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Unter dem Dach der Diakonie nehmen die ersten neun ehrenamtlichen Familienbegleiter ihre Arbeit auf.

Kinderhospizdienst
Virtuelle Schlüsselübergabe

Start in eine ganz besondere Aufgabe: Kursleiterin Franziska Jany (l.) mit den sieben anwesenden der insgesamt neun ersten Familienbegleiterinnen
Start in eine ganz besondere Aufgabe: Kursleiterin Franziska Jany (l.) mit den sieben anwesenden der insgesamt neun ersten Familienbegleiterinnen © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 01.12.2019, 22:10 Uhr
Strausberg Wären wir ein Haus, dann wäre der heutige Termin so etwas wie der Tag der Schlüsselübergabe", formulierte es Isabell Friedrich, die neue Leiterin des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Märkisch-Oderland, der am Freitagabend zu einem besonderen Anlass in die Bonhoeffer-Kapelle nach Strausberg-Vorstadt eingeladen hatte. Denn dort erfolgte der offizielle Start für den Kinder- und Jugendhospizdienst, mit dem das Diakonische Werk Oderland-Spree Neuland beschreitet.

Es sind zunächst neun Frauen, die den ersten Ausbildungskurs für dieses besondere Ehrenamt absolviert haben – Conny Baganz, Andrea Grönert, Gabriele Brandenburg, Doris Wester, Jana ­Flohr, Heinke Flohr, Christine Palm, Gabriele Schwarzlose und Sabine Seelig. Sieben davon konnten zur Feierstunde anwesend sein, um aus den Händen von Kursleiterin Franziska Jany ihre Zertifikate in Empfang zu nehmen. Zusätzlich gab es ein kleines "Kraftpaket", eine symbolische Geste, denn genau solches werden sie für ihre nicht alltägliche Tätigkeit in der Betreuung von Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen brauchen.

Rüstzeug und Pionierarbeit

Davon, sagte Isabell Friedrich in ihrer einführenden Rede, gebe es in MOL derzeit 112, verstreut über ein riesiges Gebiet von 2000 Quad­ratkilometern und oftmals zu Hause in Dörfern, wo es schon allein an ausreichender kinderärztlicher und sonstiger Versorgung in rein medizinischer Hinsicht mangle. Ganz zu schweigen von der Begleitung der Mädchen und Jungen, ihrer Eltern und Geschwister, wie es die Ehrenamtlichen nun als ihre Aufgabe ansehen. Das Rüstzeug haben sie in dem Kurs erhalten, bei dem sich zwischen April und November 14 Referenten sehr unterschiedlichen Aspekten und Themen widmeten, alles ergänzt durch den Besuch in zwei Einrichtungen und ein Praktikum. Die Kontakte, die auf der Suche nach Praktikaplätzen entstanden – beispielsweise zu den Kristallkindern in Petershagen –, sind die Keimzellen des im Aufbau befindlichen Netzwerks, das den Familienbetreuern ihrerseits helfen soll.

Zu dem, was die Kursabsolventen an vielseitigen Herausforderungen erwartet, hatte der weitgereiste Gast einen ebenso informativen wie berührenden Vortrag mitgebracht. Edith Droste war gern die 450 Kilometer aus dem Sauerland angereist. 2002 hatte sie die Deutsche Kinderhospizakademie aus der Taufe gehoben und bis 2012 geleitet, ist noch immer als Beraterin im Einsatz und war in den 1990er-Jahren eine Pionierin auf diesem Gebiet, als in Deutschland gerade erst die Hospizarbeit für Erwachsene im Entstehen war, es an Angeboten für tödlich erkrankte Kinder und Jugendliche noch völlig mangelte. An vielen Beispielen erzählte sie von eigenen Erfahrungen, mahnte an, dass es trotz fachlicher Eckpunkte in der Ausbildung kein Patentrezept gebe, jeder Fall anders und der Aufbau einer soliden Vertrauensbasis die Grundlage des Wirkens sei.

Während sonst in der Hospizarbeit das Ende schon oftmals absehbar sei, ist die Betreuung der Kinder und ihrer Familien ein langfristiger Prozess. "Vor dem Sterben ist noch ganz viel Leben", die Betreuung beginne ab der Diagnose, und viele der Mädchen und Jungen hätten noch Jahre vor sich, die es lebenswert-würdevoll zu gestalten gelte. Primär den Menschen sehen mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, erst in zweiter Instanz die Krankheit, legte sie als Grundsatz allen ans Herz. Ist der Moment des Abschiednehmens gekommen, stehen die Familienbegleiter auch den Angehörigen bei der Trauerbewältigung weiter zur Seite.

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