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Vermisste
Martha Klatt bleibt vermisst

Bleibt verschwunden: Martha Klatt. Eine Nachbarin macht den Behörden nun Vorwürfe.
Bleibt verschwunden: Martha Klatt. Eine Nachbarin macht den Behörden nun Vorwürfe. © Foto:
Martin Risken / 01.03.2018, 18:57 Uhr
Zehdenick (MOZ) Seit einem Monat wird die 79-jährige Martha Klatt aus Zehdenick vermisst. Von der Rentnerin fehlt jede Spur. Warum musste es soweit kommen? Nachbarin Anett Neumann sieht die Schuld auch bei den Behörden.

Martha Klatt war nach Auffassung von Anett Neumann nämlich nicht mehr in der Lage, selbstständig ihren Alltag zu bewältigen. Die frühere Friseurin machte sich schon lange Sorgen um Martha Klatt. Schon 2016 habe sie mit der Stadtverwaltung Zehdenick telefoniert, später dann mit dem Sozialamt des Landkreises in Oranienburg. Überall sei sie zwar auf Verständnis gestoßen, konkret sei dann wenig passiert. Martha Klatt blieb weitgehend ihrem Schicksal überlassen. Im November vergangenen Jahres wurde ihr ein Betreuer an die Seite gestellt. Doch Martha Klatt blieb in ihrer Wohnung. Wo sie offenkundig mit ihrer Lebenssituation überfordert schien, schildert die Nachbarin ihre Wahrnehmung. „Es war unmenschlich wie die Frau gelebt hat. Ihr hätte schon viel früher geholfen werden müssen“, sagte die Nachbarin, die sich seit 2016 um Martha Klatt kümmern, weil die Rentnerin keine Verwandten mehr haben, die in Zehdenick leben. „Niemand, der etwas tun konnte, hat gehandelt“, klagt Anett Neumann an. „Alle haben weggeguckt, deshalb ist es soweit gekommen. Im September wäre sie 80 geworden, ein solches Schicksal hat sie nicht verdient.“

Zuletzt am 22. Januar hatte sie die 79-Jährige gesehen, als sie vor ihrer Haustür stand und bat, sie zum Friedhof bei Templin zu fahren, wo ihr 2015 verstorbener Mann begraben liegt. Da hatte Martha Klatt wohl vergessen, dass Anett Neumann genau an diesem Tag zu einer zweiwöchigen Urlaubsreise nach Dubai aufbrechen wollte. Des Öfteren war Anett Neumann, die einen Shuttle-Service in Zehdenick betreibt, mit Martha Klatt unterwegs. Zwei Mal im Jahr ließ sich die Rentnerin nach Thüringen fahren. Zuletzt zu Weihnachten besuchten sie dort eine langjährige Freundin. Dass auch anderen Zehdenickern das Schicksal der Seniorin nicht egal ist, mache ihr Mut. Unmittelbar nach dem Verschwinden von Martha Klatt Ende Januar organisierten sich Zehdenicker eine Suchaktion. Sie trafen sich nach einem Aufruf bei Facebook auf dem Marktplatz, um in kleinen Gruppen die Suche nach der Vermissten zu starten. Ohne Erfolg. Auch die Polizei ging jeder noch so kleinen Spur nach. „Wir haben zurzeit keine weiteren Erkenntnisse“, sagte am Donnerstag die Sprecherin der Polizeidirektion Nord, Ariane Feierbach. Mittlerweile zieht der Vermisstenfall Kreise. Die Sendung „Täter-Opfer-Polizei“ des RBB will den Fall aufgreifen. Erschwert würden die Ermittlungen dadurch, dass es außer dem gesetzlichen Betreuer keine weitere Bezugsperson gab, keine Verwandte, die der Polizei mit Kontaktadressen helfen könnten, um neue Ermittlungsansätze zu bekommen.

Was aber können Nachbarn tun, wenn sie von einer hilflosen Person erfahren? Grundsätzlich könne von jedem angezeigt werden, dass gegebenenfalls Betreuung für eine Person notwendig erscheint, so Constanze Gatzke, Sprecherin des Landkreises Oberhavel. Die Betreuungsbehörde gehe dem in jedem Fall nach und prüfe die persönliche Situation, beteiligt andere notwendige Bereiche und fertige im Ergebnis eine Stellungnahme für das zuständige Amtsgericht an. Diese enthalte zumeist eine Empfehlung und einen Betreuervorschlag. Zusätzlich sei ein ärztliches Gutachten erforderlich. Dazu werde neben Stellungnahmen der behandelten Ärzte der sozialpsychiatrische Bereich des Fachbereiches Gesundheit beteiligt. Dieser erhält einen Hinweis von der Betreuungsbehörde beziehungsweise werde vom Gericht beauftragt und arbeite dann gegebenenfalls dem Gericht zu. „Grundsätzlich ist jedoch zu jeder Zeit der freie Wille der jeweiligen Person maßgeblich. Sofern diese keine Gefahr für sich oder andere darstellt, kann eine Betreuung auch abgelehnt werden“, so Gatzke.

Suche geht weiter

Gegenwärtig gelten im Land Brandenburg 346 Kinder, Jugendliche und Erwachsene als vermisst, so das Polizeipräsidium Potsdam.

Zu den Vemissten gehört auch Martha Klatt aus Zehdenick. Sie wurde am 29. Januar 2018 zuletzt in Zehdenick gesehen. Die Suche begann einen Tag später.

Polizeihubschrauber, Taucher und Spürhunde kamen bei der Suche nach der Seniorin zum Einsatz. Auch das Fahrrad, mit dem Martha Klatt vermutlich unterwegs sein soll, ist verschwunden.⇥ (ris)

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