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Handball
Der Altlandsberger Wolfgang Zielke kann es kaum abwarten

Edgar Nemschok / 05.05.2020, 05:30 Uhr
Altlandsberg (MOZ) Bevor Wolfgang Zielke seinen Platz in der Altlandsberger Erlengrund-Halle nicht eingenommen hat, beginnt auch kein Handball-Spiel der MTV-Männer, heißt es. Es ertönt die Einlaufmusik und Zielke – er gehört zu denen, ohne die es diesen traditionsreichen Verein kaum geben würde – gibt jedem der Spieler die besten Wünsche mit auf den Weg. Der 82-Jährige ist seit vielen Jahren Betreuer der Oberliga-Handballer.

Im Moment sitzt auch Zielke zu Hause wie auf Kohlen und blättert gelegentlich in seinen Erinnerungen. "Ich habe zwar meinen Garten, aber ... Manchmal war mir das ganze Drumherum in der Erlengrund-Halle oder bei den Auswärtsspielen zu viel. Aber ohne den Sport geht es gar nicht", sagt Zielke, der getrost als eine Ikone des MTV Altlandsberg bezeichnet werden darf. "Ich glaube, meine Frau Annemarie, die immer Verständnis für mich und meinen Sport hatte, leidet da ein bisschen unter meiner derzeitigen Ungeduld."

Zielke hat schon so viel erlebt und könnte Bücher über den Altlandsberger Handball aus füllen. Und er ist auch heute aus dem Kreis der Oberliga-Mannschaft nicht wegzudenken. Wie das aussieht, erklärt Kapitän Dominic Witkowski: "Wolfgang kam auf uns zu und teilte uns mit, dass er, wenn wir einen Nachfolger für ihn finden, aufhören würde. Ich weiß ja, wie gern und gut er diesen Job macht und wie wichtig es für ihn ist. Wolfgang ist immer noch ganz nah dabei und hat so manchen Tipp parat. Also habe ich ihn kurz informiert, dass wir niemanden finden  und wir auch keinen anderen wollen." Mit einem Augenzwinkern fügt Witkowski hinzu: "Ernsthaft haben wir es nicht versucht. Ich glaube, unser Wolfgang akzeptiert das."

Wolfgang Zielke kommt aus einer Handballerfamilie. Seine Mutter Margarete Seefeld gehörte zur Handball-Frauen-Mannschaft, die Ende der 1920-er Jahre in Altlandsberg spielte. Sie lernte ihren Mann Walter Zielke kennen, der bereits als Torsteher in der Jugend spielte und später in der Männermannschaft bekannt war. Aus dieser Sportler-Ehe gingen die Brüder Peter, Manfred und eben Wolfgang hervor.

Wolfgang Zielke ist, auch wenn er heute in Eggersdorf lebt, ein Ur-Altlandsberger. Er wurde am 25. Dezember 1937 in Altlandsberg geboren und ist dort auch zur Schule gegangen. Seit dem 1. Juni 1952 ist er Mitglied des Vereins, der damals noch den Namen BSG Traktor trug. Zielke ist derzeit das älteste Mitglied des MTV und hat im Verein schon so ziemlich alles gemacht. Er war Spieler, Trainer und übernahm Leitungsfunktionen. Seit 1995 ist er als Betreuer mit der Männermannschaft, die in der Oberliga Ostsee-Spree spielt, unterwegs. Von 1960 bis 1975 fungierte er sogar als Spieler und Trainer in der ersten Männermannschaft. Für all das wurde ihm die MTV-Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Mit 54 war Schluss

Mit 54 Jahren hörte er endgültig auf. "Ich war weder verletzt noch krank, doch mal musste ja schließlich Schluss sein." Und er gibt zu: "Ich war sicherlich nicht mehr der Beste, aber ich war der Siebte". Es war eine Zeit, als es um den Handball in Altlandsberg nicht ganz so gut bestellt war. Es gab kaum Spieler und Mannschaften. Selbst an sein allerletztes Spiel, er war damals immerhin 73 Jahre, kann er sich noch gut erinnern. Zielke absolvierte eine Partie in einer Traditionsmannschaft. Das Spiel wurde im Jahr 2010 anlässlich des 150. Vereinsjubiläums ausgetragen.

Zielke gehörte zu den Handballern, die sowohl auf dem Großfeld als auch in der Halle gespielt haben. "Ich habe immer lieber auf dem Großfeld gespielt. Man hatte Platz, konnte mehr laufen und damals wurde auch mehr Handball kombiniert. Es gab längst nicht so viele Zweikämpfe. Der größte Unterschied zu heute: Handball ist zum Teil sehr brutal geworden. In einigen Szenen lässt sich der Sport fast schon mit Ringen vergleichen." Zielke war als Aufbauspieler und am Kreis erfolgreich. Auf dem Großfeld spielte er als sogenannter Mittelstürmer. Was ihn immer kennzeichnete, war sein unbändiger Wille. "Eine ernste Verletzung hatte ich zum Glück nie", erinnert er sich.

"Und wenn", wirft sein Freund Klaus Krüger mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein, "hättest du trotzdem gespielt." Zielke und Krüger, der ebenfalls zu den Ikonen des Altlandsberger Handballs gehört, verbindet eine tiefe Freundschaft "Wir kennen uns schon seit 1945 und haben 1948/49 gemeinsam mit dem Handball angefangen", sagt Krüger.

Gemeinsam mit seinem Bruder Manfred wurde Wolfgang Zielke zweimal Bezirksmeister und zweifacher DDR-Vizemeister. Damals spielte er noch bei den A-Junioren. Mit der Männermannschaft wurde er ebenfalls  Bezirksmeister und des Öfteren in eine Bezirksauswahl berufen. Und auch Länderspiele gehören in seine sportliche Karriere. So spielte er gegen Frankreich und Brasilien mit auf.

Doch das sind eben schöne Erinnerungen, die aktuelle Erlebnisse nicht ersetzen können. "Ich würde mich riesig freuen, wenn es bald wieder losgehen kann. Handball ist für mich immer noch die schönste Nebensache der Welt."

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