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Wissenswertes zu den Themen Jagd, Wildbestand und Wald lernten Eggersdorfer Grundschüler bei einem Projekttag im Freien.

Naturerfahrung
Auf Jagd mit Antennenhunden

Irina Voigt / 19.08.2019, 18:03 Uhr - Aktualisiert 20.08.2019, 07:48
Petershagen-Eggersdorf (freie Autorin) Sind Fuchs und Hund miteinander verwandt? Was ist eine Kirrung? Liegen Tannenzapfen auf dem Waldboden? Antworten auf diese und mehr als 30 weitere Fragen den Wald, die darin lebenden Tiere, Jagd und Hege betreffend, haben die Mädchen und Jungen der dritten Klassen der Eggersdorfer Grundschule von ihrem Projekttag "Jagd" am Freitag mit nach Hause nehmen können.

Als sich die über 50 Schülerinnen und Schüler in Begleitung ihrer Lehrerinnen und Erzieher auf den Weg in den nahen Eggersdorfer Forst machen, schallen ihnen schon die Jagdsignale zum Sammeln und zur Begrüßung entgegen. Heike Matthes und Dorian Tutsche von der Jagdhornbläsergruppe Mühlenfließ haben dieses Mal musikalische Verstärkung von Lutz Hackert bekommen. Auch er ist als Vorsitzender des Jagdverbandes Märkisch-Oderland an der Vorbereitung und Durchführung dieses außergewöhnlichen Tages beteiligt. Nach einem bunten Projekttag mit acht Berufen vom Polizisten bis zum Hörakustiker gab es nun den Ausflug in den Wald.

Vom Miteinander der Bäume

Der Altlandsberger Revierförster Martin Estler freute sich seinerseits über das große Interesse der Kinder, die in den nächsten Stunden viel darüber erfahren sollten, was Jäger tun und wie Wildbestände und Bäume gehütet werden, damit sie gut und friedlich nebeneinander und miteinander gedeihen. Und dann ging es – wie bei einer richtigen Pirsch – in drei Rotten immer tiefer in den Wald hinein.

Dafür war alles umsichtig und mit viel Liebe zum Detail vorbereitet worden. Ausgestreute Maiskörner wiesen die Richtung und überall hingen Plakate mit Fragen, auf die Antworten gesucht wurden – auch für zufällig daherkommende Spaziergänger an diesem Tag ein schönes Extra. Auch die präparierten Tiere von Frischling bis Marderhund, von Maulwurf bis Rehkitz sind Anziehungspunkte. Hier erfahren die Drittklässler viel über das Leben im Wald ganz in der Nähe von Wohnsiedlungen und viel befahrenen Straßen.

Eine Gruppe war mit Jägerin Nadja Päch, der Mutter von Elhas, unterwegs, eine andere mit Gino Neumann, der seinen Hannoveraner Schweißhund Amy dabei hatte. Die Gruppe, von der Maximilian der Rottenführer war, wurde von Sven Rein begleitet. Der war auch nicht allein gekommen, sondern hatte Fährtensucher Lando, seinen Bayrischen Gebirgsschweißhund, mitgebracht.

Mann und Hund weckten sofort das Interesse der neugierigen Kinder, die viele Fragen stellten. Warum der Hund eine Antenne trägt und wozu die bunten Bänder sind, die aus den Taschen von Sven Rein hängen? "Der Hund kann bei der Nachsuche einer Fährte eines kranken, eines angeschossenen oder auch angefahrenen Wildtieres dessen Spuren, die 60 Stunden alt sind oder gar nach einer Woche, immer noch gut folgen", erklärte Rein. Und diese Spur markiere er dann mit roten oder blauen Bändern, um wieder zurückzufinden. Beide, Hund und Mensch, seien über GPS miteinander verbunden, so dass der Jäger immer wüsste, wo der Hund gerade sei.

Vorsichtig und hintereinander gehen die Kinder dann den schmalen Pfad bis zum Hochsitz. Jeder darf einmal hinauf und von dort über die Schneise blicken. Eine Kirrung – das erfahren sie bei dieser Gelegenheit – ist eine vom Menschen vorbereitete Futterstelle. Dafür gibt es eine mit Mais gefüllte Sautrommel, aber auch einen Salzstein, der die Tiere mit den notwendigen Mineralien versorgt. "An solchen Stellen können wir die Tiere beobachten und dadurch verantwortungsbewusst entscheiden, welches Tier geschossen werden müsste, weil es krank ist oder aber auch, weil es sonst viel zu viele Tiere in diesem Wald werden", sagt Sven Rein.

Horterzieher ist selbst Jäger

Christian Hoffmann, Horterzieher und Jäger, ist immer ein gefragter Gesprächspartner. "Wir gehen mit den Kindern regelmäßig in den Wald, so dass sie wissen, wie sie sich verhalten müssen", sagt er. Und erklärt, dass jeder Wald nur eine bestimmte Menge an Rehen oder Wildschweinen verkraften kann. "Was wir nicht schießen, wird womöglich auf der Straße überfahren und damit geraten Menschen in Lebensgefahr", sagt er.

Aufmerksam lauschen die Kinder. Für jede richtige Antwort – der Fuchs ist tatsächlich kein Verwandter des Hundes und echte Tannenzapfen fallen nicht vom Baum, die, die unten liegen, sind Zapfen von Fichten – gibt es einen Stein. Zum Schluss werden die Wissenssteine gezählt und dann steht fest, wer Sieger ist. Gewonnen haben allerdings alle bei diesem Schultag im Wald. Und dann lassen sich alle die Wildbratwürste, die am Tag zuvor in der Hortküche gemeinsam mit dem Fleischermeister Stefan Flaßhaar hergestellt wurden, schmecken.

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