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Tierschutz
Katzenstation in Rüdersdorf bekommt Leukosehaus

Uwe Spranger / 26.07.2020, 05:00 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Hochbetrieb herrscht an diesem Vormittag in der Katzenstation des Tierschutzvereins Strausberg, Rüdersdorf und Umgebung nicht. Aber trotz des Wochentages sind rund eine Hand voll ehrenamtliche Helfer da, um  die tagtäglichen Arbeiten zu erledigen. "Es sind fast immer mehr als auf dem Plan stehen", lobt Georg Kolter. Der 31-Jährige war mehrere Jahre selbst als Ehrenamtler in der Station tätig und ist seit gut vier Wochen als Tierpfleger beim Verein fest angestellt.

Der Strausberger, ursprünglich Industriemechaniker, der dann noch eine Lehre als tiermedizinischer Fachangestellter nachgeschoben hat, hat ein Faible für Katzen. Eigentlich aber für etwas Größere. Denn er verbrachte zwei längere Urlaube in einer Auffangstation für Löwen in Südafrika, in der sich Helfer aus vielen Ländern um aus Zoos oder Krisengebieten aufgenommene Tiere kümmern. "Ich wäre gern da geblieben", sagt er. Aber zwei Monate später habe er bei einem Veterinär angefangen. Nun unterstützte er zwei Wochen im Jahr eine kleine Station in der Pfalz mit Tigern, Pumas, Servals, aber auch Dachsen, Mardern, Füchsen oder Waschbären. "Da haben wir mal einen Tiger zum  CT gebracht", berichtet er. Er hoffe, dass er auch dieses Jahr dort helfen könne. "Vielleicht eine Woche – so wie es hier passt."

Die Finanzierung der Stelle sei über Mitgliedsbeiträge und Spenden gesichert, vielleicht könne man aber auch noch eine Förderung erreichen, heißt es vom Vorstand. Der ist froh über den Angestellten: Die Betreuung von derzeit rund 100 Tieren in der Station sei allein mit Ehrenamtlern nicht zu schaffen, für die optimale Versorgung sei ein Pfleger zwingend nötig, erklärt die Öffentlichkeitsverantwortliche Corinna Ritter am Telefon. Georg bringe durch seine frühere Tätigkeit beim Tierarzt viel Fachwissen und Erfahrungen mit, man kenne ihn aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit und die Chemie stimme. Er sei ruhig und deshalb auch für die Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Stephanus-Stiftung sehr gut geeignet. Von ihr betreute Menschen mit Beeinträchtigungen haben in der Station eine Aufgabe.

Sein Tag beginne mit einer Gruppensitzung, in der sich die Anwesenden über neue Tiere und Auffälliges beim Futterverhalten austauschen, erzählt Kolter. Dann würden  Aufgaben verteilt. "Quarantäne und Krankenstation machen Leute, die sich gut auskennen", erklärt er. Es werden Futter verteilt und Liegeplätze und vor allem die Katzenklos gereinigt. Es wird gefegt, gewischt, der Rasentrimmer geschwungen ...

Bei einer Mittagsrunde folgt ein erneuter Austausch. Auffälligkeiten werden auf einer Tafel notiert. Auch unter Katzen gebe es Mobbing, werden Tiere zum Beispiel am Fressen gehindert. Die kommen dann in eine andere Gruppe. Kommunikation sei wichtig, weil viele unterschiedliche Leute im Einsatz seien, nicht alle über alles Bescheid wissen könnten, erklärt Kolter. Er sei ständig da, kenne alle Tiere und Helfer, sei Ansprechpartner.

Arzt kommt nun zu den Tieren

Auch für den Tierarzt, der mittlerweile einmal wöchentlich in die Station kommt. Dafür waren beim Bau des Quarantänehauses eigens Räume eingerichtet worden. Nun werden sie dienstags nachmittags genutzt. "Da sind 20 bis 30 Tiere zu schaffen", sagt Kolter. Den Vierbeinern bleibt Stress durch Einfangen, Autofahrt, Wartezeiten und Hitze unterwegs erspart. "Es dauert jetzt vielleicht so eine Stunde, sonst waren es mehrere", berichtet er. Donnerstag und Freitag stünden bei Bedarf OPs auf dem Programm, mal Zahnbehandlungen oder Kastrationen. Letztere sollten unbedingt auch bei Tieren in Familien vorgenommen werden, mahnen die Tierschützer. So könnten wachsende Populationen eingedämmt und spätere Leiden für Tiere verhindert werden.

Leid verhindern wollen die Rüdersdorfer auch mit ihrem nächsten Projekt, einem Leukosehaus. Leukose ist eine nicht heilbare, aber stark ansteckende Krankheit, erklärt Kolter. Sie werde unter anderem durch Speichelkontakt übertragen, zum Beispiel  beim Fressen aus einem gemeinsamen Napf. Manche Tiere zeigten keine Symptome, bei anderen führe sie zum Tod. Es gebe die Empfehlung, betroffene Katzen zu separieren. In der Station wurde bereits mit einer Testreihe begonnen. Für bislang drei Tiere war das Ergebnis positiv. Sie sind zunächst in einem Extra-Raum untergebracht, sollen aber ein eigenes Häuschen erhalten, ein Bungalow mit Freifläche am hinteren Rand des Geländes mit Abstand zu den anderen Gehegen. Etwa ein Dutzend Tiere hätte darin Platz. "Sie bleiben ja vielleicht bis zu ihrem Lebensende da", verdeutlicht Kolter. Deshalb werden Spenden erbeten. Neben Geld gern auch Handwerker, zum Beispiel für das Fundament. Generell seien Helfer gern gesehen. Es warte nicht nur Arbeit, sondern auch eine schöne Gemeinschaft.

Die Vermittlung von Tieren läuft nach seinen Angaben trotz Corona-Einschränkungen ganz gut. Die Vermittlungstage am Sonnabendnachmittag seien zwar ausgesetzt, aber mit Terminvereinbarung per Telefon oder Mail werden Besuche ermöglicht. Kontakt ist auch über die neue Internetseite des Vereins möglich. Dort finden sich zudem viele weitere Informationen und Katzen, die ein neues Zuhause suchen.

www.meintierschutzverein.deSpendenkonto Verein: IBAN DE34 1705 4040 3500 4858 46 (Sparkasse MOL)

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