Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Seit Anfang August ist es verboten Wasser aus öffentlichen Gewässern zu entnehmen. Wie lange das Verbot bestehen bleibt, ist unklar. Privatleute sind, bis zu einer bestimmten Menge, nicht betroffen.

Verbot
Reaktion auf Trockenheit in Märkisch-Oderland

Symbolbild
Symbolbild © Foto: Mandy Timm
Martin Stralau / 08.09.2019, 07:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Seit Ende August ist im Landkreis Märkisch-Oderland die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern – dazu zählen Seen, Flüsse, Kanäle und Fließe – mit Hilfe von Pumpvorrichtungen untersagt. Eine Prognose darüber, wie lange die in Kraft gesetzte Allgemeinverfügung der unteren Wasserbehörde des Kreises, in der das Verbot geregelt ist, Bestand hat, könne derzeit nicht abgegeben werden. Das erklärte der Beigeordnete Rainer Schinkel jetzt auf Nachfrage der MOZ.

Die Allgemeinverfügung sei auf Grund der meteorologischen und hydrologischen Situation sowie auf Anraten des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) erlassen worden, sagte Schinkel. Andere Landkreise in Brandenburg hätten ebenso reagiert, viele auch deutlich früher, ergänzte er. In den vergangenen zehn Jahren sei solch eine Allgemeinverfügung "noch nie erlassen" worden, "weil eben die Situation auch noch nie vergleichbar mit der des Jahres 2019 gewesen war. Zwei Jahre mit deutlich geringerem Niederschlag und höheren Durchschnittstemperaturen als im langjährigen Mittel haben ihre Spuren hinterlassen. Das ist an vielen Gewässern unverkennbar", äußerte Schinkel. Mit der Allgemeinverfügung solle der Rückgang der Wasserstände verringert werden – vor allem in stehenden Gewässern. Man wolle damit aber auch das Bewusstsein in der Bevölkerung für die angespannte Situation schärfen.

Ausnahme für Feuerwehr

Ausgenommen von dem Verbot sind Wasserentnahmen von Kleinstmengen für den privaten Eigenbedarf von unter zehn Litern pro Tag und Person sowie durch die Feuerwehr im Brandfall. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss mit drastischen Strafen rechnen. Eine Verletzung der Allgemeinverfügung sei eine Ordnungswidrigkeit, die nach den Bußgeldvorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes bzw. des Brandenburgischen Wassergesetzes geahndet werden könnten. "Die Höhe des Bußgeldes richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall", sagte Schinkel. Für die Kontrolle sei man auf die Mithilfe und Anzeigen von Ämtern und Gemeinden angewiesen. Der Landkreis werde bei Bedarf mit seinen "vorhandenen Mitarbeitern reagieren". Bisher seien noch keine Bußgelder verhängt worden.

Unterdessen hat die oberste Wasserbehörde beim MLUL als Aufsichtsbehörde die unteren Wasserbehörden der Landkreise gebeten, über die Erfahrungen mit den Allgemeinverfügungen zu berichten. "Wir werden die Berichte auswerten und den Kreisen Hinweise geben, wie sie die Verfügungen noch besser vollziehen können", sagt Axel Loger, Rechts-Referatsleiter der obersten Wasserbehörde. Er appelliert an die Bevölkerung, spar- und sorgsam mit Wasser umzugehen. Dazu sei ohnehin jedermann verpflichtet, das gebe das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes vor.

Auf die Arbeit des Wasserverbands Strausberg-Erkner hat die Allgemeinverfügung übrigens keine Auswirkung. "Wir fördern unser Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem zweiten Grundwasserleiterkomplex in einer Tiefe von 50 bis 70 Metern", sagt Sprecherin Sandra Ponesky. Diese Grundwasservorkommen stünden "in keinem direkten Zusammenhang mit den Oberflächengewässern". Auch Sandra Ponesky ruft zu einem sorgsamen Umgang mit Trinkwasser auf. Die Schärfung des Bewusstseins für die begrenzte Ressource sei "bisher nur bei einigen im Verbrauchsverhalten spürbar".

Verbrauchswerte der Trinkwasserversorgung

Die Trockenheit der vergangenen Monate hat nicht nur die Pegel der Seen und Flüsse massiv sinken lassen. Auch der Wasserverband Strausberg-Erkner registrierte im Sommer 2019 einige Extreme. Mit einem Wert von 1,4 Millionen Kubikmetern Trinkwasser wurde im Juni der höchste Monatsverbrauch in der Verbandsgeschichte gemessen. Am 30. Juni gab es hinsichtlich der geförderten Tagesmenge Trinkwasser mit 67 254 Kubikmeter einen neuen Rekord. Der alte aus dem Sommer 2018 lag bei 59 412. Mit den Rekordwerten erreichte der WSE seine technische Leistungsgrenze. Nach dem Rekord-Juni liegen die Trinkwasser-Verbrauchszahlen etwas unter den 2018er Werten, aber weiter auf einem hohen Niveau.  ⇥mst

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG