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Bildungsstandort
Ausschuss streitet um Details der Schulerweiterung in Petershagen

Thomas Berger / 15.02.2020, 14:00 Uhr
Petershagen-Eggersdorf (Freier Autor) Durchaus kontrovers ist diese Woche im Ausschuss für Bildung und soziale Infrastruktur über die Vorlage zur Festlegung von Kriterien für die funktionale Leistungsbeschreibung in der Ausschreibung zum Petershagener Schulerweiterungsbau diskutiert worden.

Zwar sind sich alle Beteiligten in dem Ziel einig, eine möglichst enge Verzahnung und Kooperation zwischen dem Schulgeschehen am Vormittag und der nachmittäglichen Hortbetreuung gerade auch in der Doppelnutzung von Räumlichkeiten zu ermöglichen.

Fragen der Formulierung

Auch der Ansatz, durch intelligente Gestaltung gewisse Segmente unter Einschluss mehrerer Räumlichkeiten bis hin zu breiteren Fluren zu schaffen, die flexibel je nach den täglichen Bedarfen bespielbar sind, ist weitgehend unstrittig. Auseinandersetzungen gab es aber um die Frage, ob dies zwangsweise als "Clusterbauweise" bezeichnet und so auch in der Funktionsbeschreibung festgehalten werden muss.

Die SPD hatte dies in einem Antrag genau so formuliert – und Ausschussmitglied Kerstin Kowalzik wollte von dieser festen Vorgabe an den künftigen Planer auch nicht abrücken. "Beruhigte Zonen schaffen", um in einer Schule mit 600 oder mehr Kindern besonders auch dem Anspruch Inklusion mit zusätzlichen Bedürfnissen angemessen nachzukommen, dazu seien Cluster (übersetzt so viel wie Bündelung, Traube, Gruppe) am besten geeignet, führte sie aus.

In diesem Anspruch und den inhaltlich-gestalterischen Vorgaben zur Raumsituation gebe es letztlich weitgehende Übereinstimmung, zeigte gleich im Anschluss Bau-Fachbereichsleiterin Carmen Schiene auf. Ganz bewusst wolle man keine strenge Aufteilung im herkömmlichen Sinne eines Schulbaus, habe bereits dezidiert im Blick, Raumbereiche zusammenzufassen und durchaus auch die Flure mit einzubeziehen, sagte sie: "Wir wollen nicht die klassische Flurschule." Gleichwohl gab sie zu bedenken, dass es aus brandschutzrechtlicher Sicht und bei anderen Aspekten bestimmte Vorgaben zur Maximalfläche einzelner Segmente gebe. "Die Bezeichnung Cluster ist in der Beschreibung aber so eng gefasst, dass das nicht ohne Folgen bliebe", gab die Fachfrau aus der Verwaltung zu bedenken. "Bei 3000 Euro pro Quad­ratmeter, die wir einplanen müssen, wären wir mit dem Mehrbedarf schnell in die Hunderttausende." Zumal die generelle Kostenschätzung inzwischen ohnehin gestiegen sei.

Auch Schulleiterin Dagmar Schröder sprach sich explizit gegen eine zu strenge Fokussierung auf den Begriff Cluster aus. Aus Sicht des Kollegiums, das sich ebenfalls tiefgreifende Gedanken zum Raumkonzept gemacht hat, strebe man ja eine "Tandemlösung" an – also die zumeist flexible Doppelnutzung von Räumlichkeiten durch Schule und Hort. Kern der Überlegungen sei, dass gerade die Abc-Schützen, die aus dem geschützten Kita-Bereich kämen und sich an gewisse Anforderungen in einem Schulbetrieb erst gewöhnen müssten, für zwei Jahre in "ihren" vertrauten Räumlichkeiten verbleiben könnten.

Dazu seien für die Erst- und Zweitklässler in dem dreigeschossigen Neubau konkret die Segmente im Erd- und ersten Obergeschoss vorgesehen. "Die Kinder bleiben damit auf einer Ebene, Horträume können auch für Differenzierung, zum Vorlesen oder anderweitig genutzt werden." Vehement wandte sie sich gegen gläserne Wände der Klassenräume, die gerade bei den Kleinsten enormes Ablenkungspotenzial böten, wenn draußen jemand sichtbar vorbeilaufe.

Auch Bürgermeister dagegen

Diese Aussagen untermauerte ebenso Bürgermeister Marco Rutter (FDP), der sich unlängst in Hohen Neuendorf eine dort auf der grünen Wiese neu gebaute "Clusterschule" angesehen hatte. In kürzester Zeit habe man dort wegen massiver Probleme von dem Konzept wieder abrücken müsse, berichtete er. So sei nicht nur der Hort nun in einem der Einzelgebäude (Cluster) konzentriert. Vor allem hätten die Lehrer alles nur Mögliche unternommen, um die Glaswände mit Möbeln zuzustellen, mit Bildern vollzuhängen oder anderweitig die Durchsichtigkeit aufzuheben.

Extra Prüfingenieur wäre nötig

Es gebe in Märkisch-Oderland keine einzige Clusterschule, hielt er Kerstin Kowalzik entgegen. Vielleicht das stärkste Gegenargument zu dem Vorschlag sieht er in den ausufernden Kosten. Der erweiterte Raumbedarf (mindestens 600 bis 650 statt 400 Quad­ratmeter) mache jeden Teilbereich baurechtlich hinsichtlich Brandschutz etc. zu einem Sonderfall. Dazu müsse bereits dem Planer jeweils noch ein Prüfingenieur zur Seite gestellt werden. Nicht nur kostenmäßig, sondern auch hinsichtlich des Zeitdrucks könne man sich das nicht leisten. Wenn man bei der Ausschreibung überhaupt einen Planer finde, der sich auf so ein Wagnis einlasse.

Bei der Empfehlung an die Gemeindevertretersitzung am Ende gab es bei nur einer Ja-Stimme zum Antrag mehrheitlich klare Ablehnung.

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