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Christian Masche hat das einstige Gasthaus "Deutsches Haus" in Ortwig in eine urige Holzkunst-Werkstatt verwandelt. Dort kann man Drechsel-Kurse besuchen.

Adventsserie
Eisblumenretter verzaubert das Holz, aus dem Schreibgeräte werden

Ulf Grieger / 03.12.2019, 06:00 Uhr
Ortwig (MOZ) Mehr als 200 Jahre hat das alte Fachwerkhaus an der Ortwiger Hauptstraße auf dem Buckel. Das sieht man ihm auch an. Hochwasser und Kriege haben ihre Spuren hinterlassen. Christian Masche, der darin wohnt und arbeitet, misstraut der Modernisierung, die alles abdichtet, glättet und damit der Eigentümlichkeit beraubt. Viele Kinder kennen gar keine Eisblumen mehr, weil sie mit Klimaanlagen aufwachsen, die diese Wunder an den Fensterscheiben nicht zulassen würden. So sieht er sich als "Eisblumenretter".

Doch das ist nicht seine Profession. Christian Masche hat das einstige Gasthaus "Deutsches Haus" in eine urige Werkstatt verwandelt. Dort duftet es an Span und Harz. Es entstehen Leuchter aus fein gedrechseltem Holz. Die wird er auch auf den Berliner Märkten – aktuell ist er wieder auf dem romantischen Adventsmarkt auf dem Gendarmenmarkt – los. Mit Gewürzmühlen und verschiedenen Accessoires für die Festtafel oder die gemütliche Stube traf er lange Zeit den Geschmack derjenigen, die der eintönig-schrillen Warenlandschaft überdrüssig waren.

Doch nun hat er sich weiteren Themen zugewandt. Dabei geht es um kunstvoll gestaltete und verzierte Schreibgeräte. Kugelschreiber und auch Füllfederhalter. Aus Eibe, Goldregen und dem Holz der einheimischen Baumarten. Wie die Eisblumen, verlieren auch die Handschriften im Zuge der Digitalisierung an Gegenwart. Die eigene Handschrift ist unverwechselbar. Dem soll das Schreibgerät entsprechen. Die Kulis und Füller entstehen nicht alle von Künstlerhand. "Viele haben großen Spaß daran, sich ihre Schreibgeräte selbst in meiner Werkstatt zu fertigen. Deshalb biete ich dafür an den Wochenenden Kurse an. Das wird auch gut angenommen", sagt der Ortwiger. Natürlich könne man diese Kursteilnahme als Gutschein erwerben und auf den Gabentisch legen. Bei diesem "Schnupperkurs" kann man sich aussuchen, ob man ein Schreibgerät, ein Spielzeug oder eine Figur drechseln möchte. Für Fortgeschrittenen gibt es Masterkurse bis hin zur mehrtägigen Einzelbetreuung. Dabei werden auch edle Metalle und Steine verarbeitet, so dass die Füller zu unverwechselbaren Schmuckstücken werden.

Seit 1988 arbeitet der 49-Jährige mit dem Werkstoff Holz. Von  1992 bis 2000 war er Restaurator für Holzgegenstände bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg in Potsdam und seither ist er freiberuflich tätig.  "Ich liebe es, unscheinbare Hölzer mit deren Struktur, Farbe und Geruch zu entdecken. Manchmal weiß ich gleich, was aus einem Stück werden soll. Oft ist es aber ein langer Prozess eine Formidee zu entwickeln", sagt er über seine Kunst. Die Form des Holzes spreche eine Sprache. Die Struktur und die Festigkeit zeigen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten auf. Die Art der Verformung beim Trocknen und die Tiefenwirkung der feinst geschliffenen Oberflächen werde durch die Holzart bestimmt. "Ich bin fasziniert von Farb- und Oberflächenkontrasten", bekennt Masche.

Flucht vor dem Gleichförmigen

Seit einiger Zeit beschäftigt sich der Künstler zudem mit der Gestaltung von individuellen Urnen. Auch in diesem Bereich, steigt die Nachfrage. Die Flucht vor der industriellen Gleichförmigkeit greife auch hier. Die Objekte der Trauerkultur sind allein schon wegen der Verarbeitung des Materials einzigartig. So, wie es auch der Mensch ist. "Immer häufiger haben Angehörige den Wunsch, die Urne Verstorbener im häuslichen Umfeld aufzustellen. Um so wichtiger ist es, dann eine würdevolle Schmuckurne zu finden", sagt Christian Masche.

Kontakt: Christian Masche, Finest Wood, Ortwiger Hauptstr.19, 15324 Letschin / OT Ortwig, Tel. 0173 2690460, Mail: info@christian-masche.de

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