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Kehrtwende der Verwaltung
Fredersdorfer Anliegern fehlt Transparenz beim Straßenbau

Dirk Schaal / 30.06.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 30.06.2020, 09:57
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Nach viel geäußertem Unmut der Anlieger werden für drei Fredersdorfer Straßenbauquartiere die Beschlussvorschläge zurückgezogen und Infoveranstaltungen im August organisiert.  

Ein Aufatmen ist bei den etwa 50 Anwohnern der drei Straßenbauquartiere in Fredersdorf-Nord und -Süd zu hören, als Bürgermeister Thomas Krieger während der Sitzung der Gemeindevertretung seine Beschlussvorlagen bezüglich der Erschließung und des Ausbaus zurückzieht. Teils sehr emotional haben sich Anwohner gegen die Erschließung während der Einwohnerfragestunde Luft gemacht. Aber auch eine Stimme wird laut, die sich dafür ausgesprochen hat. Der größte Kritikpunkt ist, dass die Anwohner nicht in die Planung mit einbezogen wurden. Wegen der Corona-Krise hatte die Verwaltung Informationsveranstaltungen abgesagt.

Im Vorfeld hat der Ortsentwicklungs-, Bau- und Umweltausschuss nach langer Diskussion die Empfehlung gegeben, einen Beschluss erst zu fassen, wenn die Einwohnerversammlungen stattgefunden haben. Danach solle man den Willen der Anwohner abwägen und so zu einer Entscheidung kommen, was in welcher Variante gebaut wird. "Ich habe mich schon gewundert, dass diese Empfehlung überhaupt keine Beachtung gefunden hat", sagt Regine Schuhr, die als sachkundige Einwohnerin dazu angeregt hat. Selbst hat sie jahrelang die  Strausberger Tiefbauabteilung geleitet. "Wenn der Fachausschuss diesen Hinweis gibt, dann ist eine Verwaltung gut beraten, diesen auch aufzunehmen", fügt sie hinzu. Auch könnten die nicht ausgebauten Fahrbahnen hilfreich bei der Entwässerung des Gebietes sein. Ihrer Meinung nach soll geprüft werden, ob die so nicht versiegelte Fläche sogar eine Problemlösung darstellen könne.

Selbst ist Regine Schuhr nicht betroffen von den Ausbau- und Erschließungsplänen, kennt aber aus ihrer beruflichen Tätigkeit die Nöte der Anwohner. Zum einen sind es die finanziellen Auswirkungen, dazu kommen Bedenken, ob die ausgebaute Straße zur Rennpiste werden könnte. Letzteres befürchten Sibylle und Bernhard Schütze. Sie haben ein Eckgrundstück an der Feuerbachstraße, die zwischen Knaus- und Zillestraße erschlossen werden soll. "Es fahren doch jetzt schon genug Lkw hier lang zum Gewerbegebiet. Und wenn die Straße dann ausgebaut ist, wird der Verkehr noch zunehmen", befürchtet Bernhard Schütze. Beide sind vom Fach, haben jahrelang in Bauverwaltungen gearbeitet, und kritisieren auch die Ausbauplanung. "Neun Meter wird mit Schotterstreifen und Grünfläche gebaut. Dafür muss extra Land aus Altlandsberg angekauft werden. Für eine Anliegerstraße halte ich das völlig überdimensioniert, die Kosten tragen wir", gibt Sibylle Schütze zu bedenken.

Jens Küpper aus der Ringstraße hat generell nichts gegen den Straßenbau. "Es staubt mächtig und bei Regen ist es matschig. Trotzdem sind mir die Pläne nicht transparent genug. Welche Berechnung erfolgt für den Straßenbau, was gehört zur Entwässerung und zur Beleuchtung?" Auch sind Aussagen seiner Meinung nach nicht schlüssig. Selbst in Auftrag gegebene Gutachten vor Baubeginn spiegeln nicht unbedingt die Ergebnisse der jetzigen Untersuchungen wider.

Er möchte Fragen können, Antworten haben und sich ein Bild machen können. "Ich hoffe, dass die Anliegerversammlungen Licht in das Dunkel bringen können und nicht nur dazu dienen, den Prozess zu verschleppen."

Versammlungen im August

Im August plant die Verwaltung jetzt die Durchführung der Anliegerversammlungen. Derzeit werden Räumlichkeiten gesucht, die der Anzahl der Betroffenen und den gegenwärtigen Corona-Auflagen gerecht werden. Auch wenn die Verwaltungsmitarbeiter im Vorfeld einige unschöne Dinge im Zuge der Diskussionen an den Kopf geworfen bekamen, freut sich  Ferchow "So können wir im direkten Gespräch auf die Ängste und Nöte eingehen und für Klarheit sorgen."

Im September sollen die Beschlussvorlagen mit der Auswertung der Anliegerversammlungen durch die zuständigen Ausschüsse gehen. Auf der Sitzung der Gemeindevertretung am 24. September wird mit dem Beschluss, in welcher Form auch immer, gerechnet.

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Tilman Marbach 30.06.2020 - 09:25:03

Jetzt Klarheit herstellen - Gemeinsam die Planungsgrundlage schaffen

Es ist erfreulich, dass der Bürgermeister flexibel genug ist um festzustellen, dass die Entscheidungsvorlage über die Erschließungsvorhaben erst dann wieder zum Beschluss vorgelegt wird, wenn sie Satzungskonform ist. Auch ist es erfreulich, dass bereits im August Anliegerversammlungen zu diesem Thema stattfinden sollen. Damit diese dann auch zielführend durchgeführt werden können, ist es aber auf jeden Fall notwendig, jetzt schon Klarheit über die Planung und die Grundlagen für diese Planung herzustellen. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, jetzt die unveröffentlichten Bodengutachten / Baugrunduntersuchungen zu veröffentlichen. Ebenfalls ist es aus meiner Sicht sehr notwendig, Aufklärung über die Rechtssicherheit des Erschließungsvorhaben zu erhalten. Gelten die betroffenen Straßen denn als "unerschlossen"; so dass nun eine Erschließung stattfinden muss? Oder handelt es sich hierbei nicht um Straßen, die schon zum 03.10.1990 bestanden und bereits erschlossen sind? Eine Zurückhaltung dieser Informationen gegenüber den betroffenen Mitbürgern lässt dann doch einige Fragen aufkommen und schafft bestimmt kein vertrauensvolles Miteinander von Verwaltung und Mitbürgern. Die Anliegerversammlungen können nur dann ein Erfolg werden, wenn gemeinsam (Verwaltung und betroffene Anwohner)die Planung erstellt wird. Erst dann ist gewährleistet, dass die Belange der betroffenen Anwohner auch tatsächlich Berücksichtigung gefunden haben.

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