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Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler fordert nach dem Aus für die Einrichtung eine Klärung der Spendensituation.

Aus für Kindernachsorgeklinik
Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler: "Wir sind irre traurig"

Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler
Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler © Foto: Julia Otto
Martin Stralau und Hans Still / 02.12.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 03.12.2019, 16:03
Strausberg (MOZ) Wir sind irre traurig und es tut uns weh, dass so eine wertvolle Einrichtung kurz vor Weihnachten schließt." Mit diesen Worten reagierte am Sonnabend Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) auf die erst Freitagnachmittag bekannt gewordenen existenziellen Probleme der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg gGmbH. Klinik-Geschäftsführerin Sandra Bandholz hatte in einer Presseerklärung das Aus der Einrichtung mitgeteilt. Die Gesellschafter stellen demnach den operativen Geschäftsbetrieb ein. Für 40 Mitarbeiter bedeutet dieser Entschluss zum Jahresende den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Begründet wird die Entscheidung der Gesellschafter mit ungelösten Finanzproblemen in Millionenhöhe. Bekanntlich läuft der Mietvertrag der Nachsorgeklinik in der Brandenburgklinik in Wandlitz aus, so dass bereits seit Jahren nach einem Ersatz gesucht wurde. Durch die Peter-und-Ingeborg-Fritz-Stiftung wurde die Möglichkeit aufgezeigt, in Strausberg die familienorientierte Nachsorge in einem Klinikneubau fortsetzen zu können. Die Baukosten von rund 20 Millionen Euro sollen aus dem Eigenkapital des Stifterehepaares fließen. Für die Kosten der Innenausstattung, veranschlagt wurden fünf Millionen Euro, zeichnet die Nachsorgeklinik verantwortlich. Laut Geschäftsführerin Bandholz habe das Ehepaar Fritz nun weitere fünf Millionen Euro als "verlorenen Baukostenzuschuss" von der Kindernachsorgeklinik gefordert. Diese Summe aufzubringen, sehen sich die Klinik-Gesellschafter auch vor dem Hintergrund unterschiedlicher Auffassungen über eine angemessene Miethöhe für die jetzigen Klinikräumlichkeiten nicht imstande.

Stadt könnte Geld verwahren

Peter Fritz hatte am Freitag gesagt, er habe seit Längerem gewusst, dass die Gesellschafter der Klinik unfähig seien, das Projekt finanziell zu stemmen. Eine konkrete Zusage über die von der Stiftung zur Verfügung gestellten 20 Millionen Euro hinaus fehle ihm bis heute. Er habe zwei namhafte Interessenten in der Hinterhand, die einspringen und in ­Strausberg nach dem Umzug von Wandlitz auch das Konzept der Familienorientierten Rehabilitation umsetzen könnten.

"Uns war bekannt, dass Herr Fritz nach einer Variante B sucht, weil es Spannungen gab und er seinen Zeitplan gefährdet sah", sagte Elke Stadeler. Auf dem für die Klinik vorgesehenen Grundstück am Straussee seien "ja nicht nur ein paar Steine aufeinander gelegt, da stehen schon richtige Gebäude". Da die Stadt kein Gesellschafter sei, "sind wir bei diesem Thema gefühlt am Rande, wir hatten nur das Bau- und Planungsrecht herzustellen", sagte Elke Stadeler. Sie betonte, dass das Projekt in Strausberg "politisch hochgradig gewollt ist". Auch die Bevölkerung stünde dahinter, viele Menschen hätten bereits dafür gespendet. "Es muss geklärt werden, was mit den Spenden der Menschen passiert. Möglich wäre, das Geld auf einem Konto der Stadt zu verwahren. Das Thema muss seriös und ordentlich abgearbeitet werden – von jedem in seiner Zuständigkeit", forderte sie.

Klinik-Geschäftsführerin Sandra Bandholz warb am Wochenende in diesem Punkt um Geduld. "Was mit den Spenden passiert, würde ich gerne noch mit den Gesellschaftern abstimmen. Alle Mitarbeiter der Kindernachsorgeklinik würden sich freuen, wenn das Konzept der Familienorientierten Rehabilitation gerettet und fortgeführt werden könnte", griff sie die Aussagen von Peter Fritz auf.

An ihrem Standort in Wandlitz betreut die seit 2009 von der Deutschen Rentenversicherung und den Krankenkassen anerkannte Rehabilitationseinrichtung in erster Linie herz- und krebskranke Kinder und Jugendliche mit ihren Familien im Anschluss an Akutbehandlungen. Sie ist eine von nur fünf Kliniken bundesweit und die Einzige in den neuen Bundesländern, die das Konzept der Familienorientierten Rehabilitation anwendet.

Tränen bei der Belegschaft

Die derzeit betreuten Patienten und ihre Familien – die Aufenthalte in der Klinik dauern immer vier Wochen – sind bis 19. Dezember in Wandlitz. Es ist die vorerst letzte dort betreute Gruppe. "Für sie soll es die schönste Reha geben, die es in der Klinik jemals gegeben hat", sagte Sandra Bandholz. Das hätten ihr die Mitarbeiter bei der Betriebsversammlung am Freitag versichert, nachdem sie ihre Kündigungen erhalten hatten – der Großteil von ihnen zum Jahresende. "Alle haben geweint, aber nicht um sich. Ihre erste Frage war, was passiert mit den Patienten", berichtete sie. "Unsere Mitarbeiter wollen in den letzten Tagen noch einmal alles geben. Das hat mich beeindruckt", sagte sie.

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Thomas Deuse 07.12.2019 - 12:53:17

Nach vorne schauen

Der Wald ist weg, gebaut ist mittlerweile auch. Einmal mehr zeigt sich was ein Mann, der mit Millionen wedelt alles erreichen kann. Ich verstehe auch nicht, warum ich immer noch spenden soll, wenn die Kindernachsorgeklinik in Bernau pleite ist? Ich fänd auch eine Schönheitsklinik sehr nett. Damit lässt sich bestimmt auch mehr Geld verdienen, als mit gesundwerdenden Kindern. Mein Doppelkinn würde ich dort machen lassen.

Thomas Deuse 07.12.2019 - 12:38:26

Nach vorne schauen

Der Wald ist weg, gebaut ist mittlerweile auch. Die Kindernachsorgeklinik in Bernau ist pleite. Vielleicht ist jetzt auch eine Schönheitsklinik möglich, das bringt doch dem Investor viel mehr Kohle ein, als gesundwerdende Kinder.

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