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Corona-Krise
Zwangspause im Zirkus-Winterquartier in Münchberg

Uwe Spranger / 20.03.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 20.03.2020, 13:24
Müncheberg (MOZ) Normalerweise wäre der "Circus William" inzwischen längst auf Tour durch Brandenburg.

"Das erste Engagement nach der Winterpause wäre ab 12. März in Fürstenwalde gewesen, dann wären wir nach Spremberg weitergezogen", erzählt Tanja Wille im Winterquartier im Müncheberger Marienfeld, einer weitläufigen gepflegten Anlage am Stadtrand. Seit etwa 15 Jahren verbringen die 40-Jährige und ihre zwei Dutzend Familienangehörigen im Alter zwischen elf Monaten und knapp 50 Jahren die kalten Wochen von Januar bis Ende Februar/Anfang März dort. So lange reichten die Reserven, die in den Monaten zuvor eingespielt wurden. Länger aber eben nicht.

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"Uns treffen die Veranstaltungsabsagen besonders hart", erklärt Manolito Wille, einer der namensgebenden Zirkusbrüder. Für einen Zirkus sei der Saisonstart existenziell, denn die Gastspiele sicherten die Einnahmen. "Der Verdienst aus dem ersten Gastspiel ist die Grundlage für das Reisen in die nächste Stadt, für das nächste Gastspiel, für dessen Vorbereitung mit Werbeplakaten, Eintrittskarten, Pressearbeit ... Und natürlich für den Kauf von Futter.

Die Müncheberger "William"-Truppe hat vier Antilopen, vier Zebras, vier Dromedare, vier Ziegen, 14 Ponys, 24 Kamele, 30 Pferde, acht Raubtiere und diverse Reptilien. "Die Tiere wollen trotz der Corona-Krise täglich versorgt werden und benötigen große Mengen an Futter", verdeutlicht Wille. Fast 400 Euro pro Tag würden benötigt.

Geld auf der Bank sei für einen Zirkus keine Realität, Rücklagenbildung nicht möglich, berichtet er. Überschüssige Einnahmen würden sofort investiert in den laufenden Betrieb. Das gelte nicht nur für den eigenen Familienbetrieb mit seinen 23 Personen, sondern für die meisten in der Branche. Und momentan wisse ja niemand, wie es weitergeht. "Wie wird es aussehen in einem Monat, wo die Ereignisse sich täglich, ja fast stündlich überholen und wir uns neuen Richtlinien beugen müssen?", fragt sich der Chef. Den sonst  für Gastspiele zusätzlich engagierten Artisten sei zwar bereits abgesagt, aber dennoch gebe es tägliche Kosten. Neben Futter sind bisweilen auch Tierarzt oder Huf- und Klauenschmied zu bezahlen. Zur Überbrückung hatte man schon versucht, einen Lkw zu verkaufen, aber der in diesen Zeiten angebotene Erlös war zu gering. Und wenigstens für eine Tierschau zu öffnen, um ein bisschen Geld einzuspielen, sei ja auch nicht erlaubt.

Deshalb bittet der "Circus William" die Bevölkerung um Unterstützung. "Wir bitten um Spenden jeglicher Art, damit wir die kommenden Wochen überstehen können, damit das wunderbare Kulturgut Zirkus weiterhin am Leben bleibt, um die Menschen zu erfreuen", wirbt Manolito Wille. Sein Bruder Manuel ist zum Beispiel einer von nur noch drei Raubtierlehrern in Deutschland.

Tanja Wille ist durchaus optimistisch, dass der Aufruf bei den Bürgern Gehör findet. "Wir freuen uns über alles, sind da überhaupt nicht wählerisch, ob Geld, ob Futter oder auch trockenes Brot", sagt sie. Das könnte zum Beispiel für Pferde und Ponys genutzt werden. Das Wohl der Tiere sei das A und O, versichern die Willes.

Wer helfen will, wird gebeten, zunächst telefonisch mit der Zirkusfamilie Kontakt aufzunehmen, um in Corona-Zeiten nötige Absprachen zu treffen.

Ähnliches berichtet die ebenfalls betroffene Familie Ortmann  vom Circus Samadhi in Bernau (Barnim). Für sie stand am 12. März das erste Gastspiel in Petershagen-Eggersdorf an, was der Bescheid des Verbandes deutscher Zirkusunternehmen wegen der Corona-Krise unmöglich machte. Auch dort hängen Zelt, Wohn-, und Packwagen sowie Tiertransporter am Winterstandort fest. Wie lange, vermag derzeit keiner zu sagen.

Kontakt: Tel. 0172 3946771

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