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"Strickliesel"
Rosa Rudorf erschafft eine Osterwelt aus bunten Maschen

Selbst gestrickt: Fast verschwindet Rosa Rudorf hinter ihren gestrickten Osterhasen, Ostereiern und Weidenkätzchen.
Selbst gestrickt: Fast verschwindet Rosa Rudorf hinter ihren gestrickten Osterhasen, Ostereiern und Weidenkätzchen. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 07.03.2019, 17:18 Uhr
Zehdenick Als der Reporter kommt, hat Rosa Rudorf schon die gute Stube dekoriert: Auf dem Tisch steht ein großer Korb mit Osterhasen, davor hat sie Weidenkätzchen, Ostereier und Flaschenmännchen drapiert — alles gestrickt und gehäkelt.

Rosa, die eigentlich Roselies heißt, gilt in Zehdenick als die "Strickliesel". Am zweiten Advent stellt sie im Rathaus aus, baut sie ihren Stand auf den Trödelmärkten der Umgebung auf. "Was hier auf dem Tisch steht, ist der Rest, alles andere ist schon weg", sagt sie. Und erzählt von einer älteren Dame, die einen ihrer Hasen sah und gleich drei mitnahm. Die Ideen kommen ihr spontan, sie zeichnet Entwürfe in ihren Skizzenblock, dann nimmt sie Nadel und Garn. Die Ostereier haben ein Füllung aus Styropor, die Osterhasen ein Vlies-Innenleben. "Ich muss etwas tun, das hält mich flott", sagt die 80-Jährige.

Zu ihrem Hobby kam sie durch Zufall. Die gelernte Köchin arbeitete im Harz in einer Betriebskantine, als jede der Frauen einen Beiirag zu einem Basar liefern sollte. Sie wusste nicht was, bis sie am Abend im Fernsehen das Sandmännchen und Pittiplatsch sah. "Da wußte ich, das isses!" Über Umwege kam sie in die Havelstadt und suchte hier den Kontakt zur Tagespflege, im Seniorenheim bastelt sie noch heute mit Männer und Frauen, die teilweise jünger als sie sind. "Im Alter muss man sich etwas suchen und nicht nur rumsitzen und vor sich hin dösen; dann ist’s vorbei! Ich hoffe, dass ich noch lange Spaß an meinem Hobby haben werde," sagt die rüstige alte Dame.

Nicht nur zu Weihnachten und Ostern glüht bei ihr die Stricknadel, wenn sie nichts für Ausstellungen vorbereitet, widmet sie sich ihren  Teddies, zieht ihnen selbstgestrickete Jacken, Röckchen oder Hosen an. "Ich habe über 60 Stück und kann nicht aufhören", gesteht sie. Rosalie Rudorf stammt aus Seelow im Oderbruch, mit fünf Jahren hat sie die Schlacht dort miterlebt und wie ein russischer Soldat ihre unter Häusertrümmern verschüttete Mutter entdeckte und herauszog. Auch das Oderhochwasser im März 1947 ist ihr in Erinnerung geblieben: "Da haben wir die Fische aus den Pfützen gefangen". Dann hält sie inne und sagt: "Ich muss jetzt wieder anfangen, damit ich genug für den Trödelmarkt in Häsen habe." Dort bietet sie am Sonnabend, 23. März,  ihre Hasen und Co. an.

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