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"Think Camp"
Junge deutsche und polnische Künstler treffen in Manschnow aufeinander

Ingo Mikat / 31.07.2020, 20:25 Uhr
Manschnow (Freier Autor) Jugendliche, die Weidenzweige flechten und verbinden, indische Musik aus der Konserve, Bottiche voller Lehm, in einem Zelt angepinnte Skizzen von Kunstwerken, Curryduft, Gewächshäuser voll reifem Gemüse – so präsentiert sich zurzeit der Herzershof bei Manschnow. Seit Sonntag findet auf seinem Areal ein deutsch-polnisches Kunstcamp mit 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 26 Jahren statt.

An der Durchführung, gefördert durch die Europaregion Viadrina, sind der Verein "Oder gemeinsam", die polnische Gemeinde Drezdenko, der Verein "Blaue Blume" und als Gastgeber, die Genossenschaft von UnaVillage mit seinem "Think Camp" beteiligt.

Besuch vom Förderer und Kreis

Am Mittwochnachmittag besuchte der Vorsitzende des Trägervereins der Europaregion "Pro Europa Viadrina Mittlere Oder" und Beigeordnete des Landkreises Märkisch-Oderlands, Rainer Schinkel, mit dem Geschäftsführer des Vereins, Toralf Schiewitz, das Camp. Begrüßt vom Cheforganisator Alexander Groddeck informierten sie sich bei einem Rundgang über die naturphilosophischen Intentionen und umgesetzten künstlerischen Ideen. Dabei hoben sie die große Bedeutung des Kunstprojektes für die weitere deutsch-polnische Zusammenarbeit hervor. Es ist das Erste aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderte Begegnungsprojekt seit der Corona-bedingten Grenzschließung Polens Mitte März.

Die Teilnehmer beschäftigen sich unter der Überschrift: "Mitwelt gestalten. Raumskulptur "Natur-Geschicht(en) – Poesie" mit vier verbundenen Themenblöcken. Ausgangspunkt bildet, wie die künstlerischen Leiterinnen Jennifer Kunstreich, Andrea Mess, Isabel Ott und Isabella Lewandowski berichteten, Fragen zur Historie der Region und des konkreten Ortes Herzershof.

Einen breiten Raum nehmen zudem Naturbetrachtungen, Pflanzenkunde und die Wechselwirkung von Natur und Psyche ein. Die Campgestalter sehen sich der Romantik verpflichtet. In ihrem zentralen Symbol – der blauen Blume – verbinden sie Natur, Mensch und Geist, auch das stete Streben nach weiterer Naturerkenntnis und zu sich selbst.

Die Campteilnehmer beschäftigen sich darüber hinaus mit Materialkunde und handwerklich-künstlerischer Verwendungs- und Bearbeitungsmöglichkeit von Naturwerkstoffen. Schließlich analysierten sie vorhergehende Kunstprojekte und entwickelten eigene Vorhaben. Am ersten Abend hielt Sascha Groddeck mit Johannes Pfister von der Herzershofer Genossenschaft einen Einführungsvortrag zum Gelände. Im Anschluss informierte Isabel Ott zu Gestaltungsprinzipien der Kunstform Land Art. Nach weiteren Vorträgen an den folgenden Tagen zur Verbindung von Poetik und Synergetik in Theorie und Praxis sowie zur historischen Einordnung und Vorstellung des Raumes und seiner ursprünglichen Verbindung zur Romantik, verschafften sich die Teilnehmer einen Überblick über in der Umgebung vorhandene Naturmaterialien.

Altar und großes Auge

Am Mittwoch arbeiteten die polnischen Jugendlichen Kamil Kotonski (Gymnasiast) und Sebastian Gil (Tischler) mit der Künstlerin Isabel Lewandowski an einem "Altar" der Kräuterkönigin des Beifußes und Johanneskrautes. Jasper Barckhausen stampfte derweil eifrig Naturlehm, womit Marina Eichmüller und Wiktor Pahl den Brotbackofen verkleideten. Bis Samstag entstehen noch weitere Kunstwerke wie der Platz der Trauer und Besinnung unter der Trauerweide. Lucie Reutsch band zudem Weidenzweige für ein sehr großes Auge, das bald zwischen den zwei Bäumen einer alten Poststraße hängen wird und seinen Betrachtern vielfältige Aus- und Einblicke in Landschaft, Raum und ihr Inneres vermittelt.

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