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Erdgasförderung
Erdgas-Investoren rechnen in Zehdenick-Nord mit Milliarden-Gewinnen

Martin Risken / 04.02.2019, 19:21 Uhr
Zehdenick (MOZ) Die etwa 20 Investoren der niederländischen Jasper Rescoures BV erhoffen sich durch ihre Beteiligung an einer möglichen Erdgasförderung im Gasfeld Zehdenick eine enorme Rendite, was allerdings auch mit einem hohen Risiko verbunden ist.

Wie der Chef der in Zehdenick eingetragenen Jasper Resources GmbH, Thomas Tygesen, vorrechnete, werden allein für die Erforschung der Erdgaslagerstätten 20 bis 25 Millionen Euro aufzuwenden sein. Wenn dann aber tatsächlich in ein paar Jahren Erdgas gefördert wird, gibt es satte Einnahmen. Pro Kubikmeter Erdgas ließen sich 0,25 Euro erzielen. Bei zehn Milliarden Kubikmetern wären das 2,5 Milliarden Euro an Einnahmen. Wie groß das Gasfeld genau ist, wird derzeit durch seismische Untersuchungen ermittelt. Grob geschätzt rechnet Tygesen mit zehn bis 50 Milliarden Kubikmetern, die in Tiefen von rund 4 000 Metern in rotem Sandstein gespeichert sind. Bei einem Jahresverbrauch Deutschlands von 100 Milliarden Kubikmetern Erdgas reiche das aus, um etwa die Hälfte des Jahresverbrauchs zu decken und Deutschland ein Stück weit unabhängig von Erdgasimporten aus Russland zu machen. Gefahren wie in den Niederlanden, wo die Erdgasförderung bis 2030 wegen zahlreicher Erdbeben und erheblicher Gebäudeschäden eingestellt werden soll, werde es zwischen Zehdenick und Templin nicht geben. Das Gas in der hiesigen Region sei in den Gesteinsporen gebunden. Nach der Förderung ströme Grundwasser in die Hohlräume. Weder werde es zu Absenkungen kommen noch zu Erdbeben, weil keine Hohlräume entstehen würden. „Die Erdgasförderung ist hier völlig ungefährlich“, widerspricht Tygesen unter anderem den Darstellung der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren“, die sich am Donnerstag in Templin gegründet hat.

Schon jetzt profitiere die Region von der Suche nach Erdgas. Die 30 Mitarbeiter und Subunternehmer der Geophysik Leipzig sind für fünf Wochen in Zehdenick untergebracht. So fielen in der „Herberge Am Dock“ und im „Hotel Klement“ eintausend Übernachtungen an. Darüber hinaus müssten sich die Mitarbeiter von montags bis sonnabends verpflegen. Allein die seismische Suche koste eine Million Euro. Im Laufe des Sommers wollen Tygesen und sein Team, die seit etwa zwei Jahren großzügige Geschäftsräume im Gewerbestandort Schmelzstraße in Zehdenick nutzen, die Ergebnisse vorliegen haben. Auf dieser Basis werde dann entschieden, ob es eine Probebohrung geben wird. Das würde ein neues Genehmigungsverfahren des Landesbergamtes in Gang setzen, mit erneuter Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Sollte es in einigen Jahren tatsächlich zur Erdgasförderung kommen, würden etwa 30 Arbeitsplätze geschaffen. Die Stadt profitiere zudem durch Gewerbesteuereinnahmen.

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Silke Schmidt 05.02.2019 - 18:42:34

Völliger Ausverkauf unserer Gegend

Ich finde es unglaublich, dass die Firma Jasper Resources die Milliardengewinne, die sie erwirtschaften will, damit rechtfertigt, dass in zwei Zehdenicker Hotels Übernachtungen gebucht werden und die Mitarbeiter sich vor Ort verpflegen. Tausende Menschen in unserer Region leben vom Tourismus, der aber zugrunde gehen wird, wenn durch Gasförderung Gifte in die Umwelt gelangen und die Schorfheide in ein Industriegebiet verwandelt wird. Einzig die Firma Jasper Resources, die sich später wieder aus der Region zurückziehen wird, und uns dann mit den (irreparablen) Schäden zurücklässt, profitiert von der Erdgasgewinnung! Wir sollten alles daran setzen, die angestrebten Probebohrungen zu verhindern.

Egal Egal 04.02.2019 - 22:04:52

So dämlich können auch nur Zehdenick und Templin sein...

Wenn es angeblich so lukrativ ist, warum müssen sich ausländische Firmen an unseren Ressourcen dumm und dämlich verdienen ? Örtliche Politiker , Verwaltungen und Stadtwerke mit Weitsicht, würden hier selbst die Erdgasförderung übernehmen. Die Gewinne dann zweckgebunden zum Wohle der Region verwenden. Aber soviel Weitsicht ist von den Pappnasen in Zehdenick und Umgebung wohl zuviel verlangt. Dazu müßte man mal aufstehen aus seinem bequemen Verwaltungssessel.

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