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Literatur-Gespräch
Rotes Sofa inspiriert zu spannendem Zwiegespräch

Stephanie Fedders / 21.05.2018, 20:35 Uhr
Himmelpfort Himmelpfort. Schöne Männer und schräge Tiere – Florian Werner vereint beides. Wenngleich dem Autor die optische Klassifizierung eher unangenehm ist, als er am Pfingstsonntag auf dem roten Sofa in der Mühle Himmelpfort Platz nimmt. Moderator Arno Sommer konnte jedoch nicht anders, als dieses Urteil von Kennern und Liebhabern der Veranstaltungsreihe zum Besten zu geben.

Erst vor wenigen Tagen bekam er jene anerkennenden Worte zu hören, „aber nicht für Literatur, nein, für die schönen Männer“.

Der Gast aus Berlin nimmt es sportlich. Als Mitglied der deutschen Autoren-Fußball-Nationalmannschaft – dem „kulturellen Arm des DFB“ – weiß er, dass die Messlatte hoch liegen kann. Er verspricht, „unten durch zu tanzen“. Zwar nicht mit dem Ball am Fuß, aber mit seinem neuesten Werk in der Hand. Nach Büchern über Wiederkäuer (Die Kuh. Leben, Werk und Wirkung. Übrigens als originellstes Wissenschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet.) und Exkrementen (Dunkle Materie. Die Geschichte der Scheiße) liegt nun „Die Weisheit der Trottellumme – was wir von Tieren lernen können“ vor. In 31 philosophischen Geschichten schlüpft der Mittvierziger in die Rolle des Übersetzers, damit die Menschheit – endlich – die Tiere versteht.

Wer es schafft, mit einer Arbeit über Rap und Apokalypse zu promovieren, der findet auch genug Arten mit interessanten Eigenschaften, von denen sich auch noch Querverbindungen zu berühmten Dichtern und Denkern herstellen lassen. Das ist von Ameise bis Zitterrochen tatsächlich der Fall. Florian Werner erklärt dem Himmelpforter Publikum, dass Löwen ausgesprochen müde und faul sein können. Eine Eigenschaft, die nur schwer mit dem Nimbus des Heroischen zu vereinbaren ist. Er bricht außerdem eine Lanze für den Nacktmull, lobt dessen bemerkenswerte Schmerzresistenz, die seine „ästhetischen Defizite“ locker in den Schatten stellt.

Als er ins Schwärmen gerät über die Gesangsqualitäten von Amseln, meldet sich von draußen ein Buchfink zu Wort. Es klingt ein wenig nach Protest. Schließlich fehlt er in Werners Sammlung. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Als Zugabe erfahren die Zuhörer Bemerkenswertes über das „Titeltier“, die Trottellumme. Ihren Sprung vom Helgoländer Felsen in die Tiefe der Nordsee vergleicht Florian Werner mit dem Schritt in einen neuen Lebensabschnitt, allzu oft auch ein „Sprung ins Ungewisse“.

Mit den Worten „erkenntnisreich, unterhaltsam, wunderbar“, verabschiedet Moderator Arno Sommer den Gast. Wer Freude an literarischer Kurzweil im historischen Himmelpforter Ambiente hat, muss nicht lange auf den nächsten Besuch warten. Am 1. Juli um 11 Uhr geht es weiter. Die schönen Männer machen dann allerdings eine Pause. Dafür nimmt Bestsellerautorin Charlotte Link auf dem roten Sofa Platz. Reservierungen sind per Mail unter sommer.himmelpfort@t-online.de ab sofort möglich.

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