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Kinder im Aikido auszubilden, hat in Wriezen schon Tradition. Manch Elternteil staunte da nicht schlecht.

Aikido
Ein Fest der Kampfkunst

Thomas Berger / 06.12.2019, 18:06 Uhr - Aktualisiert 09.12.2019, 12:49
Wriezen/Strausberg/Möglin (MOZ) Wer selbst in irgendeiner Weise aktiv Sport treibt, der weiß: Anreize sind wichtig. Um diesen Grundsatz weiß auch Ishlar Smolny, die Leiterin von Dachoyama Aikido mit seinen Standorten in Möglin und Strausberg. Mögen sonst zuweilen Wettkämpfe ein solcher Anreiz gerade für den Nachwuchs sein, so fällt das in diesem Fall als Option weg. "Im Aikido gibt es kein Wettkampfgeschehen", wie die Trainerin erklärt. Sich in einer Art öffentlichen Training mit anderen auszutauschen und etwas zu vergleichen, vielleicht am Ende auch noch vor dem anwesenden Publikum eine Prüfung abzulegen, ist deshalb eine Alternative. Und allen, die vor wenigen Tagen beim großen Aikidofest in der Turnhalle der Wriezener Allende-Schule dabei waren, hat es großen Spaß gemacht.

Ishlar Smolny weiß das, weil sie beim nächsten Treffen der einzelnen Trainingsteams – je drei Altersgruppen von den Kindern an aufwärts an den Standorten Strausberg und Möglin – noch einmal nachgefragt hat. Und da sei gerade auch schon von den Jüngeren das sehr positive Feedback gekommen, dass sie es gut fanden, sich bei dieser Gelegenheit mal mit etwas 50 der gut 60 Aktiven auf einmal zu treffen, auch den Erfahreneren etwas abschauen zu können.

Vor allem Eltern und Geschwister der Akteure sind es bei diesen Terminen, zuvor bereits das Kirschblütenfest im Frühling, die als Zuschauer auf den Bänken an der Außenseite sitzen, oftmals voller Stolz, Staunen und Hochachtung die eigenen Sprösslinge bewundernd. Gerade einmal vier Jahre sind die kleinsten Mäuse, die da auf der Mattenfläche aufmerksam den Anweisungen ihrer Trainerin folgen. "Auch meine eigenen Kinder haben mit vier angefangen, wenig später ihre ganze Kita-Gruppe nachgezogen", erzählt Ishlar Smolny. Anstrengend sei das für sie zu Anfang zwar, aber nach ein bis anderthalb Jahren können sich schon die dann Sechsjährigen wunderbar konzentrieren, hat sie zu ihrer eigenen Überraschung festgestellt.

Die Farben der Gürtel

Wer neu anfängt, trägt zunächst den weißen Gürtel. Gelb und Grün sind die nächsten Stufen oder Grade, die zu erreichen sind, insgesamt zwölf Prüfungen hat Ishlar Smolny an jenem Tag noch zum finalen Teil des Festes abnehmen können. "Alle sehr gut", wie sie bilanziert, und nunmehr auch zwei Grüngurte bei den Jugendlichen darunter, also die wiederum höhere Stufe. Und da ist es wieder, das anfängliche Thema Anreize. Damit es davon genügend gibt, hat sie sich speziell einfallen lassen, auch noch Streifen zusätzlich einzuführen. Die Träger des grünen Gürtels haben damit also schon im Laufe der Zeit neun Prüfungen abgelegt, um so weit zu kommen.

Nicht alle, die anfangen, bleiben dauerhaft dabei. Im Einzelfall scheitert es an praktischen Aspekten wie dem regelmäßigen Chauffeurdienst der Eltern zur Trainingsstätte. Doch die Kinder seien in jedem Fall mit großen Elan bei der Sache. Die Jugendlichen ab einem bestimmten Alter zu halten, sei dann schon etwas schwieriger. Dennoch gibt es einige, die dann auch zu den Erwachsenen wechseln, wo es bei den Kyus (Grade/Kategorien) bis zum schwarzen Gürtel "mit vielen, vielen Prüfungen" geht. Was beim Aikidofest in Wriezen ebenfalls deutlich zu sehen war: Die "Großen" haben zum Teil zusätzlich die schwarzen Rockhosen, die ebenfalls Zeichen für einen Fortgeschrittenenstatus sind.

Ishlar Smolny hat dereinst ihre Aikidokünste selbst in Japan erlernt, unterhält diverse Kontakte auf nationaler wie Internationaler Ebene – bis nach Paris, die japanische Hauptstadt Tokio oder zwei Dojos (Klubs/Gruppen) im westaustralischen Townsend. Manchmal kommt einer der Meister von dort nach Berlin zum Gast-Training. Mittlerweile gibt es auch einige ihrer Schüler, die Ishlar Smolny dann zu solchen Gelegenheiten begleiten.

Dankbar ist die Trainerin, dass Karsten Reichel, Vater eines Aikidoka und selbst im Karateverein, die Nutzung der Wriezener Halle vermittelt hat. Dort waren zum Auftakt beispielsweise Schwertkampf-Übungen zu bewundern, später gab es die "rotierende Blume", erst als Trio, dann je zwei solcher Teams als Sechsergruppe kombiniert. Oder die Seitenwechsel als Tiere – hüpfende Frösche, Löwen oder, ein Bein erhoben, verletzte Tiger.

Defensive moderne Kampfkunst aus Japan

Hinter Aikido verbirgt sich eine moderne japanische Kampfsportart, die betont defensiv, also rein auf Selbstverteidigung, ausgerichtet ist. Aikido vereint in sich Elemente aus verschiedenen Budo-Disziplinen, die engste Verwandtschaft gibt es zu einer Form des Jujutsu.

Die eigenständige Bezeichnung Aikido tauchte erstmals in den 1940er-Jahren auf. Das Wort setzt sich aus den japanischen Schriftzeichen Ai ("Harmonie"), Ki ("Lebensenergie") und Dō ("Lebensweg") zusammen. Als Begründer gilt Ueshiba Morihei, Student verschiedener Schwert-, Lanzen- und waffenloser Kampfkünste bei namhaften Meistern. Von seinem Dojo in Tokio verbreitete sich Aikido in alle Welt.

Nach Europa kam Aikido rund ein Jahrzehnt später. Erste Vorführungen und Trainingsstätten gab es in Frankreich, von wo es sich weiter ausbreitete. In Deutschland kam Aikido um etwa 1960 an.⇥bg

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