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Ritterfest
Ja so warn's, de alten Rittersleut'

Stephanie Fedders / 01.07.2018, 20:30 Uhr
Zernikow Die Rettung nahte in Gestalt des Ritters Norbert. 2014 machte er sich auf den langen Weg aus dem Sauerland nach Kelkendorf und ließ sich unweit des Gutes Zernikow nieder.

Er wollte einfach nur dort wohnen, wo andere Urlaub machen. Doch die Bürger aus dem Dorf führten anderes im Schilde und machten ihn Ende 2017 zum Vorsitzenden des Rittervereins Zernikow. Die Mitglieder dürsteten nach neuen Abenteuern, und Ritter Norbert zog wagemutig in die Schlacht. Es ging um nicht weniger, als den Fortbestand des beliebten Ritterfestes. Norbert Hötger hatte einen einfachen Plan, und machte sich erst einmal auf die Suche nach neuen Mitstreitern. Seine Waffe war das Wort. „Man muss die Leute ansprechen“, hat er festgestellt. Er traf den richtigen Ton und die Zahl der Mitglieder stieg von 17 auf 30 an. Gemeinsam stellten sie sich der Herausforderung, zum 21. Mal edle Herren, holde Weiber, eine große Kinderschar, Händler und Musikanten auf die historische Anlage zu locken.

Da die zahlreichen Gäste am Sonnabend mit viel mehr PS unterwegs waren, als ihre Landsleute im Mittelalter, war die ausgewiesene Parkfläche schon mittags besetzt, die Dorfstraße zu späterer Stunde gesäumt von Autos. Schnell hatte die hungrige Meute die Freiluftküche belagert, die beiden Schweine am Spieß hatten keine Chance. Ihrer besten Stücke beraubt, drehten sich am Ende nur noch Knochen über der Glut.  Im lodernden Feuer glänzten die Augen der Köche, ihre Kasse war gut gefüllt mit Goldrandtalern.

Mussten die Spielleute Erdenmut oder die Trommler AG der Fontane-Schule Menz ihren Instrumenten fortan nur noch laute Töne entlocken, um das Knurren der Mägen zu überdecken? Mitnichten. Im Ofen schmolz der Käse auf den selbstgemachten Pizzabroten und auf dem Grill drehten sich die Würstchen.

Ritter Norbert und sein Gefolge setzten auch beim Speiseplan neue Akzente. Dinkel- statt Weißbrot hieß die Devise und das Fleisch wurde bei einem regionalen Anbieter gekauft. Manuela Röhken aus Kraatz lud zum Stockbrotgrillen über dem offenen Feuer ein und hatte als kleinen Leckerbissen einen „Hexenkuss“ dabei. Die Praline bestand aus Roter Beete, Datteln und Gundermann – ein wildes Kraut, auch als „Soldatenpetersilie“ bekannt.

Gestärkt und gespannt versammelten sich kleine und große Knappen rund um die Arena und warteten auf den Auftritt der Berliner Rittergilde. Ihr Anführer Thomas Berliner war bereits zum dritten Mal mit seiner Schar nach Zernikow gekommen, und er kann sich inzwischen vorstellen, auf dem Gut einen weiteren neben den bisher bestehenden fünf Standorten seiner Gilde zu etablieren. Mitstreiter sind jederzeit willkommen, mindestens zehn Jahre alt sollten sie sein. Als Zeichen guten Willens hatten die Ritter aus der Hauptstadt eine Balliste mitgebracht. Die aus Holz nach historischem Vorbild angefertigte Wurfmaschine soll auf dem Gut bleiben. „Letztes Jahr habe ich zugesagt, die Balliste mitzubringen. Wir haben Wort gehalten“, sagte Thomas Berliner.

Was er beim nächsten Ritterfest ändern wird, das konnten die Gäste Norbert Hötger ansehen. Statt Gewand trug er Poloshirt und Shorts. „Ein Raubritter hat mir das Kostüm geklaut“, klagte der Kelkendorfer. Es wird wohl ohne Folgen bleiben. Der Dieb hat Glück, dass es auf Zernikow noch keinen Kerker gibt…

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