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Pflanzentauschbörse auf dem Hof Röhken gerät beinahe zur Nebensache

Kraatz im Rausch der Farben

Wenn aus Gelb plötzlich Blau wird: Anke Culemann führte den Gästen das Färben von Wolle vor.
Wenn aus Gelb plötzlich Blau wird: Anke Culemann führte den Gästen das Färben von Wolle vor. © Foto: Sabine Slatosch
Martin Risken / 22.04.2014, 10:05 Uhr
Kraatz (sla) Eine bislang in Kraatz unbekannte Person begrüßte, beglückte und amüsierte am Sonnabend all jene, die sich zum Pflanzentausch im Naturkunstwerk auf dem Hof von Manuela und Axel Röhken einfanden.

Diese nicht eben große Person heißt P. M. Schulte und ist untrennbar verbunden mit dem Puppenspiel-Regisseur Rodrigo Umseher: "Meine Puppen sind Schauspieler und haben verschiedene Rollen". Diesmal hauchte Umseher seiner Klappmaulpuppe die Seele eines galanten Herrn mit besonders französisch gefärbtem Akzent ein. Das nicht ohne Grund. Denn der Nachmittag war bestimmt von der Kunst des Färbens.

Nicht nur, dass in der Kunstkate gefärbte Speisen angeboten wurden: mit Giersch gefärbtes grünes Brot, grüne Bärlauchbutter, Kartoffelsalat mit Giersch. Draußen in der strahlenden Sonne machte ein ganzer Farbkreis mit gefärbter Wolle und Seide die Besucher neugierig. Etliche Bündel mit Wolle hatte Anke Culemann dicht aneinander gereiht, jedes in einer anderen Schattierung von Gelb, Grün, Blau oder Rot - allesamt erhielten ihre Farbe von einheimischen Pflanzen. Maulbeerblätter, Holunderblüten und Goldrute machten Gelb, rote Zwiebelschalen und Robinienspäne machten Gold, Brennnessel und Blutpflaume machten Grün und die Krappwurzel färbte Rot. Einzig das Blau kam aus Indien. Indigo (griechisch: das Indische) ist ein tiefblauer Farbstoff, der aus der Indigopflanze gewonnen wird. Wie es bläut und wie kompliziert die Indigo-Färberei ist, zeigte Anke Culemann vor Ort. Um das Indigo wasserlöslich zu machen, müsse es zunächst in alkalischer Lösung reduziert werden. Die Temperatur des Färbewassers dürfe 55 Grad nicht übersteigen und der ph-Wert sollte nicht unter acht liegen, sonst gehe der Farbstoff nicht auf die Wolle über. Als sie schließlich nach einiger Zeit die Wolle aus dem Topf holte, war diese keineswegs blau, sondern gelblich. Erst an der Luft präsentierte sich das kleine Wunder.

In wenigen Sekunden "verblauten" die Fasern. Die Gäste staunten und die Färberin strahlte: "Es bläut! Das Bläuen ist die Königsdisziplin der Färberei". Beim Wandeln durch den Garten entdeckten die Besucher weitere Farbtupfer. Neben ebenfalls selbst gefärbter Wolle von Lieselotte Hirt präsentierte Marina Hillebrand in sorbischer Wachstechnik gefärbte Ostereier. Und mitten in den Bäumen schaukelte, wirbelte und glitzerte das farbige Glas von Julia Wolpert. Sie zeigte Objekte aus Glas und Blei, die gern im Wind tanzen, aber auch Fenster und Räume in neuem Licht erscheinen lassen. Die Kunstglaserin arbeitete bislang hauptsächlich in Berlin und in Irland. Viele Jahre restaurierte sie Kirchenfenster. Seit eineinhalb Jahren wohnt sie in Neulöwenberg. Seitdem gestaltet sie ihre eigenen Sachen.

Daneben wurden natürlich auch Pflanzen getauscht - alles, was im Frühjahr im Garten abgestochen wird. Allerdings mit abnehmender Leidenschaft. Gastgeberin Manuela Röhken bedauerte das: "Der Trend ist seit etwa zwei Jahren, dass die Leute keine Lust mehr auf Erde haben, sondern nur noch gucken, was es gibt". Und im Naturkunstwerk gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

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