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Firmenbesuch bei Stadler
In der S-Bahn, die nicht nach Velten fährt

Mit Blick in die Zukunft: Berlins neue S-Bahn eignete sich perfekt fürs Gruppenbild. Derzeit werden die Züge der Vorserie fit für die Schiene gemacht.
Mit Blick in die Zukunft: Berlins neue S-Bahn eignete sich perfekt fürs Gruppenbild. Derzeit werden die Züge der Vorserie fit für die Schiene gemacht. © Foto: MOZ/Roland Becker
Roland Becker / 11.02.2019, 17:56 Uhr
Velten (MOZ) Immerhin 160 der 1 300 Mitarbeiter von Stadler Pankow arbeiten im Veltener Inbetriebnahmewerk. Grund genug für den hiesigen Landtagsabgeordneten Detlef Baer (SPD), sich am Montag bei einer Betriebsbesichtigung ein Bild über die dort zu erfüllenden Aufgaben zu verschaffen.

„Ich steig hier nicht wieder aus. Vielleicht nützt es ja was.“ Bürgermeisterin Ines Hübner, die ihren Parteikollegen Baer begleitete, hat gerade in einem Zug der S-Bahn-Vorserie für Berlin Platz genommen. In der Stadt, die um die S-Bahn kämpft, wird die neue S-Bahn-Generation zwar auf Herz und Nieren geprüft. Wann aber die Wagen den Veltener Bahnhof wieder erreichen, das ist  nach wie vor ein Geheimnis, das die Politik (noch) nicht lüften will oder kann.

Es ist ein bunter Fuhrpark: Nagelneue Fahrzeuge warten in drei Hallen am Veltener Standort auf ihre Inbetriebnahme. Neben der S- und U-Bahn für Berlin werden derzeit Aufträge für Bochum (Straßenbahn) und den privaten Bahnbetreiber Go-Ahead aus Baden-Württemberg erledigt. Letzterer hat ebenso wie die S-Bahn Rhein-Main Züge der Marke Flirt bestellt. Auffällig übrigens: Rhein-Main setzt aufs Bunte: Die Sitze leuchten in acht verschiedenen Farben.

Es sind tausend kleine Handgriffe, die in Velten absolviert werden müssen, ehe ein Zug Fahrgäste aufnehmen darf. Das Öffnen und Schließen der Türen ist einer der sensiblen Bereiche. Ein Kollege testet diesen Vorgang immer wieder. In einer Werkstatt werden Sitzschalen nachlackiert, um kleine Kratzer zu beseitigen. Die Arbeitsabläufe müssen perfekt sitzen, das Zusammenspiel muss funktionieren. Nicht immer ganz einfach, wenn ein Blick auf die geparkten Autos verrät, dass viele polnische Kollegen hier arbeiten und damit auch Sprachbarrieren zu überwinden sind.

Zwölf Züge und Bahnen werden derzeit in Velten auf ihr Leben außerhalb der Werkstore vorbereitet. „Wir sind ausgelastet, aber auch nicht überausgelastet. Es gibt noch Kapazitäten“, sagt Silja Gisa Kollner. Stadlers Pressesprecherin hat dabei nicht nur den Veltener Standort im Blick, sondern auch die Pankower Produktionshallen. Kapazitäten wären auch vonnöten, falls Stadler wieder einen Großauftrag an Land zieht. Die BVG will in Kürze den Auftrag für 1 500 U-Bahn-Wagen ausschreiben. Es soll der größte Auftrag werden, der jemals für den deutschen Nahverkehr ausgelöst wurde. Offiziell schweigt Stadler dazu, ob man sich um das Milliarden-Geschäft bewerben wird. Doch Insider wissen: Nachdem der noch keine zwei Jahrzehnte alte Stadler-Spross in Pankow gemeinsam mit Siemens den Auftrag für die Berliner S-Bahn an Land gezogen hat und mit Icke, so der Name der U-Bahn-Züge, im Berliner Untergrund bereits unterwegs ist, dürfte Stadler wieder zu den Bietern gehören.

Die von Denis Wedekind, Abteilungsleiter der Inbetriebnahme, geführte Gruppe hat mittlerweile die neue Halle verlassen und befindet sich in den Produktionsstätten, die ab 1927 als S-Bahn-Depot für die Strecke Velten-Rangsdorf fungierten. Im 90 Jahre alten Turm des Gebäudes residiert übrigens ein Turmfalke, den der Zwei-Schicht-Betrieb unter seinem Domizil nicht aus der Ruhe zu bringen scheint.

„Denken Sie über ein Drei-Schicht-System nach?“, will der Stadtverordnete Andreas Noack (SPD) wissen. Ehe auch nur Geschäftsführer Torsten Trogisch das verneinen kann, hat bereits die Bürgermeisterin eingegriffen: „Dazu wäre ein Genehmigungsverfahren nötig.“ Mit Blick auf das gleich hinterm Firmenzaun liegende Wohngebiet dürften Nacht- und Sonntagsarbeit auch künftig auszuschließen sein.

Mit im Tross befindet sich auch Stadtwerke-Chef Michael Kühne. Der ist froh, den Stromkunden Stadler seit gut einem halben Jahr auch mit Fernwärme versorgen zu können. Stadler selbst will in Velten weiter investieren. Da die Kunden ihre Züge hier in Augenschein nehmen, soll vor allem das noch etwas wild wirkende Außengelände gestaltet werden. Eine Straße um die Hallen und genügend Parkplätze gehören dazu.

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