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Kommunalwahlen
Peter Bosschaart verlässt die Politik

Spaß im heimischen Grün: Vor Jahren gab es im Garten sogar Spargelreihen. Inzwischen sind diese einer Wiesenfläche mit vielen Obst- und Zierbäumen gewichen. Dort steht nun auch der Abschiedsbaum von Peter Bosschaart.
Spaß im heimischen Grün: Vor Jahren gab es im Garten sogar Spargelreihen. Inzwischen sind diese einer Wiesenfläche mit vielen Obst- und Zierbäumen gewichen. Dort steht nun auch der Abschiedsbaum von Peter Bosschaart. © Foto: Volkmar Ernst
Volkmar Ernst / 14.05.2019, 17:28 Uhr
Grüneberg (MOZ) Peter Bosschaart lehnt sich zum Gespräch gemütlich in seinen Sessel zurück.  Die Arme hat er auf die Lehnen gelegt. Er ist sichtlich entspannt  und beginnt zu erzählen. Von der Kindheit, dem Studium, der ersten Anstellung als Lehrer, von Grüneberg und natürlich von jenen 29 Jahren, in denen er versucht hat, die Geschicke des kleinen Örtchens mitzugestalten. Es macht Spaß,  zuzuhören.

"Ja, Bosschaart ist schon ein ungewöhnlicher Name. Meine Großeltern waren Holländer. Auf der Suche nach Lohn und Brot sind sie ins Ruhrgebiet gezogen. Aber schon meine Eltern sind dort geboren, so wie ich auch", erzählt er. "Wir hatten sogar einen holländischen Pass." Zu Deutschen wurden die Bosschaarts, als die DDR gegründet wurde. Zuvor: Essen ausgebombt. Die Familie war bei Freunden in Thüringen untergekommen und hatte sich dort eingerichtet. "Die DDR hielten meine Eltern nur für eine kurze Episode, deshalb haben sie die neuen Ausweise genommen", erzählt er weiter.

Lehrer wollte er werden

Doch es sollte anders kommen, zumal der atheistisch ausgerichtete Staat Christen nicht unterstützte. Obwohl ein Einser-Schüler, durfte Peter Bosschaart nicht an die EOS. Um das Abitur trotzdem machen zu können, musste er für vier Jahre ein Internatsleben am Ernst-Abbe-Gymnasium in Eisenach in Kauf nehmen. Danach begann er mit einem Lehramtsstudium (Germanistik/Geschichte) an der Universität Jena, allerdings unterbrochen von der Einberufung zur Armee.

Die Uniform wieder ausgezogen, setzte er das Studium mit der Fachkombination Germanistik/Geografie in Leipzig fort. "Geschichte habe ich später noch nachgeholt", ergänzt er. Berlin als Einsatzort reizte ihn zwar. Doch eine Unterkunft war da nicht zu bekommen. Aber eben im Umland: So landete Bosschaart also hinter Oranienburg, aber noch vor Gransee in Grüneberg. Hier traf er auch seine Frau Monika, "bei der ich noch was gutzumachen habe", wie der Senior mit einem verschmitzten Lächeln anmerkt.

Denn die gemeinsamem Unternehmungen zum Hochzeitstag am 8. Mai musste er verschieben. Bernd-Christian Schneck, heute Bürgermeister des Löwenberger Landes und früher einmal Schüler von Bosschaart, hatte ihn ausdrücklich gebeten, zur letzten Sitzung des Rates zu kommen. Wie er heute weiß, weil er nach 29 Jahren in der Kommunalpolitik in großer Runde von den Gemeindevertretern und den Mitarbeitern der Verwaltung verabschiedet werden sollte.

Neben vielen Wünschen gab es auch ein Bäumchen für den Garten. Das steht natürlich schon längst im Boden, dort, wo auch andere Zier- und Obstgehölze stehen. Immerhin ist der Garten fast 3 000 Quadratmeter groß, da war es nicht schwer, einen Platz zu finden. Schwerer wird das schon mit der Wiedergutmachung für die verschobene Feier des Hochzeitstages.

In die zweite Reihe treten

Doch ist sich Peter Bosschaart sicher, schon das Richtige zu finden. Vielleicht eine Reise nach Griechenland? Bildungsreisen sind ein gemeinsames Hobby. Zeit, das zu planen, hat er. "Mit 77 Jahren ist es Zeit, in die zweite Reihe zu treten", sagt er energisch, um dennoch die Aussage gleich wieder etwas abzuschwächen: Er sei durchaus bereit, als berufener Bürger die neuen Kommunalpolitiker zu beraten.

Dass er durchaus stolz darauf ist, im Kleinen etwas für "sein Grüneberg" und später das Löwenberger Land bewegt zu haben, daraus macht er keinen Hehl. Gerade die Wende- und Nachwendezeit sei wichtig gewesen, um das Löwenberger Land zu dem zu machen, was es heute sei, "eine lebenswerte Gemeinde".

Trotz vieler oft auch schwieriger Entscheidungen sei es gelungen, ein Gebilde zu formen, in dem sich alle Einwohner, auch die in den kleinen Ortsteilen, wiederfinden und als Teil des Ganzen verstehen, stellt er klar. Die Schulen in Falkenthal und Teschendorf zu schließen, seien keine leichten Entscheidungen gewesen. "Aber wir haben versucht, das zu erklären und die Einwohner der Ortsteile mitzunehmen, um den Schulstandort Löwenberg zu sichern." Was er den Neuen mit auf den Weg geben will, das ist genau das: "Sucht auch bei schwierigen Entscheidungen das Gespräch und nehmt die Leute mit!" Nichts sei schlimmer, als wenn die Leute den Eindruck hätten, dass Kommunalpolitiker sowieso nur das machen, was sie wollen.

Gemeindevertretung Löwenberger Land

18 Sitze sind in der Gemeindevertretung zu vergeben. Der Bürgermeister gehört dem Gremium zusätzlich an.

73 Kandidaten von Parteien, Wählervereinigungen und auch Einzelbewerber treten zur Wahl an.⇥veb

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