Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Corona-Hilfe
Kostenloses Liefer-Netzwerk in Neuenhagen und Hoppegarten

Verabredung am Supermarkt in der Niederheidenstraße: Ralph Lügger (SPD) hat die Neuenhagener Initiative ins Leben gerufen. Freiwillige Helfer wie er und Diana Deege ersparen Einwohnern mit erhöhtem Risiko notwendige Wege in die Öffentlichkeit.
Verabredung am Supermarkt in der Niederheidenstraße: Ralph Lügger (SPD) hat die Neuenhagener Initiative ins Leben gerufen. Freiwillige Helfer wie er und Diana Deege ersparen Einwohnern mit erhöhtem Risiko notwendige Wege in die Öffentlichkeit. © Foto: Jana Reimann-Grohs/MOZ
Jana Reimann-Grohs / 25.03.2020, 20:30 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 08:28
Neuenhagen/Hoppegarten (MOZ) Schnell und unkompliziert zur Seite stehen, wenn es Älteren unter Corona-verseuchter Atmosphäre nicht möglich ist, das Haus zu verlassen, weil sie um ihr Leben fürchten müssen – oder ihnen nach einer Ansteckung mit Erledigungen aushelfen.

Das wollen derzeit viele Angehörige und Nachbarn aus den Gemeinden Neuenhagen und Hoppegarten am Rande Berlins.

Aber auch Jüngere, die sich zu Hause in Quarantäne befinden oder einer Risikogruppe angehören, brauchen Unterstützung bei alltäglichen Dingen wie Einkäufen, Post- oder Apothekengängen.

Bei Quarantäne Kontakte gering halten

Ralph Lügger (SPD) hat sofort reagiert, als die ersten Warnungen und Einschränkungen zur Pandemie kamen. Menschen ab einem Alter von 60 Jahren mit Vorerkrankungen der Lunge und des Immunsystems zählen zu den besonders gefährdeten Personen, schrieb er schon vergangene Woche in seinem Aufruf zur Initiative "Neuenhagen kauft ein". Um den Kontakt zu anderen gering zu halten, will er mit einer Gruppe Neuenhagener Bürger Wege in die Öffentlichkeit abnehmen Bei Besorgungen könnten sie sich mit dem Coronavirus infizieren, warnt Lügger.

Seither sind 2500 Handzettel verteilt, wurden Stoff-Mundschutze mit waschbarem Innenfutter genäht und Plakate an Supermärkten angebracht, um für den Bringeservice zu werben. "Das Echo war grandios", sagt Lügger. Es sei eine Flut an Anfragen und Angeboten hilfsbereiter Einwohner gekommen. Erst startete die Neuenhagner Gruppe bei Facebook, jetzt sind 22 Interessenten in einer Whatsapp-Gruppe zusammengefasst, um den Überblick zu wahren. Es gehe nicht um Privates, sondern nur, wer sich wie einbringen kann – und wenn es nur das Ausdrucken neuer Flyer ist. Sein Engagement sei nicht politisch motiviert, betont der Kommunalpolitiker. Er hatte sich zuerst Gedanken um seine 82-jährige Mutter gemacht und dann auch um die vielen Älteren im Ort, die niemanden haben, der für sie einkaufen geht.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

Ein Abholservice mit dem Rewe-Team in der Niederheidenstraße ließ sich unkompliziert vereinbaren. Die Supermarkt-Bestellung nimmt Lügger telefonisch oder per E-Mail von Bedürftigen entgegen und macht diese im Internet. Der Einkauf kommt direkt ins Haus – bis an die Wohnungstür werden die vollen Tragetaschen mit Lebensmitteln und Haushaltswaren geliefert. Solange es nur ein paar Einkäufe pro Tag sind, bei denen Rewe-Mitarbeiter Waren einholen und im Abholservice hinterlegen, liefern Lügger und sein Team mit Handschuhen frei Haus. "Sollte es mehr werden, gehen wir selbst einkaufen", sagt der 52-Jährige.

Diana Deege ist eine von vielen freiwilligen Helfern in Neuenhagen und transportiert mit ihrem Auto "so oft wie nötig" kostenlos Einkäufe. Die 49-Jährige quälte vor allem der Gedanke, was mit den Alten geschehe, die bislang auf sich allein gestellt waren, wenn das Risiko steigt, sich draußen anzustecken.

Ortswechsel: Bürgerinitiativen wie "Hoppegarten aktiv" helfen neben Nachbarn schon im kleinen Kreis in der Rennbahngemeinde aus. Das Mehrgenerationenhaus möchte ebenso bereitstehen. Ein Netzwerk soll unkompliziert und schnell Besorgungen des täglichen Bedarfs übernehmen. Das Angebot richte sich zuerst an Pandemie-Eingeschränkte – wer aber nicht direkt betroffen sei, könne sich auch an die Initiative "Wir sind für dich da" wenden, bietet Pierre Karohs, Leiter des Familienzentrums, an. "Wir sind gerade dabei, alle Angebote mit der Gemeinde abzustimmen und zu bündeln."

Zwölf Freiwillige gehen zur Apotheke, zur Post oder Einkaufen

Momentan stehen dem Helfernetzwerk "Wir sind für dich da" zwölf Freiwillige zur Verfügung. Bis jetzt habe es relativ wenig Anfragen gegeben, sagt Karohs. Das soll sich demnächst ändern. Auf der Homepage des Hauses und auf Facebook gibt es bereits Aufrufe, das Angebot über Telefon und E-Mail in Anspruch zu nehmen oder sich für einen Einsatz als Helfer bei Einkäufen, Besorgungen oder kleineren Erledigungen wie Post- oder Apothekengängen zu melden. Die Organisatoren stellen sich sogar auf langfristig angelegte Unterstützungsleistungen ein, wie Karohs erläutert: "Wir versuchen, dauerhaft Bezugspersonen mit Bedürftigen zusammenzubringen, um die Kontaktmöglichkeiten so weit wie möglich einzuschränken."

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Coronablog.

 

Interesse am Mitwirken bei Netzwerk Hoppegarten "Wir sind für dich da"? E-Mail an  mgh-hoppegarten@stiftung-spi.de oder Tel. 03342 212556 (Mo. bis Fr. 10-16 Uhr). Im Idealfall verfügen Helfer über einen Pkw, ein Lastenfahrrad oder Fahrrad mit Korb, um Einkäufe zu transportieren. Bedürftige nutzen die gleiche E-Mailadresse und Telefonnummer.

Neuenhagenern, die einer Risikogruppe angehören, unter Quarantäne stehen oder sich vor einer Ansteckung fürchten, werden über die Hotline 0176 15143562 oder E-Mail: neuenhagen-kauft-ein@web.de die Wege zum Einkaufen oder zur Apotheke abgenommen. Freiwillige Helfer wenden sich ebenfalls an diese Telefonnummer und E-Mail-Adresse.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG