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Jubiläum
800 Teilnehmer bei 20. Integrationssportfest

Aileen Hohnstein / 15.05.2019, 18:41 Uhr
Hennigsdorf Zum 20-jährigen Jubiläum der Sportveranstaltung kamen wieder mehr als 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Handicap nach Hennigsdorf.

Geht nicht, gibt’s nicht, sagt Cornelia Kühn mit Nachdruck. Die Betreuerin bei der Lebenshilfe Oberhavel Nord in Zehdenick ist am Mittwoch mit elf Bewohnern der Einrichtung zum Sportplatz des Eduard-Maurer-Oberstufenzentrums nach Hennigsdorf gekommen, um beim mittlerweile 20. Integrationssportfest des Landkreises dabei zu sein. Ihre Aufmunterung trägt Früchte, einer ihrer Schützlinge traut sich nun doch an ein Geschicklichkeitsspiel und strahlt über das ganze Gesicht, als der Ball beim Handtuchzielschießen durch die Luft fliegt.  "Sie alle sind ganz begeistert und haben die ganze Zeit auf diesen Tag und das Fest hingefiebert", erzählt Cornelia Kühn.

Das Integrationssportfest, von der Hennigsdorfer Pur-Gesellschaft organisiert und vom Behindertensportverein Oberhavel ausgerichtet, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Veranstaltung gemausert. "Wir mussten in diesem Jahr einigen absagen, weil schon so viele Teilnehmer angemeldet waren", sagt Steffen Leber von der Pur-Gesellschaft, der organisatorischer Leiter des  Sportfestes ist. Insgesamt starten am Mittwoch 858 Personen mit und ohne Handicap. Ursprünglich sollte die Teilnehmerzahl von 750 nicht überschritten werden, damit das Fest nicht den zeitlichen Rahmen sprengt. "Die Achillesferse des Festes ist die Weitsprunganlage", erklärt Leber. Es gibt nur eine Anlage für alle Teilnehmer. Bei noch mehr Sportlern wären die Warteschlangen zu lang. Denn beim traditionellen athletischen Dreikampf aus Medizinballschocken, Sprint und Weitsprung müssen fast alle Teilnehmer im Laufe des Wettkampfs zur Sandgrube.

Dass das Integrationssportfest solch ein Erfolg werden würde, war im Jahr 2000 bei der ersten Ausgabe des Festes noch nicht abzusehen. Damals kamen 350 Teilnehmer. "Wir waren unsicher, ob es gut angenommen wird und der Gedanke des Festes überspringt", erzählt Annette Koegst, Pur-Geschäftsführerin. Die Resonanz der Teilnehmer sei durchweg positiv. "Das ist gelebte Inklusion. Kinder kommen mit Menschen mit Behinderungen in Berührung und sehen, wie diese sich darüber freuen, wenn sie etwas geschafft haben. Wenn Menschen mit und ohne Behinderung miteinander Sport machen, werden spielerisch Bedenken und Vorurteile abgebaut", sagt Annette Koegst.

Für Landrat Ludger Weskamp (SPD), Schirmherr des Sportfestes, ist die Realisierung der Veranstaltung ein Zeichen des Miteinanders: "Das zeigt, was wir hier in Oberhavel hinkriegen. Was alles möglich ist." Mit dem Integrationssportfest werde zudem etwas ins Bewusstsein gerückt, das in der Region dazugehört. Jeder sechste Einwohner Oberhavels lebe mit einer Behinderung, führt Weskamp aus. "Deshalb ist es wichtig, diese Leute in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen hier und heute eine Plattform zu geben." Für ihn besteht das Besondere des Integrationssportfestes darin, das Miteinander zu fördern: "Kindern wird vermittelt, dass es völlig normal ist, mit anderen Sport zu treiben, die vielleicht ein bisschen anders aussehen. Die entspannte Atmosphäre auf dem Sportplatz unterstützt das sehr schön."

Tatsächlich ist die Stimmung ausgelassen. Vor allem bei den Geschicklichkeitsspielen, wo zum Beispiel Luftballons auf einem Tennisschläger balanciert werden oder man im Team auf Riesenskiern einen Parcours bewältigen muss, wird viel gelacht. "Es ist herrlich, mir gefällt hier alles", schwärmt der 19-jährige Michael Benter, der sich lieber Paule nennt. Er ist mit der Caritas-Werkstatt St. Johannesberg aus Oranienburg angereist. "Ich bin richtig überrascht, wie groß das hier ist", sagt Christian Moser, der Einzelfallhelfer an der Hennigsdorfer Regenbogenschule ist und das erste Mal als Begleiter das Sportfest besucht.

Damit die Veranstaltung reibungslos läuft, sind zahlreiche Helfer vor Ort. Bis zu 90 Schüler des Eduard-Maurer-Oberstufenzentrums nehmen die Ergebnisse der Dreikampf-Sportler auf und digitalisieren sie. Es wurde sogar ein Computerprogramm entwickelt, damit die Urkunden schneller ausgedruckt werden können. Gut 50 weitere Helfer von der Pur-Gesellschaft haben nicht nur den Aufbau von Ständen und Bühne unterstützt, sondern sind auch bei den Spaßsportarten als Assistenten eingeteilt. Frank Rose ist einer von ihnen. "Cool", kommentiert er den Fußballtreffer eines Jugendlichen. "Ich hatte bis jetzt nicht so viel mit Behinderten zu tun. Es ist schön, wenn man sieht, was sie alles können", findet er.

Ein Fest mit vielen Sportarten für jedes Alter

858 Teilnahmer waren beim Integrationssportfest angemeldet. Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene bis 99 Jahre durften starten. Davon spielten 97 beim Futsal-Turnier mit, das vom Fußballlandesverband durchgeführt wurde.

Der Dreikampf aus Sprint, Werfen und Weitsprung gehört tradtionell zum Sportfest dazu. 304 Teilnehmer ohne und 223 mit Behinderung traten dort an. Außerdem waren 12 Rollstuhlfahrer dabei, die statt des Weitsprungs einen Rollstuhlparcours absolvierten.

Fast alle Teilnehmer, 797 an der Zahl, versuchten sich an sechs unterschiedlichen Geschicklichkeitsspielen wie Torwandschießen oder Zielwerfen.⇥aho

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