollen zumindest 40  000 Euro im nächsten Haushalt für das Jahr 2020 eingestellt werden, um erste Pläne dafür in Auftrag zu geben.

Bürgermeisterin Elke Stadeler reichte dafür in die aktuelle Ausschussrunde im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung am 29. August eine Vorlage der Wirtschaftsförderung ein, die die Bereitstellung der 40 000 Euro für die Beauftragung eines Planungsbüros durch den Pächter vorsah. Daran allerdings stieß sich Marcel Bobzin, der als sachkundiger Bürger für die CDU in den Bauausschuss eingezogen ist: "Die Stadt gibt das Geld, das der Pächter einsetzen kann? Es liegt also in der Hand des Pächters, was gemacht wird", stellte er fest. Elke Stadeler verwies darauf, dass die Stadt in den vergangenen Jahren sehr gut damit gefahren sei, dass die Einrichtungen wie das Strausbad und die Badeanstalt sowie der Bootsverleih von der Strausberger Bäder GmbH geführt worden seien: "Vieles ist fachlich ausgezeichnet gemacht worden, ohne die Hochbau-Mitarbeiter zu belasten. Wir wollen einfach, dass dort etwas passiert.  Dass das einer macht, der sich auskennt." Die Aufgabenstellung werde man miteinander abstimmen.

Kritik am baulichen Zustand

Auf den Hinweis von Ronny Kühn (Linke), dass die Stadt Eigentümerin des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes sei, in den investiert werden müsse, sagte Elke Stadeler: "Das werden wir finanzieren. Wir zahlen ja auch nicht nur den Ausgleich für das öffentliche Schwimmen, sondern auch den jährlichen Zuschuss für die Einnahmeausfälle sowie die Sanierungen und Reparaturen in der Schwimmhalle und im Freibad." Auf Nachfrage von Andreas Fuchs (CDU) sagte sie, die Mittel würden in den Haushalt eingeordnet, wenn die Stadtverordneten die Verwaltung damit beauftragten.

Der neu für die Linken als sachkundiger Einwohner in den Ausschuss entsandte Carsten Wenzel merkte an, dass der bauliche Zustand des Freibades sträflich vernachlässigt worden sei. "Wir haben uns ja noch nicht einmal Gedanken darüber gemacht, was wir an dieser Stelle wollen. Vielleicht ein Restaurant mit Bademöglichkeit?", fragte er. Elke Stadeler entgegnete: "Das wäre eine ganz neue Intention, die allerdings nicht die meine ist." Ihr gehe es darum, die Funktionsfähigkeit der Badeanstalt wiederherzustellen. Andreas Fuchs fand die Vorlage "zu diffus". Ob die Planung ergebnisoffen sei, fragte er und wiederholte: "Was wollen wir an dieser Stelle?"

Der Vorsitzende der Fraktion Zusammen für Strausberg, Jens Knoblich,  schlug vor, dass Fred Thaleiser seine Vorstellungen im Bauausschuss darlegen solle: "So eine Wundertüte wie diese Beschlussvorlage behagt mir nicht." Er schlug einen Wettbewerb ähnlich wie beim Kino vor. Ohne eine Idee, wofür die 40 000 Euro ausgegeben werden sollen, lehne er die Vorlage ab.

Elke Stadeler bekräftigte, dass Fred Thaleiser erfolgreich die Verantwortung für Strausbad und Badeanstalt trage, dafür sei sie ihm dankbar. Sie sei aber "schmerzarm", die Vorlage zurückzuziehen und tat dies auch, wobei sie die Hoffnung äußerte, über sachkundige Vorschläge und Ideen ins Gespräch zu kommen.

Unterdessen hat der Pegel an der Fähre mit rund 40 Zentimetern einen neuen Tiefststand erreicht. An der Verleihstation liegen einige Boote bereits auf dem Trockenen.

Badeanstalt ohne Nichtschwimmerbereich

Grund für die Beschlussvorlage der Verwaltung ist der geringe Wasserstand des Straussees, weshalb die am 20. Juni 1925 eingeweihte Badeanstalt 2019 nicht geöffnet werden konnte. Im Freibad gibt es derzeit keinen Nichtschwimmerbereich mehr. Für Kinder und Nichtschwimmer kann keine Sicherheit mehr gewährleistet werden, weil der See nur über eine sehr kurze Flachwasserzone verfügt und danach sofort in den Tiefwasserbereich übergeht. "Es gab viele Fragen im Bauausschuss", begründete Bürgermeisterin Elke Stadeler im Finanzausschuss, warum sie die Vorlage zurückgezogen hat. "Bevor wir so eine Vorlage das nächste Mal einbringen, sollten wir sie besser vorbereiten."⇥mst

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