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Landesamt informiert heute Eigentümer im Löwenberger Land über Folgen des Straßenbaus

B 96-neu nimmt nächste Hürde

Noch Idylle: Da die neue Trasse der Bundesstraße 96 über landwirtschaftliche Flächen führt, müssen die Eigentümer entschädigt werden.
Noch Idylle: Da die neue Trasse der Bundesstraße 96 über landwirtschaftliche Flächen führt, müssen die Eigentümer entschädigt werden. © Foto: MZV
Volkmar Ernst / 16.06.2016, 08:59 Uhr
Löwenberger Land (GZ) Dass die Bundesstraße 96 zwischen Nassenheide und Löwenberg auf einer neuen Trasse verlegt wird, ist beschlossene Sache. Heute geht es darum, die Eigentümer der betroffenen Flächen bei den Planungen mit ins Boot zu holen.

Mit einer Entschädigung der Eigentümer oder Unternehmen allein ist es aber nicht getan. Im schlimmsten Fall könnte eine Zerstückelung landwirtschaftlicher Flächen durch den Straßenbau ein Kleinunternehmen in Existenznot bringen, wenn beispielsweise die Flächen durch Straßen zerschnitten würden und nicht oder nur noch über lange Umwege zu erreichen seien.Um solche finanziellen Auswirkungen zu verhindern, gibt es das Flurbereinigungsgesetz. Wie das funktioniert, soll den vom Bau der Umgehungsstraße betroffenen Flächeneigentümern vorgestellt werden.

Eigens dafür hat das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung den Verband für Landentwicklung und Flurneuordnung damit beauftragt, dieses Flurbereinigungsverfahren für die B 96-neu zwischen den Ortslagen Teschendorf und Löwenberg in die Wege zu leiten.

Dabei wird entlang der neuen Trasse ein Korridor gebildet, der die landwirtschaftlich genutzten Flächen erfasst und auflistet. Konkret handelt es sich dabei um einen Bereich, der sich von Nassenheide bis Gutengermendorf erstreckt und Flächen in den Gemarkungen Neuendorf, Grüneberg, Teschendorf, Neulöwenberg, Linde, Löwenberg, Hoppenrade, Häsen und Großmutz einschließt. Das Areal umfasst zirka 4 300 Hektar, von dem jedoch nur knapp fünf Prozent für den eigentlichen Straßenbau benötigt werden.

Parallel dazu sollen die bisher bestehenden Flurgrenzen in dem Korridor komplett aufgehoben und die Eigentumsverhältnisse neu geregelt werden.

Das wichtigste Kriterium laut Landesamt sei dabei, dass wirtschaftliche Einheiten gebildet würden, die nicht durch die neue Straße zerschnitten und somit künftig gut bewirtschaftet werden könnten. Natürlich müsse kein Eigentümer von Flächen in Großmutz befürchten, im Ausgleich Grund und Boden in Nassenheide oder Teschendorf zu erhalten, da dies den zugrunde gelegten wirtschaftlichen Vorgaben widerspräche, heißt es in der Einladung. Angestrebt werde, dass sich die neuen Flächen möglichst nah am bisherigen Betriebsstandort befinden.Dennoch geht das Landesamt nach der Vorstellung der Planungen von längeren, intensiven Verhandlungen aus. Denn ein weiteres Kriterium ist das so genannte Solidarprinzip. Bei dem erfolgt die Neuvergabe der Fläche nach dem Losverfahren. Dabei ziehen die Eigentümer den Standort ihrer "neuen Flächen" mittels Los.

Extra verwiesen wird in diesem Zusammenhang darauf, dass ein möglicherweise angestrebter Eigentümerwechsel, sprich der Verkauf von Flächen in nächster Zeit durch die laufenden Verhandlungen mit dem Landesamt nicht berührt wird.

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Ben Hagen 20.06.2016 - 10:13:29

Zahlen und das wirkliche Leid der Anwohner

Ich lebe an einer Ortsdurchfahrt an einer Landesstraße....hier wird jeden Tag die Autobahn abgeschnitten um ein paar Euro Maut zu sparen..und der Ewigbaustelle auf der A12 zu entgehen..seitdem haben wir laut Zählstelle über 8.500!!! Fahrzeuge auf einer schmalen Landstraße und dabei über 12 & LKW!!! am Tag!!! und alle Versuche,wenigstens durch Tempobegrenzung den Lärm und die Gefahren zu begrenzen prallte an allen Behörden ab!!Erst wenn man mal selber an so einer Zumutung von Straße wohnen wird,wird man Verständnis haben!Jeder LKW,der z.b. bhei uns mit ca.68 Km/h durch das Dorf fährt ist einerzuviel an Lärm!!!Brandenburg ist da Schlusslicht,was den Schutz der Anwohner betrifft,leider!!Und auf Bundesebene endlich ein Mautsystem für alle Straßen für LKW nach Vorbild der Schweiz und schon wären viele Probleme gelöst!!

Manfred Saborowski 19.06.2016 - 13:45:31

@ Herr Koch "Kfz und ... Lkw sind nicht verhandelbar", warum nicht??

Sehr geehrter Herr Benno Koch, man kann natürlich 10 km/h auf einer Europastraße machen, dann ist eben der Rückstau bis Berlin. Was aber nicht geht, die Zahlen der Zählstelle Dannenwalde als "nicht verhandelbar" zu bezeichnen. Es ist statistisches Material, es nennt sich "Zählstelle" und Sie sollten sich mal schlau machen, was da wie an sogenannten „Zählstellen“ „gezählt“ wird. Die von Ihnen vorgestellten Zahlen wurden errechnet, nicht gezählt. Wenn man tatsächlich zählen würde, hätten Sie wahrscheinlich keine Argumente. Der LKW-Abfluss nach einem Wochenende (Fahrverbot) wird vorsichtshalber nicht mitgezählt, ebenso wenig wie die Fahrzeuge, die Montags irgendwo hinfahren und erst Freitags oder Sonnabends zurückkommen. Es wird nur Die. bis Do. „gezählt“. Was ich in der Schule über „zählen“ gelernt haben, kann ich da in die Tonne hauen. Ich wunder mich auch jeden Monat, warum man Arbeitslosenzahlen errechnen muss, anstatt tatsächlich zu zählen. Auch "Kostenneutralität" werden Sie nie und nimmer hinbekommen. Es reGIERt das Geld und nicht der Verstand. Und Ihre Rechnung mit den Fahrradstraßen hilft den Fürstenbergern auch nicht weiter Kein Fuhrunternehmen würde auf Fahrräder umsteigen, ganz im Gegenteil, es kommen die EuroCombi bzw. Gigaliner. Ein LKW von Berlin nach Stralsund spart auf der B 96 ein paar Euro Maut, fährt dafür aber fast 2 Stunde länger. Ich glaube nicht an „Kostenneutralität“, bin aber auch nur Laie. Auch aus der Vollsperrung von Fürstenberg ziehen Sie nicht die richtige Schlüsse, denn ich als Fürstenberger fahre momentan lieber in andere Orte zum Einkauf, da ich in Fürstenberg nicht direkt an die Läden komme. Ich werde (bei mir gesundheitsbedingt), wie viele andere auch, eine Stadt meiden, die ich nicht mobil erreichen kann. Es ist ein sehr großer Unterschied, ob ich in eine Stadt reinfahren kann, wenn ich will oder ob eine Stadt fast komplett für motorisierten Verkehr gesperrt ist. Fürstenberg braucht endlich die Ortsumfahrung, denn dann kann ich entscheiden wie ich fahre, momentan entscheidet die Baustelle, das ich überhaupt nicht fahren darf und kann. Ich bin 14 Jahre zwischen Potsdam und Fürstenberg fast jedes Wochenende gependelt aber unterwegs Eingekauft haben wir nie, entweder haben wir in Potsdam eingekauft oder dann in Fürstenberg. Herr Koch, wir leben in einer Zeit, in der jeder alles besser wissen will, solange es ihn nicht selber betrifft. Mit Beispielen aus anderen Gegenden ist uns hier auch nicht geholfen und ob der Gotthard-Basistunnel am Ende mit seinen ca. 21 Milliarden Euro Kosten eine gute Idee war, wage ich zu bezweifeln. Wir werden ihn auf jeden Fall über die Produkte letztendlich mitbezahlen. Früher haben wir Vorort produziert, waren die Menschen mit dem zufrieden, was es grade gab. Heute wird alles kreuz und quer durch die Welt transportiert und uns „Globalisierung“ als Heilsbringer verkauft. Warum brauche ich das berühmt berüchtigte Chlorhühnchen aus den USA und die Milch aus Bayern, wozu 30 Essigsorten? Und warum müssen die Menschen weite Wege zur Arbeit zurücklegen oder in immer engeren Ballungsräumen konzentriert werden? Geld und mit dem Geld entscheiden/reGIERen Konzerne über unsere Zukunft, siehe TTIP u. ä.. Die Produktion an immer weniger Standorten, in immer weniger Hände, da sind die Denkansätze anzusetzen. Es gibt Tier-, Natur-, Landschafts-, Denkmalschutz und vielen anderen Schutz. Es wird Zeit, auch mal über den Schutz der Menschen nachzudenken und eine baldige Ortsumfahrung geht genau in diese Richtung. Aber das war, ist und wird ein langer Kampf werden, weil es Menschen wie Sie gibt, die nur sehen, was sie sehen wollen, die z. B. nicht mal den Berliner Autobahnring als das erkennen, was er ist, ggf. eine tolle Ortsumfahrung. Eine Ortsumfahrung, wie Fürstenberg sie dringend braucht.

Benno Koch 18.06.2016 - 23:12:46

B96 Legenden

Lieber Herr Palm, die 6.451 Kfz und davon 755 Lkw an der automatischen B96 Zählstelle in Dannenwalde im Jahr 2014 sind nicht verhandelbar. In Fürstenberg sind es laut der händischen Zählung der BAST im Jahr 2005 genau 6.000 Kfz pro Tag und im Jahr 2010 noch 5.800 Kfz pro Tag – die Zahlen für 2015 sind noch nicht ausgewertet. Ihr Wunsch nach weniger Kfz-Verkehr sollte uns einen. Das geht aber nicht mit Investitionen von 150 Millionen Euro für weitere drei- und vierspurige Neubauprojekte. Das Beispiel Oranienburg zeigt, dass dort mit dem Neubau der OU für unfassbare 71,6 Millionen Euro (eine Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Planung um satte 345 Prozent) heute ein massives Kfz-Problem in der Innenstadt herrscht – es ist eben doch in der Mehrzahl lokaler Kfz-Verkehr. Die B96 verläuft übrigens auch durch Berlin. Und zwar gleich zwei Mal: Als B96 auf 36 Kilometern mitten durch das Zentrum West und als B96a auf 36 Kilometern durch das Zentrum Ost. Dabei wurden 2014 zum Beispiel am Oraniendamm südlich der Kreuzung Waidmannsluster Damm / Zabel-Krüger-Damm genau 34.200 Kfz pro Tag gezählt – rund sechs Mal so viele wie auf der B96 in Fürstenberg. Auf Invalidenstraße (Hauptbahnhof) sind es dann auf der Nordseite 41.700 Kfz und auf der Südseite (Tunnel) 55.300 Kfz pro Tag. Selbst auf dem Mehringdamm südlich der Bergmannstraße sind es noch 50.200 Kfz pro Tag – also fast neun Mal so viele wie in Fürstenberg und alleine hier sind zehntausende Anwohner direkt betroffen. An der B96a im Zentrum Ost das gleiche Bild: Im Bereich Elsenbrücke sind es zum Beispiel 51.400 Kfz pro Tag, am Bahnhof Schöneweide auf der Schnellerstraße 48.200 Kfz, überall wohnen Menschen und die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. In Berlin gibt es keine Umgehungsstraßen. Und die Stadt leidet auch unter den einpendelnden Kfz aus Fürstenberg, Gransee und anderen Orten an der B96, obwohl Fürstenberger mit dem Bahnhof mitten im Ort per Bahn immer schneller und preiswerter im Berliner Zentrum wären. Was Berlin aber gut gemacht hat, dass hier inzwischen mehr als 80 Prozent aller Straßen Tempo 30 Zonen sind. Das vermindert den Lärm, die Zahl und Schwere der Unfälle und macht die Stadt lebenswerter. Wenn ich Brandenburgs Verkehrsminister wäre, würde ich für Fürstenberg ein Modellprojekt anordnen: Tempo 10 auf der B96 auf drei Kilometern im gesamten Stadtgebiet. Das kostet fast nichts und die Fahrzeit verlängert sich zu Stauzeiten nicht. Sonst sind es ein paar Minuten mehr, aber Lärm und Unfallgefahren werden auf ein Minimum reduziert. Dafür gibt es in Berlin auch ein erprobtes Beispiel mit einer Tempo 10 Zone im Scheunenviertel. Dort ist es in den letzten Jahren ohne Umgehungsstraße lebenswerter geworden. Außerdem muss die Lkw-Maut auf alle Straßen ausgeweitet werden und an ein Bonussystem gekoppelt werden, dass zum Beispiel im Fernverkehr Stadtdurchfahrten teurer und Autobahnen preiswerter macht. Kostet unter dem Strich keine Neuinvestitionen und kann auch für den Handel kostenneutral sein. Außerdem gehören Lkw im Fernverkehr von Berlin zur Ostsee auf die Bahn. Die ist zum Beispiel auf der Strecke Berlin-Rostock wesentlich schneller als die B96 – wenn die Schweiz für ähnliches Regulierungen geschaffen hat, sollte uns das auch gelingen.

O. Berg 18.06.2016 - 10:49:25

@Gerd Palm - Mehr massive Proteste

Hallo Herr Palm, so wie Sie für Fürstenberg/Havel die Lärm-, und Staub-, und Gesundheitsbelastungen beklagen, so beklagen viele Bürger in anderen Städten Deutschlands ebenso die gleichen oder ähnliche Situationen. Leider werden trotz Demonstrationen und Protesten der Bürger absehbar keine Änderungen vollzogen. Ich kenne Fürstenberg/Havel, war schon mehrmals dort und weiß um den unaufhörlichen Verkehr und die relativ schmale Straßensituation, die eine wirksame Abänderung bedingt. Leider beteiligen sich meist nur die unmittelbar betroffenen Bürger an Blockaden und Demonstrationen d.h. die Bürgerproteste sind nicht massiv genug, um die jeweiligen Politiker zum Handeln zu zwingen. Man fragt sich so oft, ob den Politikern auf Bundes-, Landes-, oder kommunaler Ebene, die Gesundheit der Bürger egal ist

Gerd Palm 18.06.2016 - 10:12:30

Zum LB von Herrn Koch zu: B96 nimmt neue Runde

Sehr geehrter Herr Benno Koch, Sie würden bestimmt anders darüber denken, wenn Sie an der B96 wohnen würden. Laut Messung ausserhalb der Saison fahren z. B. durch Fürstenberg/Havel täglich über 10.000 KFZ, davon mehr als 1.000 LKW. Die sparen zwischen AK Oranienburg und Neubrandenburg 55km ein und lassen sich deshalb auch durch keine Maut vertreiben. Unsere Stadt ist in Deutschland die einzige, durch deren Zentrum eine Europastraße verläuft. Krach, Abgase und Erschütterungen belasten täglich Einwohner und Gäste. Fürstenberg/Havel war einmal Luftkurort und möchte nach dem Wegfall der Industrie endlich Erholungsort werden. Der LKW-Verkehr nimmt aber drastisch zu. Eine Ortsumfahrung ist für die Stadtentwicklung dringend erforderlich. Gerd Palm, Fürstenberg/Havel

Benno Koch 18.06.2016 - 01:11:13

B96: Weniger Kfz-Verkehr

Wäre es jetzt für die Redaktion der Märkischen Oderzeitung nicht mal an der Zeit sich mit dem Thema Mobilität zu befassen? Da gibt es also einen mehr als 20 Jahre alten Wunsch, die B96 aus- und neuzubauen. Dazu gab es natürlich abenteuerliche Bevölkerungs- und Verkehrsprognosen sowie nie erfüllbare Kosten-Nutzen-Faktoren. Geld spielt bis heute keine Rolle. Nach der jetzt vorliegenden Wunschliste des Landes Brandenburg sollen alleine die Abschnitte einer B96neu mit der OU Gransee-Altlüdersdorf 25,7 Millionen Euro, OU Teschendorf-Löwenberg 96,1 Millionen Euro und OU Fürstenberg 30,9 Millionen Euro gigantische Summen verschlingen, die für den Erhalt von Straßen, Wegen und Brücken an anderer Stelle angeblich fehlen. Zusammen also für drei neue Ortsumgehungen 152,7 Millionen Euro. Hinzu kommen alleine entlang der B96 weitere bereits erfüllte und nicht erfüllte Wünsche mit dem Vielfachen dieser Summe. In der aktuellen Wunschliste des Landes Brandenburg zum Bundesverkehrswegeplan stehen übrigens insgesamt 74 solcher Neubauwünsche von Ortsumgehungen und Autobahnen. Mal kurz zum Vergleich: Für 152,7 Millionen Euro könnte man 1.572 Kilometer Fahrradstraßen vollkommen neu bauen. Praktisch das ganze Land Brandenburg fahrradfreundlich machen. Also nur von drei neuen Ortsumgehungen an einer bestehenden Bundesstraße so viele neue Fahrradstraßen, wie in Brandenburg seit 1990 insgesamt nicht gebaut wurden. Aber wer braucht die neuen Ortsumgehungen? Hinter der automatischen Zählstelle der B96 bei Nassenheide (2014: 18.266 Kfz und davon 1.477 Lkw) fällt die Nutzung der B96 auf Nebenstraßen-Niveau. An der Zählstelle Dannenwalde wurden 2014 noch 6.451 Kfz und davon 755 Lkw gezählt – an dieser Stelle zum Beispiel acht Prozent weniger Lkw im Vergleich zum Vorjahr und 49 Prozent weniger Lkw als an der Zählstelle Nassenheide. Nimmt man alle Kfz als Grundlage, reduziert sich deren Anteil zwischen Nassenheide und Dannenwalde sogar um 65 Prozent. Aber was ist mit den als Begründung herhaltenden Verkehrsprognosen? Der neue Bundesverkehrswegeplan und die genannten neuen Ortsumgehungen sollen im Zeitraum bis 2030 gelten. Ebenfalls bis 2030 gilt die „Bevölkerungsvorausschätzung“ des Landes Brandenburg. Darin ist zum Beispiel für die Stadt Fürstenberg Havel ein Rückgang der Bevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren um 33,1 Prozent, für Gransee um 34,8 Prozent, etwas abseits der B96 in Lychen um 42,8 Prozent, in Rheinsberg um 40,2 Prozent, Liebenwalde um 31,6 Prozent, Löwenberger Land um 30,7 Prozent usw. nachzulesen. Was bleibt also übrig? Gransee hat 5.717 Einwohner. Fürstenberg Havel hat 5.882 Einwohner. An der automatischen Zählstelle zwischen beiden Städten an der B96 in Dannenwalde kamen 2014 pro Tag und Richtung 3.300 Kfz vorbei. Der überwiegende Teil davon dürfte lokaler Verkehr sein. Bereits heute gibt es zwei bestens ausgebaute Umgehungsstraßen entlang der B96 von Berlin zur Ostsee: Auf der A19 und A20 ist man schneller, sicherer und entspannter unterwegs. Auf der B96 ist überwiegend lokaler Verkehr zu finden. Ganz hart würde eine Ortsumgehung Fürstenberg treffen. Als wir vor ein paar Tagen eine nette kleine Radtour im Restaurant am Yachthafen enden ließen, waren wir die einzigen Gäste – eine Brücke der B96 in der Innenstadt war gesperrt. Auch die Marina war in der Hochsaison eher spärlich belegt. Siehe http://fotos.benno-koch.de/v/Gefuehrte_Radtouren/Eintagesradtouren/Benno_Koch/Serrahn/?g2_page=5 Nicht aufgezählt habe ich die Beschlüsse der UN Klimakonferenzen. Und die Aussage des Bundesverkehrsministers Dobrindt: „Wir stärken das Prinzip Erhalt vor Neubau und investieren rund 70 Prozent in die Modernisierung.“ Und für den Güterfernverkehr gibt es für einen wesentlichen Teil des Geschäfts bessere Wege – die Schweiz hat es gerade mit dem neuen Gotthard-Basistunnel vorgemacht. Und just mit der Bahnlinie Berlin-Rostock wurde auch hierzulande gerade für 850 Millionen Euro in Sichtweite der B96 der Schienenweg für Tempo 200 zu den Häfen und zur Ostsee ausgebaut. Anstatt das Land und damit der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) dort nun auch die entsprechend ausreichenden Züge zum Beispiel im 30-Minuten-Takt bis Neustrelitz bestellt, wird an jedem Wochenende lieber eine Auslastung von 200 Prozent und Chaos in den bestehenden Regionalzügen gemeldet. Wann wenn nicht jetzt ist die richtige Zeit Fachjournalismus zum Thema Mobilität zu machen? Und wäre jetzt nicht die Zeit, die eigenen Beschlüsse und Prognosen des Landes und des Bundes endlich auch mal mit einem veränderten Handeln münden zu lassen? Dazu gehören Tempo 30 in den Städten, Kreisverkehre und falls nötig Lichtsignalanlagen mit einem 60 Sekunden Umlauf. Das macht den Verkehr flüssiger. Auch für die Fahrradfurt. Und Radfahrer nicht weiter vertreiben, wo sie freiwillig fahren wollen. Das reduziert den Kfz-Verkehr und ist für ein Tausendstel dessen Kosten zu haben.

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