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Toleranz und Religionsfreiheit mit einigen Tücken

Sabine Rakitin Foto: MOZ
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03.07.2008, 17:59 Uhr
Manchmal geht es in der Politik gar wunderlich zu. Klammheimlich hat der Bundestag das Recht der Eheschließung verändert. Und zwar grundlegend. War seit Einführung der Zivilehe vor 133 Jahren eine kirchliche Trauung bei Strafe verboten, wenn vorher nicht standesamtlich geheiratet worden war, so ist das ab dem 1. Januar kommenden Jahres anders. Fortan können Paare den Bund fürs Leben schließen, wie sie wollen: nur kirchlich, nur standesamtlich, erst kirchlich - dann standesamtlich oder umgekehrt.

Doch was als vermeintlicher Ausdruck von Toleranz und Religionsfreiheit daher kommt, birgt einige Tücken. Brautleute, die sich allein vor Gott das Ja-Wort geben, büßen alle Rechte ein, die ein standesamtlich getrautes Ehepaar hat. Sie gelten in den Augen des Staates als unverheiratet - mit allen Konsequenzen. Keine Wahl bei der Steuerklasse, kein automatisches Erbrecht, kein Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht, kein Entscheidungsrecht bei Erkrankung oder gar Tod des anderen.

Während die römisch-katholische Kirche in der Eheschließung ein Sakrament sieht, ist sie nach Martin Luther "ein weltlich Ding". Für die evangelische Kirche in Deutschland ist die kirchliche Trauung daher nur die religiöse Feier einer vorherigen (bürgerlichen) Eheschließung. Insofern dürfte die Änderung des Personenstandsgesetzes wohl mehr einen symbolischen Charakter haben. Die Zivilehe behält weiter das Primat. Die Trennung von Staat und Kirche, so wie sie unter Bismarck eingeführt wurde, bleibt. Anders aber, als im vergangenen Jahrhundert, zeigt der Staat seine Muskeln nicht mehr durch Verbote.

Etwa ein Drittel der Paare, die bislang pro Jahr in den standesamtlichen Hafen der Ehe eintraten, ließen sich anschließend auch kirchlich trauen. Für die meisten war das Ja-Wort, das sie vor den Vertretern des Staates abgaben, ein formaler Akt, um den man nicht umhin kam. Emotional aber vollzogen sie die Trauung erst, wenn sie vor den Altar traten.

Auch durch die neue Regelung wird sich daran kaum etwas ändern - höchstens die Reihenfolge, in der sich ein Paar künftig das Ja-Wort gibt.

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