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Wildkräuter-Projekt
Verschollene Pflanzen sollen zurück in die Region kommen

Biologische Vielfalt erhalten und fördern: Das hat sich Frank Rumpe aus Altglobsow zum Ziel gesetzt.
Biologische Vielfalt erhalten und fördern: Das hat sich Frank Rumpe aus Altglobsow zum Ziel gesetzt. © Foto: Thomas Pilz
Matthias Henke / 14.03.2019, 13:00 Uhr
Altglobsow/Fürstenberg Auf fünfeinhalb Hektar bei Fürstenberg, nahe der alten Kirschenallee, betreibt der Altglobsower Bio-Landwirt Frank Rumpe extensive Getreidebewirtschaftung und gibt auch Wildkräutern eine Chance. Bei der Tagung des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land zog er kürzlich ein Zwischenfazit.

"Unkraut vergeht nicht – stimmt das?", lautete die etwas provokante Eingangsfrage. "Stimmt nicht" beantwortete Frank Rumpe sie sogleich selbst. Die industrielle Landwirtschaft habe viel im Arsenal,  um unerwünschten Pflanzen den Garaus zu machen – chemisch wie mechanisch. Die Artenvielfalt gehe dadurch zurück – deutschlandweit, weltweit. Viele Landwirte handelten aber nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Zwängen so, da die Verbraucher nach billigen Produkten verlangen. Das habe dazu geführt, dass auch in der Region schon knapp zwei Dutzend Arten als verschollen gelten: Lämmersalat, Feldrittersporn und Ackerröte beispielsweise. Vergleiche man Aufnahmen von Äckern der Region von vor einigen Jahren mit aktuellen Bildern, biete sich heute auch ein eher eintöniges Bild.

Ein Projekt der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft widmet sich dem Schutz gefährdeter Ackerwildkräuter. Vergangenen Spätsommer stellte Rumpe es mit Kooperationspartner vor (GZ berichtete). Die Stiftung unterstützt Landwirte und Naturschutzorganisationen mit einer bundesweiten Initiative bei Erhalt, Vermehrung und Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern. Im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land ist Rumpe Pionier. Die Samen von seltenen Ackerwildkräutern werden im Sommer auf Spenderflächen in der Region von kundigen Botanikern gesammelt. Wichtig sei, dass die Restvorkommen dort durch die Sammeltätigkeit nicht beeinträchtigt werden. Frank Rumpe legte für die gesammelten Arten auf seinem Hof Vermehrungsbeete an, die erstmals im Herbst eingesät wurden. Das so gewonnene Saatgut soll nun auf den Äckern des Biohofes ausgebracht. Hier sollen sich die Arten in den folgenden Jahren selbst vermehren und zu einem vielfältigen Ackerlebensraum beitragen, der auch Nützlinge wie Bestäuber oder hilfreiche Bodenorganismen fördert.

Der Konflikt Wirtschaftlichkeit versus Biodiversität sei dabei nur ein scheinbarer und außerdem vielschichtiger als zunächst angenommen, so der Altglobsower weiter. Biodiversität trage schließlich nicht unerheblich zum Erlebnis- und Erholungswert von Landschaften bei, was von besonderer Bedeutung für das menschliche Wohlbefinden sei, wie eine zunehmende Zahl von Studien belege, betonte er. Der Wert vielfältiger Ökosysteme lasse sich zum Teil sogar ökonomisch beziffern. So sei die Häufigkeit von Krankheitserregern umso niedriger, je vielfältiger ein Ökosystem sei, so Rumpe weiter. Als drastisches Beispiel, welche Risiken Monokulturen bergen, führte  er die Katastrophe, die infolge auftretender Kartoffelfäule im Irland des 19. Jahrhunderts auftrat, als Beispiel an.

Unterm Strich brauche es engagierte Menschen, Bildung und entsprechende politische Rahmenbedingungen, soll der Fokus der Landwirtschaft sich verstärkt auf die Umwelt richten. "Es sind nicht die anderen , die etwas machen müssen. Wir selbst können jeden Tag durch kleine Entscheidungen dazu beitragen", fügte Rumpe hinzu.

Der Leiter des Naturparks, Dr. Mario Schrumpf, ergänzte mit Blick auf das Wildkräuterprojekt: "Wenn jeder Landwirt ein Prozent seiner Fläche dafür zur Verfügung stellt, könnte viel erreicht werden. Das Pprojekt ist ein schöner Anfang, aber nur ein Anfang."

Unkraut

■ Als Unkraut bezeichnet man Pflanzen, die in Kulturpflanzenbeständen oder Gartenanlagen nicht gezielt angebaut werden.

■ Alternativ wird häufig von Beikraut oder Kulturpflanzenbegleitern gesprochen.

■ Hauptkriterium, um eine Pflanze als Unkraut zu bezeichnen, ist, dass sie unerwünscht ist.

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