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Neujahrsempfang
Wachstum des Doppeldorfs birgt Konflikte

Besonders geehrt beim Neujahrsempfang der Gemeinde Petershagen-Eggersdorf: v. l. Margrit Seeger, Monika Bischof, Andreas-Norbert Schuchardt, Bärbele Buchmann und Rita Schmidt
Besonders geehrt beim Neujahrsempfang der Gemeinde Petershagen-Eggersdorf: v. l. Margrit Seeger, Monika Bischof, Andreas-Norbert Schuchardt, Bärbele Buchmann und Rita Schmidt © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 13.01.2020, 07:00 Uhr
Petershagen-Eggersdorf (MOZ) Er werde diesmal nicht so viel versprechen wie vor Jahresfrist, kündigte Doppeldorf-Bürgermeister Marco Rutter den rund 250 Gästen des Neujahrsempfangs am Freitagabend in der Giebelseehalle an. Denn in der Rückschau auf seine Premiere in dieser Funktion habe sich gezeigt, dass nicht alles umgesetzt werden konnte, was er sich erhofft habe. "Manche Dinge dauern halt länger", so seine Erkenntnis. Und würden angesichts der Auftragslage in der Bauwirtschaft auch teurer.

Sporthalle, Kita, Straßen

"Ein bisschen was" habe man dennoch hinbekommen, erinnerte Rutter an Grundsteinlegung und Richtfest für die neue Schulsporthalle in Petershagen oder die Kita in der Rückertstraße, den Anbau für die Jugendfeuerwehr in Petershagen oder die neuen Bibliotheksräume in Eggersdorf. Acht Anliegerstraßen wurden gebaut, zwölf mit neuer Straßenbeleuchtung  versehen, der Bahnübergang Lindenstraße begonnen und die Ortsdurchfahrt der Altlandsberger Chaussee, wenngleich dies keine Gemeindebaustellen seien, wie er anmerkte. Weiter führte er Veranstaltungen wie historisches Dorffest oder Angerfest an, Seniorenwoche, Ausbildungsmesse und vieles mehr, zumeist durch ehrenamtliche Arbeit ermöglicht oder unterstützt, durch Gemeinschaften wie Bauernvolk, Kinderhilfeverein, ECC, die Sportler von Blau-Weiß und viele andere, richtete er schon einmal einen pauschalen Dank an alle, die sich für den Ort engagieren. Stellvertretend für diese unermüdlichen  Helfer wurden in diesem Jahr Monika Bischoff, Bärbele Buchmann, Margrit Seeger, Rita Schmidt und Andreas-Norbert Schuchardt besonders geehrt. Die frühere Vorsitzende der Gemeindevertretung Rita Schmidt richtete danach einen "Appell für das nächste Jahrzehnt" an ihre Nachfolger, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Nur so ist etwas zu erreichen. Ich habe das versucht."

Was die Zukunft angeht, erwartet Rutter zunehmende Konflikte durch das Wachstum. "Es wird enger im Ort", prognostizierte er und warb dafür, den "Charme" des Doppeldorfs zu erhalten und die Aufgaben konstruktiv anzugehen. Mittlerweile gebe es erste Überlegungen für eine Schul-erweiterung in Eggersdorf, man müsse aber mit der Infrastruktur allen Generationen gerecht werden. Und man könne nicht für jede Interessengruppe etwas Eigenes bauen, sondern multifunktional.

Die Gemeinde sollte den Auto-Individualverkehr zurückdrängen, dafür mehr Attraktivität für Rad und öffentlichen Nahverkehr schaffen, verdeutlichte er mit einem ersten Entwurf für einen "Mobilitätsknoten" am S-Bahnhof Petershagen. Zudem gebe es höheren Bedarf an Dienst- und Gesundheitsleistungen, und bei alledem sollte man auf Grünerhalt Wert legen. "Es wird nicht ganz leicht, den Ausgleich zu finden", erwartet der Bürgermeister und sprach seinen Verwaltungsmitarbeitern einen Dank aus, was mit Beifall quittiert wurde. Noch immer gebe es aber auch Dinge, die seit Jahren einer Lösung harrten. Nach Kinderbauernhof und Post könnte dies vielleicht 2020 das Haus Bötzsee sein, spekulierte er.

Er sei ganz zufrieden mit der neuen Gemeindevertretung, konterte Rutter eine Anspielung von deren Vorsitzendem Burkhard Herzog, der Rutters Vorjahreswunsch nach einem starken Gremium erfüllt sah. Es gebe in der Kommunalpolitik eigene Vorstellungen und vielleicht mehr Widerspruch, als dem Bürgermeister vorschwebte, hatte Herzog vermutet. Die Wahlbeteiligung von 63 Prozent bei der Kommunalwahl habe gezeigt, dass die Bürger Einfluss auf die Entscheidungen nehmen wollen, wertete er. Und angesichts von 13 Prozent für die AfD sprach sich Herzog klar dafür aus, braunen Strömungen keinen Zentimeter Boden zu gewähren, allerdings mit den normalen Nachbarn im Gespräch zu bleiben. Zugleich warb er dafür, als Dorf einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, auch wenn der im globalen Maßstab vielleicht nicht messbar sei. Denn die Klimaveränderungen seien auch in der Gemeinde spürbar.

Er erinnerte an die 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, die einen Entwicklungsschub für den Ort gebracht hätten, und zeigte sich optimistisch, dass dies in den 2020ern abermals gelingen könnte. Er hoffe, dass die Infrastruktur mit dem Bedarf der wachsenden Bevölkerung Schritt halte und alles gelingen möge, schloss Herzog. Mit dem Bürgermeister und allen Gästen erhob er das Glas auf eine gute Zukunft.

Sternsinger sammeln

Zu Beginn waren die Sternsinger der katholischen Gemeinde St. Hubertus in die Giebelseehalle gezogen. Sie stellten musikalisch ihr Anliegen dar  – Sammeln für benachteiligte Kinder in aller Welt, diesmal speziell im Libanon. Wie Diakon David Hilus mitteilte, hätten die 42 beteiligten Kinder an vier Tagen Anfang Januar bereits mehr als 5000 Euro zusammengetragen. In der Halle kam weiteres Geld hinzu. In einigen Körben fanden sich etliche Scheine.

Für eine gute musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte Leona Heine, die Rutter für die nächste Auflage wieder buchen will.

Hintergründe zu den Ehrungen

Monika BischoffSeit Gründung des Seniorenclubs Petershagen 1991 dabei, zunächst stellvertretende Vorsitzende, seit 2015 als Vorsitzende des Vereins. Sie aktiviert zur Betreuung von Kranken und zu Besuchen bei Geburtstagskindern und Jubilaren und sorgt so dafür, dass ältere Menschen nicht vereinsamen, organisiert Veranstaltungen an jedem zweiten Dienstag im Monat und jährliche Höhepunkte wie Fasching, Sommerfest, Weihnachtsfeier, Ausflüge und Exkursionen.

Bärbele BuchmannSie hat die Historie von Petershagen-Eggersdorf akribisch erkundet und ist für ihr detailliertes Wissen in heimatkundlichen Fragen über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Das Mitglied des Vereins für Heimatkunde wirkte an zahlreichen Veröffentlichungen mit, erstellte eine detaillierte Chronik, hielt lebendige Vorträge, lud zu Führungen und Spaziergängen, gestaltete Informationstafeln an Denkmälern und Sehenswürdigkeiten mit.

Margrit SeegerSie ist engagiert im Verein "Bürger helfen Bürgern", der bedürftigen Menschen Hilfe in der Lebensführung gibt, Vereinsamung – speziell im Seniorenalter – entgegenwirkt. Sie vertritt das Anliegen in der Öffentlichkeit und gehört zu den Impulsgebern, organisiert die monatlichen Treffen, Vorträge, Ausflüge, bereitet Feste mit vor und ist im Vorstand tätig als Vizevorsitzende, zuvor als Schriftführerin.

Rita SchmidtSie mischt sich aktiv in gesellschaftliche Prozesse ein, als Mitglied der SPD in verschiedenen Funktionen in der Gemeinde und im Ortsverein. Zehn Jahre war sie Vorsitzende der Gemeindevertretung (bis Mai 2019). Gelegentlich streng, mit hohem Maß an Unabhängigkeit habe sie unterschiedlichste politische Meinungen zur Übereinkunft und damit den Ort vorangebracht. Sie setzte sich unermüdlich für die Belange der Menschen ein: mit Fleiß und Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit und Hingabe, akribisch und bis in die Nächte. Herzog bezeichnete sie als "Verkörperung der guten alten SPD aus den 1970er-Jahren".

Andreas-Norbert SchuchardtEr drängt nicht in den Vordergrund, ist aber  immer zur Stelle, wo Hilfe gebraucht wird. Seit vielen Jahren bringt er Kindern der Kita Burattino als "Petterson mit seinem Findus" Geschichten von Sven Nordqvist nahe. Bei der Renovierung im evangelischen Gemeindehaus Eggersdorf für multifunktionale Nutzung auch als Standesamt war er Ansprechpartner und legte selbst Hand an. Herzensanliegen ist ihm der Kontakt in die Partnergemeinden. Reisen ins weißrussische Serebrjanka gleichen Hilfstransporten. Er besorgt und fährt hin, was in Familien, Schule, Krankenhaus gebraucht wird. Durch die langjährigen Kontakte hat sich eine Freundschaft zu einer Familie entwickelt, deren Kinder und Enkel wie eigene versorgt werden. Im Kinderhilfeverein organisiert er im Hintergrund, ist seit vielen Jahren Mitglied der Arbeitsgruppe Erinnerungskultur, bringt sich aktiv ein. Er engagiert sich für den Naturschutz, baut Nistkästen.

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