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Bei der Sensenmeisterschaft des Naturparks Märkische Schweiz steht nicht nur der Wettbewerb im Fokus, sondern auch der Austausch und das Lernen voneinander.

Tradition
2. Sensenmeisterschaft in Buckow: Gut geschärft mit ruhiger Hand

Thomas Berger / 10.09.2019, 06:30 Uhr
Buckow Der Buckower Helmut Mittelstädt, mit seinen 78 Jahren der Älteste in der Runde, durfte im Wettbewerb der zweiten Sensenmeisterschaft des Naturparks Märkische Schweiz den Anfang machen. "Mein Vater hatte ein Fuhrgeschäft, wir hatten also Pferde und auch ein Stück Land. Da musste auch ich mit zehn, zwölf Jahren mit ran zum Mähen", blickte er auf die persönlichen Ursprünge dieser Fertigkeit zurück. "Schön, dass das hier stattfindet. Es sind gute Leute dabei und gutes Material", so seine Einschätzung.

Nur die Wettbewerbsfläche stellte – allerdings für alle Teilnehmer gleichermaßen, also für niemanden als Benachteiligung – eine zugespitzte Herausforderung dar. Denn durch die in diesem Sommer wieder sehr überschaubaren Niederschläge war die Wiese am Abzweig Weinbergsweg/Hopfenweg nicht etwa saftig grün, sondern eher büschelweise von halbtrockenem, hartem Kraut bestanden. Jeweils einen längeren Streifen hatten alle zu mähen. Da war zwischendurch hin und wieder Nachschärfen angesagt.

"Trotz allem habe ich recht gute Haltungsnoten vergeben können", sagte Sabine Pohl – die Leiterin der Naturparkverwaltung gehörte wie Wanderschäfer Eik Bonin der Jury an, die neben der Haltung auch noch das Schnittbild und das Schwadbild zu bewerten hatte. Schwad ist das abgemähte Gras, das an der einen Seite des Streifens liegen bleibt. Am besten schön in Reihe und nicht so "verstrubbelt", erklärte Sabine Pohl die Anforderung.

Etwas weniger aktive Teilnehmer als bei der Premiere waren es diesmal, die Veranstaltung insgesamt dennoch ein großer Erfolg. Von geradezu enthusiastischer Begeisterung erfüllt und immer wieder irgendwo ins Fachsimpeln vertieft war Botaniker Norbert Wedl, der sich um etliche Wiesen im Naturpark kümmert. "Das ist ja ein uraltes landwirtschaftliches Handwerk. Da braucht man Jahre, bis man das richtig beherrscht", sagte er über den fachkundigen Umgang mit der Sense. "Schön, dass Leute noch dieses alte Kulturgut pflegen, und so ein Wettbewerb ist eine Gelegenheit, das auch mal praktisch zu zeigen."

Schon als Kind zum Heumachen

Zu denen, die sich der Meisterschaft stellten, gehörte auch Jörg König aus dem Doppeldorf. "Wir hatten früher einige Tiere, da bin ich schon als Junge mit Vater und Opa auf die Wiese zum Heumachen", hat auch er sich das Mähen von Hand bereits in der Kindheit angeeignet. "Eigentlich ist die Sense, mit der ich heute im Einsatz war, etwas zu groß für mich. Doch den Baum habe ich von einem alten Elektromeister geschenkt bekommen. Der liegt einfach gut in der Hand." Und natürlich hatte König eine vollwertige Dengelausrüstung dabei.

Der größte Fachmann in Sachen Dengeln an diesem Tag war allerdings Walter Balasus. Ein alter Rehfelder, der dieses Hobby erst seit dem Eintritt ins Rentenalter pflegt, obwohl auch seine Eltern Bauern waren, er das hätte schon früher lernen können: "Als Jugendlicher hat mir das aber nicht wirklich Spaß gemacht." Obwohl Späteinsteiger, habe er bei der Dengelmeisterschaft unter 19 Teilnehmern einen stolzen fünften Platz belegt.

Von seinen fachkundigen Hinweisen profitierte nun unter anderem die Buckowerin Roswitha Yildiz. "Es hat etwas Kontemplatives, Konzentration verbunden mit Kraft", merkte sie an, während sie am Amboss getreu der Anleitung auf das Sensenblatt hämmerte. "Da kann ich auf meiner Wiese ja heute Abend gleich noch voll einsteigen." Beim Wettbewerb teilnehmen? Nein, das sei nichts für sie, sie wolle lediglich im Umgang mit der Sense ein wenig besser werden.

Wiesensalbe und Kräutertour

Während die Kinder im Hintergrund beim Bogenschießen ihren Spaß hatten, ging es auch sonst rund um das Thema Wiese. Eine Gruppe war mit Birte Böhnisch vom Habondia-Hof auf Kräuterwanderung gewesen, später führte die Expertin auch noch vor, wie eine Wiesensalbe gegen Beschwerden wie Schnupfen hergestellt wird. Die Mixtur auf Basis von Majoran und mit Olivenöl als Fettgrundlage helfe auch bei Blähungen und Verkrampfungen der Muskulatur. Wer wollte, konnte zudem noch mit Wedl auf botanischen Exkurs gehen.

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