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Frühjahrsputz
Die Stadt kämpft gegen den Müll

Wollen mit gutem Beispiel vorangehen: Wolfgang Schwericke, SV-Eintracht-Vorsitzende Anke Rudolph und Gransees Bürgermeister Mario Gruschinske (SPD, von links)
Wollen mit gutem Beispiel vorangehen: Wolfgang Schwericke, SV-Eintracht-Vorsitzende Anke Rudolph und Gransees Bürgermeister Mario Gruschinske (SPD, von links) © Foto: Matthias Henke
Matthias Henke / 13.04.2019, 09:46 Uhr
Gransee (MOZ) Was Ende November seine Premiere erlebte, soll am kommenden Sonnabend in eine neue Runde gehen: Plogging. Bei dieser sportlichen Form des Müllsammelns (siehe Infokasten) sammelten die Teilnehmer vergangenes Mal jede Menge Unrat. "Wir hatten ja schon damals angekündigt, die Aktion zu wiederholen und wollen dieses Mal auch alle Granseer aufrufen", sagt Wolfgang Schwericke. Angesprochen fühlen sollten sich nicht nur jene, die sich beim SV Eintracht treffen, um von dort aus auszuschwärmen, sondern auch jene, die vor ihrem eigenen Grundstück nach dem Rechten sehen, sowie Vereine, die im Umfeld ihres Vereinsheims klar Schiff machen wollen. "Wir Läufer werden uns dann auf die Außenbereiche konzentrieren", so Schwericke weiter.

Mehr Mülleimer keine Lösung

"Ich finde es toll, dass es diese Aktion gibt", unterstreicht Bürgermeister Mario Gruschinske (SPD), der sich auch schon an der Erstauflage beteiligte. Er werde auch noch einmal die Vereine anschreiben und auf die Aktion aufmerksam machen, kündigt Gruschinske an. "Es heißt zwar Plogging, aber wer das ohne Laufen machen will, soll das tun." Er würde es begrüßen, wenn sich auch Schulen beteiligen würden. "Für manche Bürger löst sich das Problem, indem man einfach mehr Mülleimer aufstellt. Doch das ist  keine Lösung", stellt Gruschinske klar. Nicht selten bleibe nur festzustellen, dass Mülleimer demoliert werden. Für manche uneinsichtige Mitmenschen sei es auch scheinbar selbstverständlich, ihren Hausmüll darin zu entsorgen. "Das alles ist eine Frage der Einstellung. Man muss aber feststellen, wir haben ein Sauberkeitsproblem in Gransee." Er denke da beispielsweise an Bereiche wie die Promenade entlang der Stadtmauer. "Das kann aber nicht allein Aufgabe der öffentlichen Hand sein", so Gruschinske weiter. Den ehrenamtlichen Ansatz des SV Eintracht halte er daher für richtig. Womöglich bewirke das auch eine Einstellungsänderung. Darauf setzt auch SV-Eintracht-Chefin Anke Rudolph. "Ich setzte besonders auf die junge Generation. Im Prinzip machen die Kinder doch das, was ihnen vorgelebt wird", sagt sie.

"Ich habe die Hoffnung, wenn die Öffentlichkeit das wahrnimmt, dass da ein Gewissenskonflikt entsteht, dass jeder einmal in sich geht und sich fragt, muss jetzt ein anderer meinen Müll aufheben?", sagt Wolfgang Schwericke. Nicht zu verstehen sei, was alles achtlos in die Landschaft geworfen werde. "Jede Menge Pfandflaschen waren da letztes Mal dabei", ergänzt Anke Rudolph. "Die hätten für zwei Pakete Bockwurst gereicht", ergänzt sie und lacht. Obwohl – zum Lachen sei die Rücksichtslosigkeit der Anderen ja eigentlich nicht. Auch Gruschinske hat so seine Probleme damit, wie auf das Erreichte zu reagieren ist. Natürlich sei man stolz darauf gewesen, die Stadt von vielem Unrat befreit zu haben, doch beim Erinnerungsfoto der Müllsammler mit dem gesammelten Unrat nach der Aktion im November, habe er sich auch gefragt, ob er dabei lachen soll, angesichts des unverständlichen Tuns vieler Mitmenschen. "Man kann sich eigentlich nur wünschen, dass der Berg von Aktion zu Aktion kleiner wird. Aufgrund der Häufigkeit der Stopps bin ich damals gar nicht zum Laufen gekommen", erinnert Gruschinske sich.

Dankes-Imbiss für die Helfer

Am 20. April soll es um 10 Uhr am Vereinsheim des SV Eintracht an der Oranienburger Straße losgehen. Dort werden die Routen festgelegt, die gelaufen oder gewandert werden. Etwa eine Stunde soll das Ganze dauern. Im Anschluss wartet ein kleiner Imbiss in Form von Kaffee, Kuchen und Bockwurst als Dankeschön auf die Helfer. Auch dass der gesammelte Müll zwischendurch abgeholt wird, soll organisiert werden. Während sich bei der Premiere etwa drei Dutzend Personen beteiligen, hoffen die Organisatoren dieses Mal auf noch größere Resonanz – damit Gransee über Ostern als saubere Stadt zum Spaziergang mit der ganzen Familie einlädt.

Hintergrund

Plogging ist ein Kofferwort, gebildet aus den Bestandteilen "plocka" (schwedisch aufheben) und Jogging, und steht für eine Natursportart, bei der – zumeist organisiert und mit Handschuhen sowie Abfallbehältnissen ausgestattet – die Vermüllung der Landschaft bekämpft wird.

Als organisierter Sport entstand diese Aktivität in Schweden um 2016 und breitete sich in den folgenden Jahren unter anderem über die sozialen Medien rasch aus.

Durch das regelmäßige Bücken, Aufheben, Aufrichten und Weiterlaufen soll Plogging ein abwechslungsreicheres Training als normales Jogging bieten.⇥red

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