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Kannenburg
Investitionen in den Wassertourismus

Immerhin ein Provisorium: In Kannenburg gibt es nach 73 Jahren wieder eine Fußgängerbrücke.
Immerhin ein Provisorium: In Kannenburg gibt es nach 73 Jahren wieder eine Fußgängerbrücke. © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 20.07.2018, 19:04 Uhr
Kannenburg (MOZ) Die Halbinsel der Familie Bernd und Dirk Berlin zwischen Kuhwall- und Lankensee soll in den nächsten Jahren zu einem touristischen Zentrum ausgebaut werden. Sobald die neue Schleuse in Betrieb genommen worden ist, soll es mit dem idyllischen Fleckchen Erde auch touristisch weiter bergauf gehen.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Schleuse, voraussichtlich im Laufe des Jahres 2020 soll es soweit sein, ist aber auch die Schleusenromantik vorbei. Die bis vor einem Jahr noch per Handbetrieb geöffneten Schleusentore lassen sich künftig auf Knopfdruck öffnen und schließen. Die neue Schleuse werde auf jeden Fall automatisiert und der Betrieb von Zehdenick aus fernüberwacht, kündigte der amtierende Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde, Sebastian Dosch, in dieser Woche anlässlich des Besuches der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg (Fraktion Die Linke) an. Fünf Millionen Euro wird der Ersatzneubau für die seit Ende 2017 wegen Baufälligkeit gesperrten Kannenburger Schleuse voraussichtlich kosten, weshalb die Templiner Gewässer von der Havel abgeschnitten sind. Mit dem Bau der Schleuse will es das WSA aber nicht bewenden lassen. Eine neue Brücke soll her, die die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges von deutschen Soldaten gesprengte Zugbrücke ersetzen soll. Gestalterisch könnte die Brücke Anleihen an die Kamelbrücken in Zehdenick nehmen.

In den vergangenen Jahrzehnten konnten Fußgänger den schmalen Kanal zwischen den beiden Seen nur über das begehbare Schleusentor queren, was an sich schon aus Gründen der Sicherheit problematisch gewesen sei, räumte Dosch ein. Seit vier Wochen gibt es ein vom TÜV abgenommenes Brückenprovisorium, sodass Radfahrer und Wanderer den Kanal problemlos überqueren können und sich ein Ausflug nach Kannenburg durchaus lohnt, weil Rundtouren möglich sind, wie Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Die Linke) betonte.

Um die neue Schleuse automatisieren zu können, bedarf es auch moderner Kommunikationstechnik. Das WSA habe deshalb die Verlegung eines Glasfaserkabels nach Kannenburg beantragt. Der Anschluss an das schnelle Datennetz könnte dann auch dazu genutzt werden, einen öffentlichen Hotspot einzurichten, zumal auf der Halbinsel der Mobilfunkempfang zurzeit fast unmöglich ist. Auch die Stadt Templin, die sich gegenüber der chronisch unterbesetzten Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bereit erklärte hatte, Planung und Bau der neuen Schleuse zu übernehmen, denkt schon weiter, wie die Halbinsel Kannenburg als Tor zu den Templiner Gewässern attraktiver gemacht werde könne. Dem Bürgermeister schwebt eine kleine Marina vor, in der Besucher Boote leihen können. Auf jeden Fall aber soll die von Hammelspring anliegende Zufahrtsstraße bis zur Schleuse befestigt werden.

Dass der Wassertourismus erhebliche Auswirkungen auf das Geschäft der Gaststätte Berlin hat, bekommen die Inhaber in der ersten Saison ohne funktionierende Schleuse deutlich zu spüren. Der Umsatz sei um mehr als ein Drittel eingebrochen, berichteten Dirk und Bernd Berlin. Nur noch gelegentlich verirren sich Charterboote nach Kannenburg, die vor der Schleuse festmachen. Es fehlen aber die 7 000 Schleusungen mit ihren geschätzten 25 000 Besuchern pro Saison, beklagte der Bürgermeister. Das bekommt nicht nur die Familie Berlin jetzt deutlich zu spüren, sondern auch die vielen anderen touristischen Anbietern zwischen Zehdenick und Templin. Einige von ihnen wollten daher den Bund in die Pflicht nehmen, der viel früher hätte reagieren müssen, um den Schleusenbetrieb sicherzustellen. Doch für Entschädigungsansprüche gebe es keine rechtliche Grundlage, betonte Dosch. Es liege allein im Ermessen des Bundes, auf freiwilliger Basis ein Entschädigungfonds einzurichten, das sei dann allerdings eine politische Entscheidung, gab er der Bundesabgeordneten Anke Domscheit-Berg am Montag dezent mit auf den Weg in die Bundeshauptstadt. Die Abgeordnete ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Verkehr und Digitalisierung und könnten dort ihren Einfluss geltend machen, den in Existenznot geratenen Unternehmern zu helfen.

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