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Corona und Ernährung
Begehrtes Grünzeug aus Blumberg und Neuenhagen

Jana Reimann-Grohs / 19.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 19.05.2020, 07:02
Neuenhagen/Blumberg/Strausberg (MOZ) Das Anbauen seines eigenen Gemüses geht schon auf den Rücken, besonders seine Bandscheibe, bestätigt Rainer Rusch aus Blumberg. Doch der Wechsel vom Pflanzen oder Ernten zum Unkraut jäten macht’s möglich.

"Ich liebe es, in der Natur zu sein", sagt der gelernte Gärtner mit Spezialisierung auf Zierpflanzenproduktion. Sein Vater Erich und der Großvater hatten auf dem Grundstück mit 2,5 Hektar Land schon früher eine Gärtnerei in Betrieb. Teile davon bewirtschaftete zu DDR-Zeiten die LPG. Heute fährt der 82-jährige Erich Rusch noch immer mit dem Traktor und mäht Rasen, um seinem Sohn Rainer zur Hand zu gehen.

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Gemüse aus der Region

Vor fünf Jahren hatte dieser in der Gemeinde Ahrensfelde wieder als Gemüsebauer angefangen. Bis dahin war er an verschiedenen Orten als Garten- und Landschaftsbauer im Einsatz und verkaufte seine Ernte nur nebenbei. Mittlerweile hat Rusch aber so gut zu tun, dass er keine Werbung mehr nötig hat. Ein Berliner Restaurant und Weinrestaurant in Woltersdorf gehören zu seinen treuesten Abnehmern. "Ich habe auch Kunden, die zu mir zum Unkraut jäten kommen und sich dafür Gemüse mitnehmen." Trotzdem bleibt es eine Beschäftigung, die eher ideeller Natur ist: "Zum Geldverdienen gehe ich im Herbst Bäume und Hecken schneiden."

Rainer Rusch wollte schon immer Gärtner werden, erzählt er. Die einzigen Alternativen wären Förster, Imker oder Fischer gewesen. Für die Wildbienen hat der Öko-Bauer dieses Jahr extra Sonnenblumen gesät, an seinem Teich lässt er Yogakurse ihre Übungen machen (im Anschluss daran gibt es einen Rundgang durch den Garten). Wenn Rusch mal einen Ausgleich zu seinem Zwölf-Stunden-Job braucht – so etwas wie Urlaub macht er gewöhnlich nicht, beobachtet er gern Tiere oder geht angeln.

Rusch baut neben Süßkirschen, Pfirsichen und Äpfeln jedes Jahr verschiedene Sorten Gemüse an: darunter Zucchini, Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, und Pak Choi (chinesischer Senfkohl). Die ersten herangezogenen Pflänzchen aus dem Gewächshaus wurden vor sechs Wochen ausgesetzt, Zwiebeln hatte er schon im Feb­ruar gesteckt. Doch bei sechs Wochen Trockenheit sei nichts gut gewachsen, klagt er. Vor 14 Tagen schon sollten die Salatköpfe geerntet werden, jetzt sei er erst gerade groß genug dafür. Inzwischen steht der Rhabarber über 60 Meter hinweg ziemlich hoch, erste Kräuter sind erntereif.

"Kathys Bioladen" in Schöneiche

Das frische Gemüse lockt auch Bioladenbesitzerin Kathy Wolf aus Schöneiche an. Bei Rainer Rusch holt sie sich auf kurzem Weg einen Teil ihrer frischen Produkte ab. Wolf betreibt ihr 2018 gegründetes Geschäft seit August 2019 in Neuenhagen und war auf der Suche nach einem Zulieferer aus der Region. Zuvor hatte sie "Kathys Bioladen" in Schöneiche eröffnet. Nach einem Standortwechsel fing Wolf noch einmal "bei null" an. In Neuenhagen gäbe es aber in Bahnhofsnähe mehr Laufkundschaft, erzählt die 51-Jährige. Aus Hoppegarten und Hönow kämen auch viele, die ihr Geschäft neu entdeckt haben, weil ihnen dort ein entsprechendes Angebot fehlt.

Im März und April hatte Wolf erst aushilfsweise Warenbestellungen aufgenommen und noch am gleichen Tag ausgeliefert. Anfang April ging dann ihr Webshop online, wo es alles außer Obst, Gemüse und Molkereiprodukte zu kaufen gibt. Nun kommen die Kunden wieder persönlich vorbei: S

teffi Seiler kauft auch woanders gern, doch sie schwört auf den Geschmack des Bio-Brotes aus Kathy Wolfs Laden – es bleibe bis zum letzten Tag frisch. Bestimmte Naturkosmetik oder Teesorten gäbe es woanders ebenso nicht. "Meine Eier kaufe ich immer nur hier", sagt Margot Fidelak, die seit 40 Jahren in Neuenhagen wohnt. Je reifer sie werde, umso bewusster gehe sie auch einkaufen, versichert die 71-Jährige. Sie wolle wissen, woher die Ware kommt. Bislang stammen die Bio-Eier aus Mecklenburg-Vorpommern. Wolf sucht aber noch Zulieferer aus Brandenburg. Ihr Fleisch bezieht sie aus einer privaten Rinderzucht.

Bewusste Entscheidung

Das Gesundheitsbewusstsein hat sich mit der Corona-Krise gewandelt – die Leute sind aufmerksamer und verlangten ökologisch kontrollierte Produkte (beispielsweise zur Entgiftung), berichtet Wolf. Seit April erlebe sie im Laden mehr Leute, die auf Bio-Produkte umsteigen und sich bewusst für eine Ernährung mit weniger Fleisch (dafür qualitativ hochwertiger) entscheiden. Ihre eigene Einstellung habe sich auch erst vor zehn Jahren komplett gewandelt, seitdem stehe ihre Gesundheit im Vordergrund. Als ausgebildete Ernährungsberaterin und gelernte Kauffrau kann sie sich vorstellen, bald auch Vorträge und Kurse anzubieten.

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Renate Mäbert (81) aus Strausberg: "Die Wahl von Bio-Produkten ist mir persönlich beim Einkaufen sehr wichtig. Nicht nur hier beim Biomarkt, den ich besuche, sondern auch in allen anderen Läden versuche ich, nach Möglichkeit auf Bio-Ware zurückzugreifen. Ich entscheide mich sehr bewusst dafür. "

Carola Grunow, Inhaberin des Altstadtbistros in Strausberg: "Auch uns hier im Laden ist es sehr wichtig, den Gästen Bio-Ware anzubieten. Danach fragen diese auch sowieso oft, weswegen meine halbe Speisekarte aus Bio-Speisen besteht. Logischerweise ist es mir dann persönlich auch sehr wichtig."

Michael Berz(52) aus Berlin: "Wir kaufen in unserer Familie möglichst viel Bio. Doch man muss aufpassen, Bio ist nicht immer gleich Bio. Vor allem bei Eiern muss man sich gut informieren. Natürlich ist es in der Summe auch eine Preisfrage, aber wir wollen zu Hause ein möglichst gesundes Essen."⇥Fotos (3) und Text: Oliver Jastram

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