Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Aufgabe
Letzte Videothek schließt in Zehdenick

Arbeitet als Aushilfe im Videocenter: Petra Mellenthin (Foto) teilt sich die Aufgabe mit Viola Klein.
Arbeitet als Aushilfe im Videocenter: Petra Mellenthin (Foto) teilt sich die Aufgabe mit Viola Klein. © Foto: ⇥ Foto: Martin Risken
Martin Risken / 28.03.2018, 06:45 Uhr
Zehdenick (MOZ) Es ist nicht nur die letzte Videothek Zehdenicks, sondern auch eine der letzten im gesamten Landkreis Oberhavel. Zum Monatsende stellt Frank Barenthin den Geschäftsbetrieb seines 1989 gegründeten Verleihs ein, nachdem er bereits 2011 seinen Laden in Templin schließen musste.

Gerade im vergangenen Jahr brachen die Umsätze so stark ein, dass sich selbst bei verkürzten Öffnungszeiten ein Weiterbetrieb nicht mehr lohne. Dennoch fällt Frank Barenthin und seinen zwei Mitarbeiterinnen Petra Mellenthin und Viola Klein der Abschied schwer. Seit einigen Tagen werden die Filme verkauft.

Begonnen hatte alles im Jahr 1989, kurz nach dem Mauerfall machte sich Frank Barenthin auf den Weg nach Berlin-Wedding und entdeckte vor einem Laden einen Korb mit VHS-Filmkassetten. Einige davon kaufte er. Die ersten Filme verlieh er damals zunächst im Wohnzimmer, zehn Ost-Mark für einen Film. Auch die dazu gehörigen Abspielgeräte bot er an. Das Geschäft entwickelte sich so prächtig, das er bald seinen ersten Laden eröffnen konnte. Auf 15 Quadratmetern in einem Schuppen eröffnete er sein erstes Geschäft. Später folgte ein größerer Laden und noch eine Filiale in Templin. Lange blieb Barenthin aber nicht der einzige Anbieter in Zehdenick. Videotheken schossen damals wie Pilze aus dem Boden. Vier Läden gab es in der Havelstadt, darunter auch die Filiale einer westdeutschen Kette. Doch der Video-Pionier überlebte sie alle. Bis jetzt.

Dabei hatte der Chef in den vergangenen Jahren alles versucht, den Laden in der Klosterstraße am Leben zu erhalten. Das Sortiment wurde stets erweitert, insbesondere um Spiele für die gängigen Spielekonsolen wie Playstation, xBox und Wii. Auch die Geräte dazu bot Barenthin zum Ausleihen an. Doch auch das half am Ende nicht, um das Geschäft langfristig zu stabilisieren.

Keineswegs unschuldig am Niedergang der Branche sei nicht zuletzt der laxe Umgang des Staates mit illegalen Film-Downloads aus dem Internet. Das Saugen der Filme aus dem Netz sei nicht konsequent als Straftat verfolgt worden, bedauert Barenthin. Die Umsonst-Kultur machte sich in sinkenden Umsätzen in seiner Videothek schnell bemerkbar. Immer mehr Streaming-Dienste tun seit einigen Jahren ihr übriges, dass immer weniger Kunden den Weg zur Videothek suchen, um sich dort einen Film auszuleihen. Die „blasse Playstation-Generation“ finde nicht mehr den Weg aus dem Kinder- oder Wohnzimmer. Auf der Strecken blieben aber auch die sozialen Kontakte. Oftmals kamen die Kunden zum Quatschen auf einen Kaffee vorbei, aber auch um sich Filmtipps zu holen. Schließlich bot Barenthin rund 3 500 verschiedene Filmtitel.

Da Frank Barenthin das Ende der Videotheken kommen sah, baute er sich frühzeitig neue Geschäftsfelder auf. Er ist als Automatenaufsteller unterwegs. Darüber hinaus verdient er sich seinen Lebensunterhalt mit Veranstaltungstechnik für Konzerte und andere Veranstaltung wie der 800-Jahr-Feier in Zehdenick vor zwei Jahren, als er die Dammhastbrücke nachts in schillernden Farben anstrahlte. Als Facharbeiter für Qualitätssicherung beim Isolierwerk in Zehdenick hätte er sicherlich auch die Wendezeit in einem Arbeitsverhältnis überstanden. Seinen Job gebe es schließlich heute noch. Doch den Weg in die Selbstständigkeit habe er trotz aller Widrigkeit des Unternehmertums bis heute nicht bereut.

Der Niedergang

■ Videotheken zählten bis vor zehn Jahren zum Angebot fast aller Städte in der Region. In Templin, wo Frank Barenthin eine Videothek betrieb, gab es in Spitzenzeiten fünf. In Zehdenick waren es vier.

■Schon lange geschlossen haben die Filmverleiher in Gransee und Fürstenberg. Selbst in der Kreisstadt gebe es keine mehr, nur noch in Hennigsdorf.

■Auch Arbeitsplätze gingen verloren. In Spitzenzeiten beschäftigte Barenthin vier Festangestellte und Aushilfen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG